Goldbestände sicher verwahrt
Interview mit Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, mit der Nachrichtenagentur DPA am 24.10.2012
Wie viel deutsches Gold lagert in den USA, wie viel in Frankreich und wie viel in England?
Die Bundesbank hält einen Teil ihrer Goldbestände in eigenen Tresoren im Inland, weitere Bestände werden an wichtigen Goldhandelsplätzen bei den dort ansässigen Zentralbanken verwahrt. Im Einzelnen sind das:
- Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main: 1.036 Tonnen (= 31%)
- Federal Reserve Bank (Fed), New York: 1.536 Tonnen (= 45%)
- Bank of England, London: 450 Tonnen (= 13%)
- Banque de France, Paris: 374 Tonnen (= 11%)
Ist es nicht anachronistisch und teuer, Gold im Ausland aufzubewahren?
Die Fed in New York und die Banque de France bieten anderen Notenbanken die „kostenlose Lagerung von Goldbeständen an. Die Bank of England erhebt Lagergebühren in Höhe von rund 500.000 Euro jährlich. Auch die Lagerung in eigenen Tresoren der Bundesbank ist mit Kosten verbunden. Kostengesichtspunkte sind jedoch nicht allein ausschlaggebend für die Auswahl von Lagerstätten. Viel wichtiger sind die Verwendbarkeit des Goldes als Währungsreserve und die Sicherheit der Lagerung. Unsere Revision hat sich bei wiederholten Besuchen in New York, London und Paris davon überzeugt, dass die dortigen Sicherheitsvorkehrungen den gleichen hohen Ansprüchen genügen wie in Frankfurt.
Was macht die Bundesbank so sicher, dass deutsche Goldbestände im Ausland sicher verwahrt sind - wo sie doch nach Angaben des Bundesrechnungshofes noch nie von der Bundesbank selbst oder durch unabhängige Prüfer „körperlich aufgenommen und auf Echtheit und Gewicht" geprüft wurden?
Wir haben Anfang des vergangenen Jahrzehnts 930 Tonnen Gold von London nach Frankfurt gebracht und dabei akribisch kontrolliert. Teile des Goldes wurden eingeschmolzen um neue Barren zu gießen, die dem heutzutage im Goldhandel üblichen „Good-Delivery-Standard” entsprechen. Bei 930 Tonnen Gold hat kein Gramm gefehlt. Wir haben nicht die geringsten Zweifel, dass auch unsere in New York und Paris verwahrten Bestände aus reinstem Feingold bestehen. Uns liegen lückenlos dokumentierte Barrenlisten vor und die Partnernotenbanken bestätigen uns jedes Jahr nicht nur die Existenz der Barren sondern auch deren Qualität. Wir erhalten Bestandsbestätigungen die auf Feinunzen Gold lauten. Auf dieser Basis bilanziert die Bundesbank, seit sie besteht. Alle Wirtschaftsprüfer haben unsere Bilanzierung seitdem anstandslos bestätigt.
Warum holt die Bundesbank das Gold nicht nach Deutschland?
Die Lagerung der Goldbestände bei ausländischen Partnernotenbanken hat sich historisch ergeben, da Gold an diesen Handelsplätzen seinerzeit an die Bundesbank übertragen wurde. Um es konkret zu machen: Im Oktober 1951 hatte die Bank deutscher Länder, die Vorgängerin der Bundesbank, ihr erstes Gold im Wert von 2,5 Mio. DM erworben, das waren damals 529 kg. 1956 war der Goldbestand auf rund 6,2 Mrd. DM oder 1.328 Tonnen gestiegen und wurde von der Bundesbank bei ihrer Gründung im Jahr 1957 übernommen. Bis in die siebziger Jahre kam weiteres Gold hinzu. Wir haben mit unseren Partnern in New York, London und Paris in all dieser Zeit nur die besten Erfahrungen gemacht. Es gab nie Zweifel an der Sicherheit des deutschen Goldes. Auch in Zukunft wollen wir Gold an internationalen Goldhandelsplätzen halten, um es im Fall der Fälle binnen kürzester Zeit als Währungsreserve verfügbar zu haben. Gold, das bei Ihnen zu Hause im Tresor liegt, können Sie nicht so einfach als Sicherheit verwenden, um an Devisen zu kommen. Nehmen Sie als Beispiel die zentrale Stellung des US-Dollars als Reservewährung im globalen Finanzsystem. Das bei der Federal Reserve Bank New York gehaltene Gold kann im Notfall gegen Bereitstellung von USD-Liquidität bei der Federal Reserve Bank beliehen werden. Ebenso ließe sich eine entsprechende Liquidität in britischem Pfund durch Beleihung unserer Goldbestände bei der Bank of England beschaffen.
In der Erklärung vom Dienstag heißt es, die Bundesbank werde „Anregungen des Bundesrechnungshofs, soweit es möglich ist, aufgreifen". Was ist damit konkret gemeint? Wann und in welchen Abständen werden Bundesbank-Prüfer das Gold im Ausland in Augenschein nehmen?
Die Deutsche Bundesbank hat sich entschlossen, eine ausgewogenere Verteilung der Goldbestände im In- und Ausland anzustreben und damit der vertrauenssichernden Funktion des Goldes stärker Rechnung getragen. Denn Währungsreserven haben auch eine, wenn Sie so wollen, psychologische Bedeutung. Wir werden in den kommenden drei Jahren jährlich 50 Tonnen Gold aus New York nach Deutschland bringen. Das gibt uns die Gelegenheit, diese Barren zu überprüfen, einzuschmelzen und in die Form des „Good-Delivery-Standard” zu bringen. Das wird also auch eine Art Stichprobenkontrolle sein. Darüber hinaus sind wir in Gesprächen, um unsere Revisionsrechte vor Ort in New York, London und Paris noch weiter auszuweiten. Aber ich bitte Sie, wir lassen unser Gold seit Jahrzehnten beanstandungsfrei von den hoch angesehenen Notenbanken der USA, Großbritanniens und Frankreichs verwahren und nicht von irgendwelchen windigen Geschäftspartnern. Ein Teil der Diskussion in Deutschland ist schon einigermaßen grotesk.
© dpa 24.10.2012

