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Glanzstücke

In geldgeschichtlichen Sammlungen wird Geschichte lebendig. Ihre Objekte dokumentieren den Wandel des Mediums Geld, sie bewahren die Erinnerung an das Auf und Ab in der Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Und sie sind nicht selten kleine Kunstwerke, die durch ihre ästhetische Qualität beeindrucken. Die Kombination aus vormünzlichen Zahlungsmitteln wie Steingeld oder Elektron-Klümpchen, 90.000 Münzen und 260.000 Banknoten aller Epochen macht die Sammlung der Deutschen Bundesbank weltweit einzigartig. Die wichtigsten Stücke der Kollektion können im Geldmuseum besichtigt werden. Im virtuellen Internet-Museum stellen die Fachleute der Sammlung regelmäßig einzelne "Glanzstücke" ausführlich vor.

Die Herrschaft des Rechts

Die 24-Livres-Münze Frankreichs

Die 24-Livres-Münze Frankreichs [+] Die 24-Livres-Münze Frankreichs Als am 14. Juli des Jahres 1789 die Pariser Bevölkerung die Bastille erstürmte, veränderte sich das Gesicht Europas nachhaltig. In Frankreich regierte zu dieser Zeit Ludwig XVI. als König von Gottes Gnaden. Er stand in der Tradition des Sonnenkönigs Ludwig XIV. und war ein nahezu uneingeschränkter Herrscher. Das Land befand sich in einer schwierigen Lage. Breite Bevölkerungsschichten waren verarmt, während der Adel im Überfluss lebte. An jenem schicksalsträchtigen Tag explodierte die angespannte Lage.

Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 (Lithographie, um 1840) [+] Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 (Lithographie, um 1840) Die Französische Revolution veränderte Frankreich nachhaltig, auch das Geldwesen blieb nicht unberührt. Münzen drücken als gesetzliche Zahlungsmittel stets auch das Selbstverständnis des Staates aus, der sie emittiert. So tragen die alten Goldmünzen Ludwigs XVI. auf der einen Seite sein Porträt und auf der anderen die bekrönten Wappenschilde von Frankreich und Navarra. Diese Bildsymbolik war mit der neuen Zeit nicht mehr vereinbar. In einem ersten Schritt wurde lediglich die Rückseite neu gestaltet, das Porträt des Königs blieb auf der Münzvorderseite. Formal war Frankreich weiterhin eine Monarchie mit Ludwig XVI. als König, auch wenn dieser de facto abgesetzt war. Die neuen Rückseiten der Gold- und Silbermünzen wurden nach einem Entwurf von Augustin Dupré gestaltet: Der geflügelte Genius Frankreichs schreibt mit dem Zepter der Vernunft das Wort "CONSTlTUTION" (Verfassung) auf eine Tafel, Detailausschnitt [+] Der geflügelte Genius Frankreichs, Detailausschnitt Der geflügelte Genius Frankreichs schreibt mit dem Zepter der Vernunft das Wort "CONSTlTUTION" (Verfassung) auf eine Tafel, die auf einem Altar steht. Die Legende verkündet in der Landessprache Französisch und nicht mehr in Latein großartig "REGNE DE LA LOI" (Herrschaft des Rechts). Links des Genius ist ein Liktorenbündel mit einer Jakobinermütze dargestellt. Es steht für die Einheit und die bewaffnete Macht. Das Liktorenbündel, ein Rutenbündel mit Beil, symbolisierte in römischer Zeit die Rechtsgewalt der Konsuln und Praetoren. Augustin Dupré hat seinen Namen im Sockel des Altars graviert, Detailausschnitt [+] Augustin Dupré hat seinen Namen im Sockel des Altars graviert, Detailausschnitt Der Hahn rechts des Altars wacht über die Freiheit. Augustin Dupré hat seinen Namen im Sockel des Altars graviert.

Als im August 1792 die Volksmassen aus den Pariser Vorstädten das am Seineufer gelegene Tuilerienschloß, den Wohnsitz der königlichen Familie, stürmten, trat die Französische Revolution in eine neue Phase. Zwei Monate nach diesem Ereignis schaffte der Nationalkonvent die Monarchie ab und rief die (Erste) Republik aus. Ludwig XVI. wurde zum Tode verurteilt und Anfang 1793 auf der Guillotine hingerichtet.

Symbol "Leopard", Detailausschnitt [+] Symbol "Leopard", Detailausschnitt Mit der Einführung der Republik mussten auch die Münzen republikanisch werden. Die neue Umschrift lautete "REPUBLIQUE FRANÇOISE", und ein Eichenkranz ersetzte das königliche Porträt. Im Kranz ist der Nominalwert angegeben, ausgedrückt in der Rechnungseinheit Livre. Unterhalb der Wertbezeichnung ist mit dem Buchstaben "A" die Münzstätte genannt. Ende des 18. Jahrhunderts waren in Frankreich 17 Münzstätten tätig, von denen fünf auch 24-Livres-Stücke prägten. Jede Prägeanstalt hatte ihr eigenes Kürzel. Unser Glanzstück wurde in Paris geprägt. Bei den Symbolen "Lyra" und "Leopard" handelt es sich ebenfalls um verwaltungstechnische Kürzel. Sie bezeichnen den für die Prägung verantwortlichen Münzdirektor Alexandre Louis Roëttiers de Montaleau (Leopard) und den Stempelschneider François Bernier (Lyra).

Symbol "Lyra", Musikinstrument, Detailausschnitt [+] Symbol "Lyra", Musikinstrument, Detailausschnitt Ein weiteres bemerkenswertes Detail unserer Münze ist ihre Datierung: Während sie auf der Rückseite nach der christlichen Ära datiert ist, wird auf der Vorderseite das Prägejahr nach dem 1793 eingeführten republikanischen Kalender angegeben, der am 22. September 1792 mit dem Jahr I begann. Die neue Zeitrechnung überdauerte jedoch kaum ein Jahrzehnt. Bereits 1805 war sie wieder Geschichte.

Als 1795 die Dezimalteilung eingeführt und der Franc die neue Währungseinheit Frankreichs wurde, endete die Prägung der 24-Livres-Münzen. Die Zukunft sollte dem Franc gehören, der in 10 Décimes zu je 10 Centimes unterteilt war. Der Name Franc, der übersetzt "frei" bedeutet, war als Münzbezeichnung bereits im 14. Jahrhundert vorgekommen. Die 24 Livres wurden zwar nur für wenige Jahre geprägt, doch geht mit ihnen eine Epoche der französischen Geldgeschichte zu Ende. Sie entsprachen in ihrem Münzfuß dem Louis d’or. Der seit 1640 geprägte Louis d’or war nicht nur über 1½ Jahrhunderte die französische Hauptgoldmünze, sondern zählte auch zu den bedeutendsten Goldmünzensorten überhaupt.

Republik Frankreich
24 Livres, 1793

Münzstätte: Paris
Material: Gold
Gewicht: 7,64 g
Durchmesser: 23,8 mm

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