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Adressrisiken

Adressrisikopositionen

Nach den Vorschriften der Solvabilitätsverordnung (SolvV) werden Kredit- bzw. Adressenausfallrisiken mittels zweier alternativer Ansätze quantifiziert. Dabei handelt es sich zum einen um den Kreditrisikostandardansatz und zum anderen um den auf internen Ratings basierender Ansatz. Wegen der Bedeutung von Kreditrisikominderungstechniken und Aufrechnungsvereinbarungen beinhaltet die SolvV spezielle Regelungen hierfür. Gleiches gilt auch für Regeln zur Erfassung von Risiken aus Verbriefungen.

Ermittlung des Gesamtanrechnungsbetrags für Adressrisiken [+]

Für Zwecke der Ermittlung der Kreditäquivalenzbeträge von Risikopositionen in Derivaten sieht die SolvV vier Verfahren vor: die einfacher aufgebauten Laufzeit- und Marktbewertungsmethode sowie die komplexeren Ansätze der Standardmethode (SM) und der Interne Modelle Methode (IMM). Die SM kann dabei auch als standardisierte IMM bezeichnet werden, die zwar bestimmte Kernelemente der IMM berücksichtigt und damit auch die Kreditrisiken wesentlich genauer abbildet als die einfacheren Verfahren, aber weniger aufwendig implementiert werden kann. Bei der IMM erfolgt die Berechnung der Kreditäquivalenzbeträge mittels eines institutsinternen Risikomodells, das auf Basis modellierter Marktpreisbewegungen die Verteilung zukünftiger positiver Marktwerte von Derivaten abschätzt. Da den Instituten bei der Anwendung der IMM erhebliche Freiräume gewährt werden, darf diese Methode im Gegensatz zu den anderen genannten Verfahren nur nach Zustimmung der Aufsicht genutzt werden.

Des Weiteren sind von Handelsbuchinstituten bei der Ermittlung des Gesamtanrechnungsbetrages für Adressrisiken die Abwicklungsrisiken aus Handelsbuchpositionen zu berücksichtigen. Da hier anders als bei Adressenausfallrisikopositionen nicht das Risiko eines Kontrahentenausfalls, sondern technische Risiken im Vordergrund stehen, bestimmt sich der Gesamtanrechnungsbetrag für solche Abwicklungsrisiken in Abhängigkeit von der Dauer der Verzögerung der Abwicklung und der Höhe des zu Gunsten des Instituts bestehenden Unterschiedsbetrages aus Abrechnungspreis und aktuellem Marktwert des Geschäftsgegenstandes.

Kreditrisikostandardansatz

Im Rahmen des in Teil 2 Kapitel 3 der SolvV geregelten Kreditrisikostandardansatzes (KSA) werden die Risikopositionen aufsichtlich vorgegebenen Forderungsklassen (z.B. Unternehmen, Mengengeschäft) zugeordnet und (grundsätzlich) anknüpfend an externe Ratings die zugehörigen Bonitätsgewichte ermittelt. Daneben dürfen Institute zur Ermittlung der Bonitätsbeurteilung von Zentralregierungen statt externer Ratings auch Länderklassifizierungen von Exportkreditversicherungsagenturen anwenden.

Externe Ratings dürfen dabei nur verwendet werden, wenn diese von aufsichtlich anerkannten Ratingagenturen stammen. Je nach ihrer externen Bonitätsbeurteilung werden den Risikopositionen, die bestimmten Forderungsklassen zugeordnet werden müssen, einzelne Risikogewichte beigemessen. Es sind dabei Risikogewichte von 0%, 10%, 20%, 50%, 100%, 150%, 350% oder 1.250% vorgesehen. Abweichend von der allgemeinen Koppelung des Risikogewichtes an ein Emissions- bzw. Emittentenrating hängt das Risikogewicht bei Forderungen an Institute vom externen Rating des Sitzstaates ab. Wegen der relativ geringen Ratingabdeckung kleinerer und mittelgroßer Institute in Deutschland wird in der nationalen Umsetzung eine entsprechende Option der Bankenrichtlinie ausgeübt. Für ungeratete Positionen bzw. für bestimmte Kredite, wie z.B. im Rahmen des Mengengeschäftes oder im Hypothekargeschäft, bleibt es hingegen bei der festen Zuordnung eines

Auf internen Ratings basierender Ansatz

Institute können zur Ermittlung der regulatorischen Eigenkapitalunterlegung von Kreditrisiken auch einen risikosensitiveren Ansatz wählen, der auf institutseigenen Ratingverfahren basiert (IRB-Ansatz) und bei dem die Bonitätsgewichtungen über schuldnerbezogene Risikoparameter bestimmt werden (Teil 2 Kapitel 4 SolvV). Es stehen dabei ein Basisansatz (bei dem nur die Ausfallwahrscheinlichkeiten der Schuldner von den Instituten zu schätzen sind) und ein fortgeschrittener Ansatz (bei dem neben den Ausfallwahrscheinlichkeiten auch Verlustraten bei Ausfall, Konversionsfaktoren von außerbilanziellen Geschäften und Restlaufzeiten vom Institut zu bestimmen sind) zur Wahl. Die Risikogewichte werden für einzelne Risikopositionen im Rahmen eines IRB-Ansatzes auf Grundlage von individuell geschätzten Parametern aufgeteilt nach bestimmten Forderungsklassen mittels Risikogewichtungsformeln errechnet. Da mit den IRB-Ansätzen Risikoparameter durch die Institute selbst geschätzt werden, ist vor deren Verwendung die Zulassung durch die Aufsicht erforderlich, die auf Basis einer Zulassungsprüfung vor Ort erteilt werden kann.

Kreditrisikominderungstechniken und Aufrechnungsvereinbarungen

Mit Kreditrisikominderungstechniken werden Besicherungsverträge der Institute bezeichnet, mit denen Risiken von Kreditpositionen reduziert werden. Teil 2 Kapitel 5 SolvV regelt, ob und inwieweit Besicherungen angerechnet werden dürfen. Neben finanziellen Sicherheiten und Gewährleistungen anerkannter Gewährleistungsgeber, die alle Institute anrechnen dürfen, werden bei Instituten, die einen IRB-Ansatz nutzen (IRBA-Institute) auch Sicherungsabtretungen von Forderungen oder Sachsicherheiten Risiko mindernd anerkannt. Bei Anwendung von fortgeschrittenen IRB-Ansätzen ist der Kreis der berücksichtigungsfähigen Sicherheiten sogar unbeschränkt, soweit ein Institut zuverlässige Schätzungen zu deren Werthaltigkeit vorweisen kann. Um Kreditrisikominderungstechniken bei der Berechnung der Mindestkapitalanforderungen berücksichtigen zu dürfen, müssen die Institute aber bestimmte qualitative Mindestanforderungen einhalten, die die SolvV explizit vorgibt.

Unter der Voraussetzung, dass bilateral mit dem jeweiligen Vertragspartner eine berücksichtigungsfähige Aufrechnungsvereinbarung abgeschlossen wurde, können nach den Vorgaben der SolvV jeweils Derivate und nichtderivative Geschäfte mit Sicherheitennachschüssen (im Wesentlichen Pensions- und Leihgeschäfte) miteinander verrechnet werden. Ebenso ist eine Aufrechnung wechselseitiger Geldforderungen und -schulden zulässig (on balance sheet netting). Darüber hinaus können Institute bei Vorliegen einer gültigen produktübergreifenden Aufrechnungsvereinbarung Nettingeffekte bei Risikopositionen aus verschiedenen Produktkategorien geltend machen. So ist eine Verrechnung zwischen derivativen Adressenausfallrisikopositionen und nichtderivativen Geschäften mit Sicherheitennachschüssen oder sonstigen Pensions-, Darlehens- sowie vergleichbaren Geschäften über Wertpapiere oder Waren zulässig. Für eine solche produktübergreifende Aufrechnung ist aber die Anwendung der Internen Modelle Methode (IMM) als risikosensitivste aller Methoden zwingend vorgeschrieben.

Verbriefungen

Institute, die als Originator, Investor oder Sponsor in eine Verbriefungstransaktion involviert sind, müssen risikogewichtete Positionswerte für Verbriefungspositionen, die sie in einer Verbriefungstransaktion eingehen, nach den Regelungen im Teil 2 Kapitel 6 der SolvV ermitteln. Von den Regelungen werden sowohl Verbriefungstransaktionen in Form des True Sale als auch synthetische Verbriefungstransaktionen erfasst.

Bei der Bestimmung des Verbriefungsrisikogewichts wird zwischen KSA- und IRBA-Verbriefungstransaktionen unterschieden. Die Einstufung einer Verbriefungstransaktion als KSA- oder IRBA-Verbriefungstransaktion richtet sich nach dem für den verbrieften Forderungstyp maßgeblichen Ansatz für das Kreditrisiko (KSA oder IRBA). Bei gemischten Portfolios richtet sich die Einstufung danach, ob die KSA- oder IRBA-Positionen im verbrieften Portfolio überwiegen. Falls für KSA-Verbriefungstransaktionen ein externes Rating existiert, ist dieses für das Verbriefungsrisikogewicht maßgeblich. Ungeratete Verbriefungspositionen sind grundsätzlich mit 1.250% zu gewichten oder vom haftenden Eigenkapital abzuziehen.

Die Verbriefungsregelungen wurden infolge der Finanzmarktkrise zum Teil verschärft. Eine Regelung betrifft den Risikorückbehalt bei Verbriefungen (§§ 18a und 18b KWG). So dürfen Institute als Investor nur dann Verbriefungsrisiken übernehmen, wenn der Urheber der Verbriefung (z.B. der Originator) einen prozentualen Anteil des Risikos zurückbehält. Darüber hinaus müssen Investoren umfangreiche Sorgfaltspflichten, insbesondere hinsichtlich der vorzunehmenden Risikoanalysen beachten. Um diese vornehmen zu können, sind Originatoren und Sponsoren gegenüber den Investoren zu umfassender Information über den Risikorückbehalt und die in Bezug auf das verbriefte Portfolio relevanten Daten verpflichtet.

Außerdem müssen Originatoren und Sponsoren Positionen, die sie verbriefen, denselben Kreditvergabestandards und -verfahren unterziehen, wie unverbriefte Kredite. Bei Verstößen gegen die Regelungen kann die Aufsicht die Anwendung eines höheren Risikogewichtes auf die betreffenden Verbriefungspositionen vorschreiben.