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Interview 09.10.2012

„Beobachtung ausgeweitet“

Interview mit Dr. Joachim Nagel, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, im Handelsblatt am 09.10.2012, Nr. 195, S. 007.

Die Fragen stellte Dorit Heß.

Der Bundesbank-Vorstand begrüßt die Vorschläge des Finanzministeriums.

Herr Nagel, gefährden Vorfälle wie die jüngsten Pannen an verschiedenen Börsenplätzen die Realwirtschaft? 

Die Finanzkrise der letzten Jahre hat deutlich gezeigt, dass Kapitalmärkte und Realwirtschaft in einem engen Zusammenhang stehen und dass negative Effekte in beide Richtungen übertragen werden können. An den Finanzmärkten spielen fundamentale Faktoren aufgrund der Dominanz der kurzfristig orientierten Programme im Hochfrequenzhandel (HFT) eine immer geringere Rolle. Dadurch verliert der Markt immer mehr von seinem wichtigsten „Lebensblut“: dem Kapitalstrom von gut informierten, an langfristigen Investments interessierten Anlegern. 

Geht die Bundesregierung weit genug oder müsste sie wie vom EU-Parlament vorgeschlagen Mindesthaltedauern einführen? 

Der gegenwärtig vorgelegte Gesetzentwurf des Finanzministeriums ist ein ausgewogener und angemessener erster Regulierungsschritt. Hinsichtlich der kürzlich vorgeschlagenen Mindesthaltedauer ist festzuhalten, dass eine solche Maßnahme auch signifikante Nachteile mit sich bringen könnte. Dazu könnten beispielsweise neue Algorithmen zählen, die speziell solche fixierten Orders ausnutzen. 

Welche Gegenmaßnahmen wären wünschenswert?

Wie bereits gesagt, stellen die derzeit vom Finanzministerium vorgelegten Entwürfe einen guten und großen Schritt in die richtige Richtung dar. Die wichtigste Ergänzung aus Sicht der Bundesbank wären Identifikationsmerkmale für Händler, sogenannte Trader-IDs. 

Beginnt die Bundesbank wie die SEC damit, die Börsen genauer zu überprüfen, weil sie die Hochfrequenzhändler möglicherweise bevorzugen könnten? 

Zumindest in den USA ist es immer wieder zu einer teils deutlichen Bevorzugung der HFT-Trader gegenüber den „normalen“ Anlegern gekommen. Hinsichtlich der Situation in Deutschland liegen der Bundesbank derzeit nur wenige Informationen vor. Allerdings haben wir in den letzten zwei Jahren unsere Beobachtung der HFT-Thematik stark ausgeweitet. Insgesamt ist aber festzuhalten, dass in Deutschland primär die Bafin für die Aufsicht zuständig ist und die Bundesbank bislang vor allem als Beobachterin und Beraterin tätig ist.

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