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Eigenmittel

Die aus bankaufsichtlicher Sicht anrechenbaren Eigenmittel werden in § 10 KWG definiert. Sie setzen sich zusammen aus dem Kernkapital, dem Ergänzungskapital und den Drittrangmitteln.

Kernkapital und Ergänzungskapital bilden nach Abzug bestimmter Beteiligungspositionen an anderen Instituten das haftende Eigenkapital. Das haftende Eigenkapital ist u.a. maßgebliche Größe für die Berechnung der Großkreditgrenze im Anlagebuch.

Übersicht zur Zusammensetzung des Kernkapitals [+]

Das Kernkapital setzt sich zusammen aus "harten" und hybriden Kernkapitalbestandteilen. Das "harte" Kernkapital besteht im Wesentlichen aus dem eingezahlten Kapital und den Rücklagen eines Instituts und umfasst die in § 10 Abs. 2a Satz 1 Nrn. 1 bis 9 KWG aufgezählten Kapitalbestandteile. Die Anforderungen an hybride Kernkapitalbestandteile sind in § 10 Abs. 2a Satz 1 Nr. 10 i.V.m. § 10 Abs. 4 KWG geregelt. Hybride Kernkapitalinstrumente dürfen, je nach Ausgestaltung, höchstens bis zu 15, 35 bzw. 50 Prozent des Kernkapitals angerechnet werden.

Eine Übergangsvorschrift regelt die Anrechnungsfähigkeit von Kernkapitalbestandteilen, welche vor dem 31.12.2010 (erstmalige Anwendung der CRD II-Regeln) emittiert wurden und die den Anforderungen an das Kernkapital nach den ab 31.12.2010 geltenden Regelungen nicht (mehr) entsprechen. Diese sind bis Ende 2040 als hybride Kernkapitalbestandteile anrechenbar. Dabei gilt, dass der Anteil des durch diese Übergangsvorschrift anrechenbaren Kapitals von 2021 bis 2030 maximal 20% und von 2031 bis 2040 höchstens 10% des Kernkapitals ausmachen darf; bis Ende 2020 gibt es keine Anrechnungsbeschränkung. Gleichwohl ist zu berücksichtigen, dass der Anteil des durch die Übergangsvorschrift anrechenbaren Kapitals auf die 50%-Grenze, die für Hybridkapital gilt, angerechnet wird. Beträgt der Anteil des Kapitals, das nach dem 30.12.2010 lediglich im Rahmen der Übergangsvorschrift anrechenbar ist, am Kernkapital bei einem Institut beispielsweise bis 2020 60%, so können keine neu aufgebrachten hybriden Kernkapitalinstrumente als Kernkapital angerechnet werden, da die 50%-Grenze bereits überschritten ist. Erst nach Abschmelzung des Altkapitals können Neuemissionen angerechnet werden.

Ergänzungskapital und Drittrangmittel sind bei der Berechnung der anrechenbaren Eigenmittel ebenfalls nur begrenzt berücksichtigungsfähig. So wird Ergänzungskapital nur bis zu 100% des Kernkapitals als haftendes Eigenkapital anerkannt und darf auch nur bis zu 50% des Kernkapitals aus längerfristigen nachrangigen Verbindlichkeiten und dem Haftsummenzuschlag bestehen. Zur Vermeidung einer Doppelbelegung von Kapital darf das haftende Eigenkapital, das zur Unterlegung anderer Risiken (z.B. Großkreditüberschreitungen gem. §§ 13, 13a und 13b KWG, qualifizierte Beteiligungen gem. § 12 KWG, Organkredite gem. § 15 KWG sowie Positionen nach § 10 Abs. 6a KWG) genutzt wurde, nicht mehr zur Unterlegung von Risikopositionen im Rahmen der Solvabilitätsverordnung (SolvV) herangezogen werden. Diese Positionen sind daher vom haftenden Eigenkapital abzuziehen. Bei dem dann verbleibenden Betrag an Kern- und Ergänzungskapital handelt es sich um das modifizierte verfügbare Eigenkapital. Dieses ist die Basis für die Berechnung der Angemessenheit der Eigenmittel nach der SolvV.

Die Zurechenbarkeit von Drittrangmitteln zu den Eigenmitteln (anrechenbare Drittrangmittel) wird durch die Höhe des freien Kern- und Ergänzungskapitals begrenzt. Das freie Kern- und Ergänzungskapital wird berechnet, indem die nach den Vorgaben der SolvV ermittelten Unterlegungsbeträge für Adressrisiken und für das operationelle Risiko vom modifizierten verfügbaren Eigenkapital abgezogen werden. Nach Abzug der Großkreditüberschreitungen des Handelsbuches von den anrechenbaren Drittrangmitteln resultieren die verfügbaren Drittrangmittel. Verfügbare Drittrangmittel können im Rahmen der SolvV ausschließlich zur Unterlegung der Anrechnungsbeträge von Marktrisiken verwendet werden.

Berechnung der anrechenbaren Eigenmittel für die Solvabilitätsverordnung [+]

Die Summe aus den zur Unterlegung der Anrechnungsbeträge für Marktrisiken genutzten verfügbaren Drittrangmittel und dem modifizierten verfügbaren Eigenkapital entspricht den anrechenbaren Eigenmitteln, die bei der Berechnung der Gesamtkennziffer nach SolvV zu Grunde gelegt werden.

Bei Institutsgruppen und Finanzholding-Gruppen (§ 10a KWG) haben deren übergeordnete Institute dafür zu sorgen, dass ausreichende Eigenmittel auch auf konsolidierter Ebene vorgehalten werden.