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Kreditrisiko-Standardansatz: Externes Rating

Gemäß der Baseler Rahmenvereinbarung "Internationale Konvergenz der Kapitalmessung und Eigenkapitalanforderungen" (Basel II) können Banken bei der Bestimmung der Risikogewichte im Standardansatz (auch bei Verbriefungspositionen) Bonitätsbeurteilungen (Ratings) externer Ratingagenturen verwenden, sofern die Ratingagenturen von der nationalen Bankenaufsicht anerkannt worden sind. Die nationalen Aufsichtsbehörden müssen dabei die Ratings der anerkannten Ratingagenturen den Risikogewichtungskategorien (Bonitätsstufen) im Standardansatz zuordnen (sog. Mapping). Die Kriterien für die Anerkennung von Ratingagenturen, die Verwendungsfähigkeit externer Ratings sowie das Zuordnungsverfahren werden in den Absätzen 91 bis 108 der Rahmenvereinbarung dargestellt.

Auf EU-Ebene wurden die Baseler Empfehlungen zur Anerkennung externer Ratingagenturen und Verwendungsfähigkeit externer Ratings in der Bankenrichtlinie 2006/48/EG (Art. 81-83) umgesetzt. Zusätzlich wurden am 20.01.2006 von CEBS "Guidelines for the recognition of external credit assessment institutions (ECAIs)" veröffentlicht, um eine möglichst einheitliche Auslegung der Richtlinie in diesem Punkt zu erreichen. In den Guidelines wird u.a. geregelt, nach welchen Maßstäben die Erfüllung der Anerkennungskriterien beurteilt werden soll.

Bei Ratingagenturen, die in mehreren EU-Mitgliedsstaaten anerkannt werden wollen, findet ein gemeinsames Bewertungsverfahren ("joint assessment process") der einbezogenen EU-Mitgliedsstaaten statt. Innerhalb dieses informellen Verfahrens wird ein zentraler Ansprechpartner und Koordinator (der sogenannte "process facilitator") benannt. Durch die gemeinsame Auswertung und die Abstimmung bei der gemeinsamen Beurteilung des Antrags durch alle involvierten Aufsichtsbehörden soll eine einheitliche Entscheidung in den verschiedenen Mitgliedsstaaten gewährleistet und gleichzeitig der formale Aufwand für die Antragsteller verringert werden. Drei internationale Ratingagenturen (Moody’s, Standard and Poor’s und Fitch) haben dieses Bewertungsverfahren bereits im Jahre 2006 im Rahmen eines sogenannten Schattenanerkennungsverfahrens durchlaufen. Für die Ratingagentur DBRS konnte dieses informelle Verfahren im April 2007 abgeschlossen werden. Von einem Schattenanerkennungsverfahren wird gesprochen, weil es sich um ein rein informelles Verfahren handelt und die Entscheidung über die Anerkennung der Ratingagenturen weiter bei der jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörde liegt. Darüber hinaus sind die Bankenrichtlinie und die entsprechenden nationalen Umsetzungsvorschriften (in Deutschland: Solvabilitätsverordnung) erst zum 01.01.2007 in Kraft getreten und konnten daher zum Zeitpunkt der Durchführung der o. g. ersten Bewertungsverfahren im Jahr 2006 noch nicht rechtswirksam angewendet werden.

In Deutschland ist in § 41 der Solvabilitätsverordnung (SolvV) geregelt, dass eine Ratingagentur von der Aufsicht anerkannt worden sein muss, bevor Institute Bonitätsbeurteilungen der Agentur für die Bestimmung der Kreditrisikostandardansatz-Risikogewichte von Adressrisikopositionen verwenden dürfen. Dabei gilt es, zwischen der Anerkennung einer Ratingagentur und der Verwendungsfähigkeit der Bonitätsbeurteilungen zu unterscheiden, da nicht unbedingt alle von der Ratingagentur erstellten Bonitätsbeurteilungen für die Ermittlung der aufsichtlichen Risikogewichte zu Grunde gelegt werden dürfen. In § 46 S. 1 SolvV ist festgelegt, welche Bonitätsbeurteilungen der Agentur tatsächlich genutzt werden können. Die Verwendung nicht vom Schuldner in Auftrag gegebener Ratings bedarf gem. § 46 S. 2 u. 3 SolvV der gesonderten Zustimmung der BaFin.

Die Vorgehensweise bei der Antragstellung von Ratingagenturen für Risikogewichtungszwecke, die Anerkennungs-Kriterien und die Zuordnung von Bonitätsbeurteilungskategorien zu Bonitätsstufen ("Mapping") werden in den §§ 52-54 SolvV geregelt. Der Antrag auf Anerkennung ist von der Ratingagentur selbst zu stellen. Dem Antrag ist ein Nachweis über die Absicht wenigstens eines Instituts beizufügen, die Bonitätsbeurteilungen der Ratingagentur für die Bestimmung von Risikogewichten zu nutzen. Einzelheiten zur Antragstellung sind in einem Merkblatt der BaFin vom 26.11.2007 zusammengestellt. Bundesbank und BaFin prüfen gemeinsam auf der Grundlage der CEBS-Guidelines, ob die Anforderungen erfüllt sind. Die bereits nach §§ 52, 53 SolvV für die bankaufsichtliche Risikogewichtung anerkannten Ratingagenturen sind am Schluss dieser Seite aufgeführt. Eine Veröffentlichung der zugehörigen Mapping-Tabellen ist erfolgt.

Beabsichtigt ein Institut, bestimmte Verfahren zur Bestimmung des Risikogewichts einer Position im Rahmen der Solvabilitätsverordnung zu nutzen, muss es eine oder mehrere für Risikogewichtungszwecke anerkannte Ratingagenturen oder Exportversicherungsagenturen schriftlich gegenüber der BaFin benennen. Die Benennungsmodalitäten ergeben sich aus § 41 und § 235 SolvV.

Gemäß §§ 52, 53 SolvV anerkannte Ratingagenturen:

  • Creditreform Rating AG (für das Marktsegment "Andere Forderungen" nach § 52 Abs. 2 Satz 6  Nr.  3  SolvV )
  • DBRS (für alle Marktsegmente nach § 52 Abs. 2 Satz 6 SolvV)
  • Euler Hermes Rating GmbH (für das Marktsegment "Andere Forderungen" nach § 52 Abs. 2 Satz 6 Nr. 3 SolvV)
  • Fitch Ratings (für alle Marktsegmente nach § 52 Abs. 2 Satz 6 SolvV)
  • Japan Credit Rating Agency Ltd. (JCRA) (für das Marktsegment "Andere Forderungen" nach § 52 Abs. 2 Satz 6 Nr. 3 SolvV)
  • The McGraw-Hill Companies unter der Marke "Standard & Poor’s Ratings Services" (S&P) (für alle Marktsegmente nach § 52 Abs. 2 Satz 6 SolvV)
  • Moody’s Investors Service (für alle Marktsegmente nach § 52 Abs. 2 Satz 6 SolvV)