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Glanzstücke

In geldgeschichtlichen Sammlungen wird Geschichte lebendig. Ihre Objekte dokumentieren den Wandel des Mediums Geld, sie bewahren die Erinnerung an das Auf und Ab in der Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Und sie sind nicht selten kleine Kunstwerke, die durch ihre ästhetische Qualität beeindrucken. Die Kombination aus vormünzlichen Zahlungsmitteln wie Steingeld oder Elektron-Klümpchen, 90.000 Münzen und 260.000 Banknoten aller Epochen macht die Sammlung der Deutschen Bundesbank weltweit einzigartig. Die wichtigsten Stücke der Kollektion können im Geldmuseum besichtigt werden. Im virtuellen Internet-Museum stellen die Fachleute der Sammlung regelmäßig einzelne "Glanzstücke" ausführlich vor.

Die Ehre der Münze

Der Friedrich d’or Friedrichs II. von Preußen

Friedrich d’or aus dem Jahre 1746 [+] Friedrich d’or aus dem Jahre 1746 Der Preußenkönig Friedrich II. war eine der führenden Persönlichkeiten seiner Zeit: Mit nur 28 Jahren bestieg er den Thron. Seine Zeitgenossen gaben ihm bereits nach wenigen Jahren seiner Herrschaft den Beinamen "der Große", denn unter seiner Regierung stieg Preußen in den Rang einer Großmacht auf. Während seiner langen Regentschaft erweiterte Friedrich das Königreich um die – ererbte – Grafschaft Ostfriesland, Ober- und Niederschlesien, die Grafschaft Glatz und um Teile der Grafschaft Mansfeld. Mit dem Erwerb von Westpreußen, dem Ermland und dem Netzegebiet wurden 1772 das zentrale Territorium mit dem Kerngebiet Brandenburg und das bis dahin räumlich getrennte östliche Preußen verbunden

Friedrich d’or aus dem Jahre 1746 [+] König Friedrich II Unser Glanzstück, ein Friedrich d’or aus dem Jahre 1746, zeigt auf der Vorderseite den jungen König. Friedrich II., dieser ist im Harnisch und mit Hermelinmantel dargestellt. Die Legende "FRIDERICUS D(ei) G(ratia) REX BORUSSORUM" bezeichnet ihn als "von Gottes Gnaden König der Preußen". Die Rückseitenlegende "M(archio) B(randenburgensis) S(acri) R(omani) I(mperii) A(rchi) C(amerarius) ET PR(inceps) EL(ector) S(upremus) SIL(esie) D(ux)" nennt in abgekürzter Form seine restlichen Titel: Markgraf von Brandenburg, des Heiligen Römischen Reiches Erzkämmerer, Fürst und Kurfürst, oberster Lehensherr Schlesiens.

Friedrich d’or aus dem Jahre 1746 [+] Preußische Adler Auf der Rückseite ist der preußische Adler dargestellt, der auf einem Schild sitzt. Über dem Adler schwebt die Königskrone, hinter ihm sind Kriegstrophäen ausgebreitet: Feldzeichen, Kesselpauken, Posaunen und eine Kanone sind zu erkennen. Das Rückseitenbild hat einen klar politischen Charakter und verweist auf die sofort nach dem Regierungsantritt Friedrichs II. begonnenen kriegerischen Auseinandersetzungen.

Friedrich d’or aus dem Jahre 1746 [+] Prägejahr Die im Feld neben der Krone stehende Jahreszahl 1746 gibt das Prägejahr an. Der Buchstabe "W" auf dem Schild unter dem Adler steht für die Münzstätte Wratislawia (Breslau). Breslau lag in Schlesien und gehörte ursprünglich zum Habsburger Reich, ehe es Friedrich II. im ersten Schlesischen Krieg (1740–1742) eroberte.

Der für die Prägung verantwortliche Münzmeister nennt sich im Abschnitt der Münze. Die Ligatur der Buchstaben "AHE" steht für Adam Heinrich von Ehrenberg, der von 1743 bis 1751 als Münzmeister in Breslau tätig war.

Der Friedrich d’or war eine Goldmünze zu 5 Taler mit einem Sollgewicht von 6,69 g und einer Feinheit von 906/1000. Friedrich II. hat diese Münzsorte 1740 geschaffen und damit eine für die Goldprägung wichtige Münzreform durchgeführt. Der Friedrich d‘or war die "Ehre der Münze", wie es ein späterer Generalmünzdirektor ausdrückte. Sein Vorbild war der französische Louis d'or, aber die Wurzeln der preußischen Goldmünze sind deutlich älter und liegen in Spanien.

Königreich Spanien, Philipp II. 2 Escudos (Doblon) o.J. (1556-1598) [+] Königreich Spanien, Philipp II. 2 Escudos (Doblon) o.J. (1556-1598) Dort schuf König Philipp II. im Jahr 1566 mit dem Doppelwert des bereits drei Jahrzehnte früher eingeführten Escudo eine Münze, die zur Stammmutter für viele europäische Prägungen werden sollte. In Spanien Doblon genannt, erhielt sie im Ausland Bezeichnungen wie Dublone, Duplone oder Doppia. Die weiteste Verbreitung fand jedoch der Name Pistole, dessen Ursprung bis heute nicht geklärt ist. Der Feingehalt, der sich über Jahrhunderte nicht änderte, lag für die spanischen und französischen Prägungen bei 22 Karat (916/1000), das Sollgewicht betrug 6,76 g. Zur Weltmünze wurde die Pistole, als König Ludwig XIIl. von Frankreich 1640 nach ihrem Vorbild den Louis d'or prägen ließ. Anders als der spanische Doblon, der auf der Vorderseite das Herrscherwappen und auf der Rückseite ein Kreuz in einem Vierpass trägt, zeigt die französische Münze auf der einen Seite das Bildnis des Herrschers und auf der anderen eine ornamentale Gestaltung. Viele europäische Territorien übernahmen diese Anregung und führten ähnliche Typen ein, die teilweise ebenfalls nach dem jeweiligen Prägeherrn benannt wurden. Ende des 17. Jahrhunderts gelangten spanische und französische Pistolen in größeren Mengen nach Deutschland. Um sich des Ansturms der ausländischen Goldmünzen zu erwehren, schuf König Friedrich Wilhelm I. von Preußen 1737 für sein Land den Wilhelm d'or im Gewicht einer Doppelpistole. Mit dem Friedrich d'or (= ½ Wilhelm d'or) wurde schließlich die Pistole auch im ursprünglichen Gewicht in Preußen ausgeprägt.

Königreich Preußen
Friedrich II. (1740-1786)
Friedrich d'or, 1746

Münzstätte: Breslau
Material: Gold
Gewicht: 6,66 g
Durchmesser: 24,8 mm.

Zusatzinformationen

Glanzstücke aus der Sammlung