
Am 1. Januar 2009 jährt sich die Euro-Bargeldeinführung zum siebten Mal. Für viele Bürgerinnen und Bürger war dies der eigentliche Beginn der europäischen Währungsunion. Denn von diesem Tag an konnten sie erstmals mit dem neuen gemeinsamen Geld Waren und Dienstleistungen bar bezahlen. Obwohl der Status der D-Mark als gesetzliches Zahlungsmittel am 31. Dezember 2001 um 24.00 Uhr endete und nach wenigen Wochen der Euro im täglichen Zahlungsverkehr dominierte, wechseln heute noch täglich mehr als 1.000 Bürgerinnen und Bürger Scheine und Münzen der alten Währung an den Schaltern der Bundesbank-Filialen um. Das liegt vor allem daran, dass der Umtausch zeitlich unbefristet ist und nach wie vor DM-Horte im In- und Ausland gefunden werden.
Und dies, obwohl die logistisch beispiellose Umtausch-Operation in den elf Mitgliedsländern mit über 300 Millionen Einwohnern schnell und reibungslos verlief. Sie trug wesentlich dazu bei, das Vertrauen in die junge Währung zu stärken. Für die Erstausstattung der Bürgerinnen und Bürger mit Bargeld waren 14,5 Mrd. Banknoten im Wert von 616 Mrd. Euro vom 1. Januar 1999, dem Beginn der Währungsunion, bis Ende 2001 gedruckt worden. Aneinandergelegt entspricht das der Strecke einmal zum Mond und wieder zurück. Zugleich wurden 50 Mrd. Münzen im Wert von etwa 16 Mrd. Euro geprägt.
Die rasche Rücknahme der alten Währung bewältigen alle Beteiligten erfolgreich. Anfangs wurden die D-Mark-Bargeldbestände (s. Grafiken) sehr rasch abgebaut: Ende 2001, also noch vor der Euroeinführung, lag der deutsche Bargeldumlauf, um mehr als 40 % unter seinem Vorjahrsniveau, da Bargeld auf Konten eingezahlt wurde. Ende 2002 war er auf unter 10 % seines Wertes vom Jahr 2000 gesunken. Von da an ging der Abbau der D-Mark-Bestände nur noch langsam voran.
Ende 2007 standen noch rund sieben Mrd. DM in Banknoten aus. Das sind nur rund 2,7 % des Banknotenumlaufs des Jahres 2000. Hingegen entsprechen die Ende 2007 ausstehenden Münzen im Wert von ebenfalls rund sieben Mrd. DM etwa 44 % des Münzumlaufs des Jahres 2000 im Volumen von rund 16 Mrd. DM. Die DM-Rücklaufquoten zeigen deutlich, dass Münzen in einem stärkeren Maße als Banknoten von Sickerverlusten durch Hortungen und Schwund betroffen sind.
Im Jahre 2007 haben Kunden in den Filialen der Deutschen Bundesbank insgesamt 402.000 mal DM in Euro im Wert von insgesamt 211 Mio. DM umgetauscht; pro Geschäftstag waren das durchschnittlich etwa 1.600 Transaktionen zu je 525 DM. Das nach wie vor recht hohe Umtauschvolumen hat vor allem drei Gründe. Es gibt weiterhin keine betragliche und zeitliche Begrenzung für den Umtausch. Zudem ist der Umtausch kostenfrei in allen Bundesbank-Filialen zum festgelegten Kurs von 1,95583 DM je Euro möglich. Es besteht also kein Zeitdruck. Wer irgendwann zufällig DM-Noten oder -Münzen in Reisetaschen, Büchern oder unter der alten Tapete findet, kann sie am Schalter einer Bundesbank Filiale umtauschen. Die meisten Euroländer haben jedoch Umtauschfristen festgelegt. Diese sind insbesondere für Münzen teilweise schon abgelaufen. Nur die Zentralbanken in Irland, Spanien und Österreich haben vergleichbare Regelungen wie die Bundesbank und bieten den unbefristeten Umtausch ihrer jeweiligen Euro-Vorgängerwährungen an.
Ein kompletter Rückfluss des ausstehenden DM-Bargeldes ist nicht zu erwarten, da eine erhebliche Menge an Noten und Münzen verschwunden bleiben wird oder zerstört sein dürfte. DM-Münzen liegen als Glücksbringer in tiefen Brunnen oder sind im Meer für immer verloren, oder sie werden wie auch DM-Banknoten von Sammlern oder aus nostalgischen Gründen gehortet. Auch im Ausland, vor allem in Ländern, in denen die D-Mark als Wertaufbewahrungs- oder Zahlungsmittel genutzt wurde, dürften Restbestände vorhanden sein, die häufig erst umgetauscht werden, wenn ihre Besitzerinnen oder Besitzer mal wieder nach Deutschland kommen.
Hat der Umtausch des alten Bargelds bei der Bundesbank stattgefunden, werden die Scheine nach maschineller Prüfung auf Echtheit geschreddert, die Münzen entwertet, eingeschmolzen und einer Marktverwertung zugeführt. Der Erlös aus der Metallverwertung steht dem Bundesministerium der Finanzen zu. So „lebt“ gleichsam die physische Substanz der alten D-Mark „weiter“, wenn auch nur als „Münzschrott“ in den neuen Ronden, aus denen wieder Euro-Münzen entstehen.