
Graphik
1:
Home Bias bei Aktien
Graphik
2:
Verbraucherpreise im Euro-Raum
Graphik 3: Wirtschaftswachstum in Deutschland und im Euro-Raum
Graphik 4:
Arbeitslosenquoten in Deutschland und im Euro-Raum
Der Euro hat durch den Wegfall von Wechselkursrisiken und mehr Preistransparenz in der Europäischen Währungsunion die Rahmenbedingungen für Produktion und Handel im Binnenmarkt deutlich verbessert. Die wachsende Integration der europäischen Finanzmärkte stärkte ebenfalls die realwirtschaftlichen Wachstumsperspektiven. Nicht alle mit dem Euro verbundenen Erwartungen im Vorfeld der Währungsunion erwiesen sich jedoch als realistisch: So hat sich der Euro nur begrenzt als Katalysator für wachstumsfördernde Strukturreformen erwiesen.
Die Erwartungen an die gemeinsame Währung und die einheitliche Geldpolitik im Vorfeld waren durchaus heterogen. Nicht wenige Pessimisten sagten dem Euro eine geringe Lebenserwartung voraus. Manche Befürworter hofften, dass der Euro gleichsam Katalysator für Strukturreformen und damit für mehr Wachstum und Beschäftigung sein wird. Eine aus ökonomischer Sicht realistische Sicht auf den Euro durfte auf drei Feldern wirtschaftliche Vorteile erwarten: Preisstabilität im gesamten Währungsraum, mehr innereuropäischer Handel und zusammenwachsende Finanzmärkte. Auf allen drei Feldern haben sich die Erwartungen weitestgehend erfüllt. Der Start der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion war insofern der Beginn einer europäischen Erfolgsgeschichte.
Exakt beziffern lässt sich die positive Wirkung des Euro auf den Handel zwar nicht, da sich verschiedene Effekte überlagern, jedoch gehen selbst vorsichtige Schätzungen von 3-5 % mehr Handel aus, andere von deutlich mehr. Davon profitierte nicht zuletzt die exportorientierte deutsche Wirtschaft, die mehr als 40 % aller Exporte innerhalb des Euro-Raums abwickelt.
Zur Verbesserung der Wachstumsperspektiven trägt zweifellos auch bei, dass die Integration der europäischen Finanz- und Kapitalmärkte weiter vorangeschritten ist, wenngleich nicht in allen Segmenten im gleichen Ausmaß. Insbesondere streuen Anleger ihre Wertpapierinvestments, sei es in Renten, Aktien (Graphik 1) oder Investementfonds heute merklich breiter als vor der Einführung des Euro, wodurch sie ihre Risiken diversifizieren: So stammten bei Ansässigen des Euro-Raums 1997 nur 13 % der von ihnen gehaltenen Aktien und 12 % der langfristigen Schuldverschreibungen aus anderen Ländern des Euro-Raums, Ende 2006 waren es hingegen 29 % bzw. 58 %.
Die Verwerfungen, die mit der internationalen Finanzkrise zusammenhängen, haben zwar einige Fortschritte der Finanzmarktintegration im Euro-Raum wieder rückgängig gemacht. Dabei spielt die erhöhte Gewichtung von individuellen Kontrahentenrisiken ebenso eine Rolle wie ein Rückgang der Liquidität einzelner Marktsegmente. Durch diese Faktoren sind die Finanzierungsbedingungen auf den Geld- und Rentenmärkten, die sich vor der Finanzmarktkrise weitgehend angeglichen hatten, wieder heterogener geworden. Gleichwohl ist eine dauerhafte Refragmentierung der europäischen Finanzmärkte nicht zu erwarten.
Die globale Finanzmarktkrise hat insgesamt die stabilisierende Wirkung des Euro unterstrichen. Banken innerhalb des gesamten Euro-Raums können sich zu gleichen Bedingungen kurzfristig Liquidität beim Eurosystem beschaffen. Diese Möglichkeit hat die Verspannungen am Geldmarkt erheblich abgemildert und so als Puffer gegen die globalen Finanzmarktschocks gewirkt – ebenso wie die Tatsache, dass es keine Wechselkursspannungen zwischen den Mitgliedstaaten des Euro-Raums mehr gibt.
Der beste Beitrag, den die Geldpolitik für nachhaltiges Wirtschaftswachstum leisten kann, ist Preisstabilität. Von monetärer Warte aus können indes nur stabilitätsgerechte Voraussetzungen für nachhaltiges Wirtschaftswachstum geschaffen werden. Dies ist gelungen (Graphik 2). Die tatsächliche und die trendmäßige Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts hängen jedoch von vielen Faktoren ab. Es wäre deshalb verfehlt, die Wachstumsraten (Graphik 3) oder die Arbeitslosenraten (Graphik 4) in einen unmittelbaren Zusammenhang mit der Währungsunion zu stellen. Gerade die überaus optimistischen Erwartungen, dass die Währungsunion als Katalysator für strukturelle Reformen wirken würde, haben sich nicht erfüllt. Hier wurden zwar in den letzten Jahren überfällige Reformen in Angriff genommen. Dies geschah jedoch primär aus nationalen wirtschaftlichen Zwängen heraus und ist damit weniger auf die veränderten Rahmenbedingungen in einer Währungsunion zurückzuführen.
Zehn Jahre Erfahrung mit der Währungsunion haben gezeigt, dass die Mitgliedstaaten sehr wohl mit der einheitlichen Geldpolitik zurecht kommen, sofern sie über die Flexibilität und Bereitschaft verfügen, sich über die in nationaler Verantwortung verbliebenen Bereiche der Wirtschaftspolitik an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Vor allem die Finanzpolitik und die Lohnpolitik sind gefordert, im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf länderspezifische Umstände zu reagieren. Gleichwohl ist einzuräumen, dass das Verständnis für diese Zusammenhänge nicht in allen Staaten in gleichem Maße entwickelt ist. In Deutschland war es vor allem die moderate Lohnpolitik der letzten Jahre, die dafür sorgte, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft verbessert hat.