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Glanzstücke

In geldgeschichtlichen Sammlungen wird Geschichte lebendig. Ihre Objekte dokumentieren den Wandel des Mediums Geld, sie bewahren die Erinnerung an das Auf und Ab in der Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Und sie sind nicht selten kleine Kunstwerke, die durch ihre ästhetische Qualität beeindrucken. Die Kombination aus vormünzlichen Zahlungsmitteln wie Steingeld oder Elektron-Klümpchen, 90.000 Münzen und 260.000 Banknoten aller Epochen macht die Sammlung der Deutschen Bundesbank weltweit einzigartig. Die wichtigsten Stücke der Kollektion können im Geldmuseum besichtigt werden. Im virtuellen Internet-Museum stellen die Fachleute der Sammlung regelmäßig einzelne "Glanzstücke" ausführlich vor.

Geld aus der Neuen für die Alte Welt

Ein achtfacher Escudo von Philipp V.

Achtfacher Escudo von Philipp V. [+] Achtfacher Escudo von Philipp V. Das spanische Kolonialreich umfasste weite Teile von Mittel- und Südamerika. Diese an Gold und Silber reichen Länder waren eine wichtige Stütze der spanischen Könige. Die Spanier gründeten in ihren amerikanischen Kolonien Münzstätten, um das in der Neuen Welt gewonnene Edelmetall zu verprägen. Die älteste Prägeanstalt auf dem amerikanischen Kontinent ist die Münzstätte Mexiko, die im Jahre 1535 eingerichtet wurde. Zweimal im Jahr segelte die berühmte Silberflotte reich beladen mit den Schätzen der Neuen Welt nach Spanien.

Philipp V., König von Spanien [+] Philipp V., König von Spanien Unser Glanzstück stammt aus dem Vizekönigreich Peru, das damals den Großteil von Südamerika umfasste. Dargestellt ist auf der Vorderseite das Kreuz des Jerusalemordens mit den Wappen von Kastilien (Kastell) und León (Löwe) in den Winkeln. Die lateinische Umschrift PHILIPPVS V D(ei) G(ratia) HISPANIAR(um) ET YNDIA(rum) REX AN(n)O (1)717 beginnt auf der Vorderseite und wird auf der Rückseite weitergeführt. Die Legende nennt den Münzherrn Philipp V., der sich als von Gottes Gnaden König von Spanien und Indien bezeichnet, und das Prägejahr 1717. Philipp drückt mit "Indien" seinen Herrschaftsanspruch auf die von Spanien kolonisierten Gebiete in Amerika aus.
Philipp V., Herzog von Anjou und Enkel Ludwigs XIV., wurde von dem kinderlos gebliebenen spanischen König Karl II. zu seinem Nachfolger bestimmt. Nach dem Tod Karls II. im Jahr 1700 löste diese von ihm beschlossene Regelung den Spanischen Erbfolgekrieg aus, da auch Erzherzog Karl von Österreich, Sohn von Kaiser Leopold I., Ansprüche auf den spanischen Thron erhob. Erst der Friedensschluss von Utrecht im Jahre 1713 bestätigte Philipp V. als König von Spanien.
Das Hauptmotiv der Rückseite sind die beiden Säulen des Herakles, die im Meer stehen. Bereits in der Antike symbolisierten die Säulen des Herakles die Meerenge von Gibraltar und den Durchgang vom Mittelmeer zum atlantischen Ozean. Damals galten sie als das Ende der Welt. Bekrönt werden sie von der spanischen Krone.

Die Säulen des Herakles, Detailausschnitt [+] Die Säulen des Herakles, Detailausschnitt Die beiden Säulen und zwei horizontal verlaufende Linien teilen das Feld der Rückseite. Die oberste Zeile verrät die Münzstätte, den Nennwert und den Wardein:
Der Buchstabe "L" steht für die Münzstätte Lima. Die Prägeanstalt Lima wurde bereits 1565 gegründet, jedoch nicht durchgehend betrieben. Goldmünzen dieser Art prägten die Spanier dort von 1696 bis 1750.
Die Zahl "8" ist die Wertzahl und kennzeichnet die Prägung als achtfachen Escudo de oro. Diese Münzen wurden auch Onza oder Quadrupel genannt. Für die Prägung der 8 Escudos war vorgeschrieben aus der Spanischen Mark 8½ Stücke mit einem Sollgewicht von je 27,06 g auszubringen; ihr Feingehalt betrug 22 Karat (= 916,6/ 1000). Der Name Escudo de oro (goldener Schild) leitet sich vom spanischen Wappenschild ab, der das ursprüngliche Vorderseitenbild dieser Münzsorte war.
Der Buchstabe "M" ganz rechts ist die Initiale des Wardeins, eines wichtigen Münzbeamten, Cristóbal Melgarejo.
In der zweiten Zeile findet sich die auf die drei Buchstaben "P-V-A" reduzierte Devise PLUS VLTRA ("darüber hinaus"). Der untere Abschnitt gibt mit den Zahlen "717" das Prägejahr 1717 wieder.

Die Detailaufnahme der Rückseite zeigt die zwei versetzten und sich teilweise überdeckenden Prägebilder. [+] Die Detailaufnahme der Rückseite zeigt die zwei versetzten und sich teilweise überdeckenden Prägebilder. Die Münzen aus den spanischen Kolonien in Amerika sind von außergewöhnlich schlechter Fertigungsqualität. Sie sind häufig unregelmäßig geformt und tragen unsaubere und unvollständige Prägebilder. Bei unserem 8-Escudo-Stück ist der Schrötling für den Stempel zu klein, das Prägebild ist nicht vollständig zu sehen, und die Prägung weist einen "Doppelschlag" genannten Prägefehler auf. Der Doppelschlag kommt zustande, wenn eine Münze nicht mit einem einzigen Schlag geprägt wird, sondern mit zwei oder mehreren Schlägen. Dabei kann es passieren, dass der Schrötling zwischen den Prägestempeln verrutscht und ein zweites versetztes Prägebild das erste teilweise überdeckt. Auf der Rückseite ist dies besonders gut im Bereich oberhalb der beiden Säulen zu sehen.
Diese in riesigen Mengen mit schlecht geschnittenen Stempeln und auf unregelmäßigen Schrötlingen ausgeprägte Münzen werden Macuquinas genannt. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts hörten die Spanier auf, Macuquinas zu münzen. Ein wichtiger Schritt, denn der Wert von Gold- und Silbermünzen wurde wesentlich von ihrem Metallwert bestimmt. Betrügern war es bei unregelmäßig geformten Münzen ein Leichtes, unbemerkt kleine Mengen des Edelmetalls vom Rand abzufeilen oder abzuschneiden. Nur runde, technisch sauber ausgeprägte Münzen mit einer Randgestaltung in Form eines Musters oder Randschrift waren gut vor dieser Art der Münzverfälschung geschützt.

Spanisches Kolonialreich / Vizekönigreich Peru
König Philipp V. (1701-1746)
8 Escudos de oro, 1717

Münzstätte: Lima
Material: Gold
Gewicht: 26,95 g
Durchmesser: 33,5 mm

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