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Glanzstücke

In geldgeschichtlichen Sammlungen wird Geschichte lebendig. Ihre Objekte dokumentieren den Wandel des Mediums Geld, sie bewahren die Erinnerung an das Auf und Ab in der Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Und sie sind nicht selten kleine Kunstwerke, die durch ihre ästhetische Qualität beeindrucken. Die Kombination aus vormünzlichen Zahlungsmitteln wie Steingeld oder Elektron-Klümpchen, 90.000 Münzen und 260.000 Banknoten aller Epochen macht die Sammlung der Deutschen Bundesbank weltweit einzigartig. Die wichtigsten Stücke der Kollektion können im Geldmuseum besichtigt werden. Im virtuellen Internet-Museum stellen die Fachleute der Sammlung regelmäßig einzelne "Glanzstücke" ausführlich vor.

Der Kaiserliche

Der Augustalis des Staufers Friedrich II.

Der Augustalis des Staufers Friedrich II [+] Der Augustalis des Staufers Friedrich II Als der aus dem Geschlecht der Staufer stammende Friedrich II., König von Sizilien, ab dem Jahre 1231 Goldmünzen prägen ließ, tat er einen außergewöhnlichen Schritt, denn das christliche Abendland war über mehrere Jahrhunderte hinweg von einer reinen Silberwährung geprägt. Die Augustalen genannten Goldmünzen Friedrichs II. waren etwas Besonderes. Die Qualität des Bildes und der Prägung sind einzigartig für ihre Zeit. Die Augustalen sind außergewöhnliche Münzen eines außergewöhnlichen Herrschers.

Friedrich II. folgte 1197 mit erst drei Jahren seinem Vater Heinrich VI. als König von Sizilien. Das normannische Königreich Sizilien war 1194 durch die Heirat Heinrichs VI. mit Konstanze, der Tochter König Rogers II. und der Erbin von Sizilien, an die Staufer und damit an das Römisch-Deutsche Kaiserreich gekommen. Friedrich II. fühlte sich nicht nur Zeit seines Lebens mit diesem Land wesentlich enger verbunden als mit seinen deutschen Gebieten, er machte es auch zu dem modernsten Staatswesen seiner Zeit. Dazu gehörte auch die von ihm 1231 im Zusammenhang mit einem Gesetzeswerk für Sizilien neu geschaffene Goldmünze. Die große Zahl an Prägestempeln und die Ausprägung eines Halbstückes sind Hinweise, dass Friedrich II. mit seinen Augustalen nicht nur einen bloßen Repräsentationszweck verfolgte. Die Münzen wurden über seinen Tod hinaus bis 1266 weitergeprägt und liefen vor allem in Italien und Sizilien um.

Dem programmatischen Namen Augustalis, übersetzt "Der Kaiserliche", entsprach das Münzbild: Auf der Vorderseite zeigt es das königliche Brustbild. Friedrich II. trägt einen Lorbeerkranz und einen Feldherrenmantel. Der Mantel wird auf der rechten Schulter mit einer Ringfibel gehalten. Am rechten Oberarm ist eine Armspange oder die Borte des Untergewandes zu sehen.

Friedrich II. und Hadrian im Münzporträt, Detailausschnitte [+] Friedrich II. und Hadrian im Münzporträt, Detailausschnitte Der Vergleich mit dem Münzporträt des römischen Kaisers Hadrian macht deutlich, dass sich Friedrich II. ganz in der Tradition der römischen Caesaren darstellen ließ.

Ob die Münze ein naturgetreues Abbild von Friedrich II. oder doch nur ein idealisiertes Kaiserbild zeigt, ist umstritten. Es gibt keine anderen Porträts von ihm. Bei dem Münzporträt handelt es sich aber um eine offizielle Darstellung des Staufers. Es zeigt ihn so, wie er selbst von seinen Zeitgenossen und der Nachwelt gesehen werden wollte.

Auf der Rückseite ist ein halb nach links gewandter, rückblickender Adler mit geöffneten Schwingen dargestellt. Der Adler war bereits in der Antike ein Herrschafts- und Machtsymbol und wurde unter Friedrich I. Barbarossa (um 1122–1190) zum Reichswappen des Heiligen Römischen Reichs. Die Adlersymbolik war für Friedrich II. besonders bedeutend, weil sein Geschlecht der Hohenstaufen damals auch als gens aquila (Adlergeschlecht) bezeichnet wurde.
Ein Augustalis im Vergleich mit einem Brakteaten, den Friedrich II. zwischen 1215 und 1250 in Ulm prägen ließ. [+] Ein Augustalis im Vergleich mit einem Brakteaten, den Friedrich II. zwischen 1215 und 1250 in Ulm prägen ließ. Die Legende nimmt auf die Stellung Friedrichs II. als römisch-deutscher Kaiser Bezug: Sie nennt auf der Vorderseite seinen Titel "IMP(erator) ROM(anorum) CESAR AVG(ustus)" und auf der Rückseite seinen Namen "FRIDERICVS".
Die künstlerische Qualität und die Bildersprache dieser Münze sind für ihre Zeit bemerkenswert. Dies wird besonders im Vergleich mit zeitgenössischen Prägungen aus dem Heiligen Römischen Reich deutlich, wo das Münzwesen durch die Regionalisierung des Geldverkehrs geprägt war. Unzählige kleine Münzherren prägten für ihren Machtbereich und führten regelmäßig Münzverrufungen durch. Auch Friedrich II. ließ für den dortigen Geldumlauf Silbermünzen von relativ einfacher Gestaltung schlagen.

Das Geld im christlich geprägten Europa war eine Silberwährung basierend auf dem Pfennig als einzigen Münzwert. Es war aber nur eines von drei Geldsystemen, die im Hochmittelalter im Mittelmeerraum aufeinandertrafen. Die Byzantiner und Araber nutzten ein im Grundsatz dreimetallisches Münzsystem, wobei das byzantinische vor allem auf Gold- und Kupfermünzen und das arabische auf Silbermünzen beruhte. In Süditalien und Sizilien stießen alle drei aufeinander.

Daher ist es wenig überraschend, im Münzfuß der Augustalen Gemeinsamkeiten mit byzantinischen und islamischen Goldmünzen zu finden. Der Feingehalt des Augustalis entspricht mit 20½ Karat (855/1000) dem der byzantinischen Hyperpera. Sein Feingoldgewicht von 4,54 g stimmt mit dem der gleichzeitigen islamischen Doppeldinare der tunesischen Hafsiden. Es war zugleich auch das Feingoldgewicht der römischen und frühen byzantinischen Solidi.

Die sizilianischen Goldmünzen des Staufers Friedrich II. waren dazu gedacht, im Mittelmeerraum zu zirkulieren und nicht in den deutschen Landen, wo nur ganz wenige Augustalen gefunden wurden.

Königreich Sizilien
Friedrich II. von Hohenstaufen (1197-1250)
Augustalis, ab 1231

Münzstätte: Messina
Material: Gold
Gewicht: 5,26 g
Durchmesser: 19,1 mm

Zusatzinformationen

Glanzstücke aus der Sammlung