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Leverage Ratio

Ein wesentlicher Bestandteil des Basel III-Rahmenwerkes und dessen Umsetzung in der EU ist die Einführung einer Verschuldungsquote (Leverage Ratio). Diese setzt aktuell das aufsichtliche Kernkapital einer Bank (Zähler) in Beziehung zu ihrem Gesamtengagement (Nenner). Eine geringe Kennziffer geht demnach mit einer relativ zum Kernkapital hohen Verschuldung einher. Dabei orientiert sich der Wertansatz bilanzieller Positionen an dem für das jeweilige Institut maßgeblichen Rechnungslegungsstandard. Um die internationale Vergleichbarkeit der Leverage Ratio sicherzustellen, sind hierbei einige Sonderregelungen vorgesehen.

Die Leverage Ratio wurde zunächst als ergänzendes Instrument, das nach Ermessen der Aufsichtsbehörden auf einzelne Institute angewandt werden kann, eingeführt (Säule 2). Währenddessen wird geprüft, ob der als vorläufige Zielquote festgelegte Wert i. H. v. 3,0 % als verpflichtende Anforderung (Säule 1) angemessen wäre.

Im Gegensatz zu den, auch auf Modellannahmen gestützten, risikobasierten Eigenkapitalanforderungen werden die einzelnen Positionen im Rahmen der Leverage Ratio nicht mit einem individuellen Risikogewicht versehen, sondern ungewichtet im Kennziffernwert berücksichtigt. Die Leverage Ratio soll Schwächen der Regulierung adressieren, die während der Finanzkrise zutage traten. So soll die Leverage Ratio zum einen der im Grundsatz zyklischen Wirkung risikobasierter Eigenkapitalanforderungen entgegenwirken. Zum anderen soll die ergänzende risikoinsensitive Leverage Ratio Schwächen risikobasierter Eigenkapitalanforderungen ausgleichen (sog. Backstop-Funktion). Solche offenbarten sich in der Krise, als die von Banken erlittenen Verluste in einigen Fällen die modellgestützt berechneten Risiken deutlich überstiegen.

Da in allen Mitgliedstaaten anzuwenden, dient die CRR, angepasst durch eine Delegierte Verordnung, auch in Deutschland als Rechtsgrundlage für die Leverage-Ratio-Anforderungen. Deren Anwendungsbereich wurde jedoch durch eine weiter gefasste Definition des Institutsbegriffs vergrößert. Dieser schließt beispielsweise auch Institute, die nur das Einlagen-, nicht aber das Kreditgeschäft betreiben, ein (§ 1a KWG).

Um das Risiko einer übermäßigen Verschuldung beurteilen zu können, melden Institute den nationalen Aufsichtsbehörden vierteljährlich alle erforderlichen Informationen zur Leverage Ratio und ihren Komponenten. Darüber hinaus sind die Institute seit 2015 zur Offenlegung der Leverage Ratio und ihrer Bestandteile verpflichtet.

Während der aktuell laufenden Beobachtungsphase soll die Wirkungsweise dieser Kennziffer näher analysiert werden (vgl. Basel III-Monitoring), um mögliche Anpassungen an der Definition bis 2017 abzuschließen. Im Anschluss an diese Beobachtungsphase ist zu entscheiden, ob und wie hoch eine verbindliche Mindestanforderung für die Leverage Ratio auf europäischer Ebene mit Beginn 2018 festgesetzt wird.

Stand: Mai 2016

Europäisches Regelwerk zur Leverage Ratio