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Glanzstücke

In geldgeschichtlichen Sammlungen wird Geschichte lebendig. Ihre Objekte dokumentieren den Wandel des Mediums Geld, sie bewahren die Erinnerung an das Auf und Ab in der Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Und sie sind nicht selten kleine Kunstwerke, die durch ihre ästhetische Qualität beeindrucken. Die Kombination aus vormünzlichen Zahlungsmitteln wie Steingeld oder Elektron-Klümpchen, 90.000 Münzen und 260.000 Banknoten aller Epochen macht die Sammlung der Deutschen Bundesbank weltweit einzigartig. Die wichtigsten Stücke der Kollektion können im Geldmuseum besichtigt werden. Im virtuellen Internet-Museum stellen die Fachleute der Sammlung regelmäßig einzelne "Glanzstücke" ausführlich vor.

Germania ist besiegt

Ein Aureus des Domitianus

Ein Aureus des Domitianus [+] Ein Aureus des Domitianus Als Titus Flavius Domitianus im Jahre 81 n. Chr. den Thron bestieg, war er erst 30 Jahre alt. Er folgte seinem Bruder Titus nach, der plötzlich und überraschend nach nur zweijähriger Regentschaft verstorben war. Domitian war der zweite und jüngere Sohn des Kaisers Vespasian (69-79), eines erfolgreichen Feldherrn. Vespasian war 69 als Sieger aus den Kämpfen um die Nachfolge von Kaiser Nero hervorgegangen und hatte das flavische Kaiserhaus begründet. Vespasian hatte seinen älteren Sohn Titus zu seinem Nachfolger auserkoren und auf diese Aufgabe vorbereitet. Titus hatte sich unter anderem im Jüdischen Krieg (66-70) bewährt und Jerusalem erobert. Domitian kam hingegen überraschend schnell an die Macht und hatte kaum politische oder militärische Erfahrung vorzuweisen.

Statue des Kaisers Domitianus [+] Statue des Kaisers Domitianus Domitian galt als bequem, und er pflegte viele Liebschaften. Er hatte Freude an der Dichtkunst und eine Neigung zur griechischen Bildung. Sein Aussehen überliefern uns zahlreiche Statuen und nicht zuletzt die Münzen. Die Münzporträts der römischen Kaiser sind generell bis in die Spätantike naturgetreu und von hoher künstlerischer Qualität. Auf unserem Aureus trägt Domitian einen Lorbeerkranz. Der Lorbeerkranz war ursprünglich der einzige Schmuck eines in einem Triumphzug einziehenden siegreichen Feldherrn und wurde durch den Senat verliehen. Seit Augustus war es das Vorrecht des Kaisers, den Lorbeerkranz ständig tragen zu dürfen.

Das Kürzel 'COS XIIII' [+] Das Kürzel 'COS XIIII' Domitians Herrschaftsverständnis war stark autokratisch geprägt. Die Stellung des Kaisers ließ er durch außergewöhnliche Ehren erhöhen, die der Senat für ihn beschloss: Als Kaiser erhielt er beispielsweise das Recht, den Konsulat ununterbrochen zu bekleiden. Die beiden jährlich gewählten Konsuln waren die höchsten Beamten des Staates, hatten aber mit dem Beginn der Kaiserzeit den Großteil ihrer Macht und Bedeutung eingebüßt. Tatsächlich bekleidete Domitian den Konsulat während seiner Regentschaft öfters als je ein Kaiser vor ihm. Auf unserer Münze gibt Domitian mit dem Kürzel "COS XIIII" an, dass er bereits vierzehn Mal Konsul gewesen war. Die Angabe von wichtigen Ämtern ist auf Münzen der römischen Kaiserzeit häufig zu finden. Sie ermöglicht eine sehr exakte Datierung der Münzen, oft auf das Jahr genau.

In der Erhöhung seiner Person ging Domitian sogar soweit, die Monate September und Oktober zu seinen Ehren in "Germanicus" und "Domitanus" umbenennen zu lassen.

Domitian war zwar eine stark polarisierende Herrscherpersönlichkeit, der sich viele Feinde schuf, jedoch kein schlechter Regent. Die von ihm streng kontrollierte Reichsverwaltung war effizient und galt auch später noch als vorbildlich, auch den Staatshaushalt hielt er in Ordnung. Sein Militär kämpfte erfolgreich in Britannien und an der mittleren und unteren Donau. Gleich seine erste militärische Unternehmung führte Domitian persönlich an den Rhein. Dort eröffnete er im Frühjahr 83 n. Chr. den Feldzug gegen den germanischen Stamm der Chatten, die im Gebiet zwischen den Flüssen Fulda und Eder im heutigen Hessen beheimatet waren. Den Römern gelang es, das Gebiet zwischen Taunus, Lahn und Main (Wetterau) zu gewinnen und die Chatten zu verdrängen. Für seine militärischen Erfolge ehrte ihn der Senat mit dem Beinamen "Germanicus" als Besieger der Germanen. Diesen führt er auch regelmäßig auf seinen Münzen. Nach einem erneuten Chattenkrieg 85 n. Chr. richtete Domitian die beiden germanischen Provinzen Germania Superior und Inferior ein und erklärte das seit Augustus ungelöste Germanienproblem für beendet. Die Grenze zum freien Germanien blieb fast ein Jahrhundert lang weitgehend friedlich.

Die trauernde Germania [+] Die trauernde Germania Auf seine Erfolge in Germanien nimmt unser Glanzstück Bezug, denn Münzen waren nicht nur Zahlungsmittel sondern auch ein wichtiges Medium, Nachrichten zu verbreiten. Auf der Rückseite unseres Aureus ist die trauernde Germania dargestellt, die auf einem germanischen Langschild sitzt. Neben ihr liegt ein zerbrochener Speer. Oft haben römische Kaiser mit Hilfe von Personifikationen ihre Erfolge gefeiert – so verweist die trauernde Germania auf die militärisch geschlagenen Völker Germaniens.

Das Ende Domitians war unrühmlich. Er fiel im Jahre 96 einer Verschwörung zum Opfer. Nach seinem Tod beschloss der Senat, das Andenken Domitians zu tilgen (damnatio memoriae). Bei der damnatio memoriae werden der Name und die Bildnisse des Verurteilten aus öffentlichen Inschriften und Bauwerken entfernt, um so die öffentliche Erinnerung an diese Person auszulöschen. Mit Domitian ging auch die flavische Dynastie zu Ende.


Rom – Kaiserzeit, Domitianus (81–96)
Aureus, 88

Münzstätte: Rom
Material: Gold
Gewicht: 7,55 g
Durchmesser: 19,8 mm

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