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Glanzstücke

In geldgeschichtlichen Sammlungen wird Geschichte lebendig. Ihre Objekte dokumentieren den Wandel des Mediums Geld, sie bewahren die Erinnerung an das Auf und Ab in der Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Und sie sind nicht selten kleine Kunstwerke, die durch ihre ästhetische Qualität beeindrucken. Die Kombination aus vormünzlichen Zahlungsmitteln wie Steingeld oder Elektron-Klümpchen, 90.000 Münzen und 260.000 Banknoten aller Epochen macht die Sammlung der Deutschen Bundesbank weltweit einzigartig. Die wichtigsten Stücke der Kollektion können im Geldmuseum besichtigt werden. Im virtuellen Internet-Museum stellen die Fachleute der Sammlung regelmäßig einzelne "Glanzstücke" ausführlich vor.

Im Namen Alexanders

Ein Goldstater des Seleukos

Ein Goldstater des Seleukos [+] Ein Goldstater des Seleukos Der Makedonenkönig Alexander der Große gilt noch heute als großer Feldherr und Eroberer. An der Spitze seiner Streitmacht marschierte er in das Persische Reich ein, das größte und mächtigste seiner Zeit, das sich von der östlichen Mittelmeerküste bis an den indischen Subkontinent erstreckte. In den entscheidenden Schlachten bei Issos (333 v. Chr.) und Gaugamela (331 v. Chr.) trafen Alexander der Große und der Perserkönig Dareios III. persönlich aufeinander. Nachdem Dareios III. 330 v. Chr. auf der Flucht ermordet worden war, trat Alexander dessen Nachfolge an. Binnen weniger Jahre hatte der Makedonenkönig ein Weltreich geschaffen, das er noch weiter zu vergrößern dachte. Alexander starb jedoch überraschend 323 v. Chr. in Babylon ohne einen Nachfolger zu hinterlassen. Er wurde nur 32 Jahre alt. Formal blieb das Alexanderreich weiter bestehen, tatsächlich teilten aber die Diadochen, die Nachfolger und Erben Alexanders des Großen, das Reich unter sich auf. Langjährige Kämpfe waren die Folge

Seleukos I. Nikator, Bronzebüste, 3. Jh. v. Chr. [+] Seleukos I. Nikator, Bronzebüste, 3. Jh. v. Chr. Seleukos I. Nikator war einer dieser Diadochen. Seleukos konnte sich die klein-, vorder- und mittelasiatischen Gebiete des Alexanderreiches sichern und dort das Reich und die Dynastie der Seleukiden begründen. Das Seleukidenreich war das größte in der Nachfolge Alexanders. Als sich 306/305 v. Chr. die Diadochen die Königswürde zulegten, erhob sich auch Seleukos zum König in seinem Herrschaftsgebiet. Die rechtliche Grundlage der Reichseinheit war damit zerstört.

Auch in der Münzpolitik hat Alexander Großes geleistet. Als er das Perserreich eroberte, fielen ihm auch die enormen Schätze der persischen Großkönige in die Hände. Das Gewicht aller erbeuteten Schätze wird auf 180.000 Talente (rund 4.700 Tonnen) geschätzt. Dieses Edelmetall diente Alexander als Grundlage für eine großangelegte Münzprägung. Massen an neuen Gold- und Silbermünzen wurden in zahlreichen neueingerichteten Münzstätten geprägt. Diese Münzen wurden nicht nur einheitlich nach dem attischen Münzfuß ausgeprägt, auch mit der Typenvielfalt war Schluss. Im Gold prägten alle Münzstätten des riesigen Reiches den Athena-Nike-Typ.

Alexanders Leistung war es, ein einheitliches Münzgeld für ein Reich zu schaffen, das von den Pyramiden in Ägypten bis zu den Bergen Afghanistans reichte. Die Bedeutung dieser Münzen ging weit über die eigentlichen Grenzen des Alexanderreiches hinaus. Nach antiken Maßstäben war Alexanders "Reichsgeld" eine echte Weltwährung. Die Diadochen führten seine Münzprägung fort, anfangs unverändert. Selbst auf die Nennung ihrer eigenen Namen verzichteten sie.

Korinthischen Helm mit einem prächtigen Helmbusch [+] Unser Glanzstück ist ein Stater, der von Seleukos I. nach dem Tod Alexanders in Babylon geprägt wurde. Auf der Vorderseite ist der Kopf der Göttin Athena dargestellt. Athena war eine Tochter von Metis und dem Göttervater Zeus. Dem Mythos nach entsprang sie dem Kopf ihres Vaters in voller Rüstung. Sie ist nicht nur die Göttin der Weisheit, sondern auch eine wehrhafte, kämpferische Gottheit. Homer charakterisiert sie als Göttin, "der Streit und Krieg lieb sind".

Athena trägt einen sogenannten korinthischen Helm, der mit einem prächtigen Helmbusch geschmückt ist. Wird er korrekt aufgesetzt, umschließt der Helm den Kopf fast vollständig, Wangen- und Nasenschutz lassen nur einen schmalen Schlitz ungeschützt. In dieser Darstellung hat Athena den Helm hochgeschoben. Den Helm schmückt nicht nur ein Helmbusch, sondern auch ein Greif. Ein Greif ist ein geflügeltes Mischwesen mit Löwenkörper und Raubvogelkopf, das in vielen altorientalischen Kulturen bekannt war und auch Eingang in die griechische Mythologie fand.

Geflügelte Siegesgöttin Nike [+] Die geflügelte Siegesgöttin Nike ist auf der Rückseite dargestellt. In der Rechten hält sie einen Siegeszweig und in der linken Hand die Flaggenstange (Stylis) eines Schiffes. In der Forschung wird dies daher als Anspielung auf den Triumph in der Seeschlacht von Salamis gegen die Perser und die Überlegenheit der Griechen zur See interpretiert. Alexander selbst hatte nie einen Seesieg errungen.

Bemerkenswert ist die Legende, denn obwohl Alexander der Große schon lange gestorben und sein riesiges Reich de facto aufgeteilt war, wurde die Fiktion eines geeinten Reichs aufrechterhalten. Die Inschrift nennt nicht Seleukos I., der die Münze tatsächlich prägen ließ, sondern Alexander: "BAΣIΛEΩΣ AΛEΞANΔΡΟΥ" (Basileos Alexandrou) bedeutet "[Münze] des Königs Alexander".

Datierung der Münze und die Ermittlung der Münzstätte [+] Für die Datierung der Münze und die Ermittlung der Münzstätte sind die Beizeichen von Bedeutung. "Beizeichen" – kleine Bilder, die nicht zum Hauptbild gehören, wie hier die griechischen Buchstaben "MI" und das "Monogramm im Kranz" – dienten der Münzverwaltung zur Kontrolle. An ihnen ließ sich erkennen, wo die Münze geprägt wurde, zu welcher Emission sie gehört und wer für die Prägung verantwortlich war. Traten Ungereimtheiten auf, weil etwa der Goldgehalt zu niedrig war, konnten dadurch die verantwortlichen Personen namhaft gemacht werden.

Das Reich Alexanders des Großen
Stater, ca. 311–305 v. Chr.
geprägt von Seleukos I. nach dem Tod Alexanders

Münzstätte: Babylon
Material: Gold
Gewicht: 8,55 g
Durchmesser: 18,8 mm

Zusatzinformationen

Glanzstücke aus der Sammlung