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Interview 18.01.2013

„Von einer Immobilienblase ist keine Rede“

Interview mit Dr. Andreas Dombret in der Leipziger Volkszeitung am 17.01.2013

Das Gespräch führte Ulrich Milde.

Deutsche Metropolen erleben einen beispiellosen Immobilienboom. Wie bewerten Sie ihn?

Tatsächlich ist seit 2010 Bewegung in den deutschen Immobilienmarkt gekommen. Insbesondere in den Ballungsräumen sind die Preise zum Teil stark gestiegen. In den sieben größten deutschen Städten betrugen die Zuwächse für neue Immobilien im Jahr 2011 rund 9 %. Die vorläufigen Zahlen für das Jahr 2012 zeigen, dass sich dieser Trend auch im letzten Jahr fortgesetzt hat. Zudem rechnen Banken mit einem weiteren Anstieg der Nachfrage.

Sehen Sie Handlungsbedarf?

Es gibt durchaus fundamentale Faktoren, die einen Anstieg der Immobilienpreise rechtfertigen. Gerade in den Ballungsräumen erklärt dies aber nicht alles – so scheint nicht zuletzt auch die derzeitige Lage an den Kapitalmärkten eine Rolle zu spielen. Erfahrungen aus anderen Volkswirtschaften zeigen, dass es in einem Umfeld niedriger Zinsen und hoher Liquidität sehr wohl zu Übertreibungen an den Immobilienmärkten kommen kann. Der deutsche Immobilienmarkt steht daher unter genauer Beobachtung – derzeit sehen wir aber noch keinen Handlungsbedarf. Von einer Immobilienblase kann in Deutschland zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Rede sein.

In den ostdeutschen Großstädten wie Leipzig und Dresden ist davon wenig zu spüren. Kommt der Boom auch noch hierher?

Sie haben recht: Die Entwicklung in Deutschland unterscheidet sich regional sehr stark. Preissteigerungen konzentrieren sich, wie gesagt, eher auf die größten Ballungsräume. Aber selbst in den einzelnen Städten gibt es unterschiedliche lokale Einflüsse – die Immobilienpreise werden etwa durch Zu- und Abwanderung sowie durch die regionale wirtschaftliche Dynamik beeinflusst.

Leipzig und Dresden sind wachsende Städte.

Aber auch in Leipzig und Dresden haben sich Immobilien im Jahr 2011 deutlich verteuert. Dazu tragen sicherlich die recht positive Entwicklung des Bundeslandes und insbesondere die Attraktivität dieser beiden Standorte bei. In Ost- wie in Westdeutschland ist eine nachhaltige Entwicklung auf den Immobilienmärkten wichtig, die nicht durch eine exzessive Kreditvergabe getrieben wird, sondern sich ökonomisch erklären lässt.

Auch der Euro-Raum wird mit Geld geflutet. Ist das der richtige Weg, um die Staatsschuldenkrise in den Griff zu bekommen?

Die Notenbanken im Euro-Raum haben in der Tat sehr weitreichende Schritte unternommen, um die Krise einzudämmen: Die Zinsen wurden stark gesenkt, und die Banken wurden quasi unbegrenzt und sehr langfristig mit Liquidität versorgt. Mit diesen Maßnahmen kann die Geldpolitik die Symptome der Krise zwar lindern, aber nicht die Ursachen beseitigen.

Wer ist dann dafür zuständig?

Hier ist eindeutig die Politik gefragt. Außerdem sind die von den Zentralbanken verabreichten Medikamente zwar wirksam, aber alles andere als frei von Nebenwirkungen. So steigen beispielsweise die Risiken in den Bilanzen der Notenbanken und damit gleichzeitig die Risiken für die Steuerzahler. Zudem lässt der Handlungsdruck auf die Regierungen nach, so dass notwendige Reformen möglicherweise zögerlicher oder überhaupt nicht angegangen werden.

Die Ratingagentur S&P hat Griechenland vor Kurzem leicht höhergestuft. Ist das ein erstes Erholungszeichen der angeschlagenen Volkswirtschaften?

S & P hat die Heraufstufung vor allem mit der Entscheidung der Politik begründet, Griechenland weitere Hilfen zu gewähren. Aber die Anpassungsprozesse in den Krisenländern kommen in der Tat voran. Eine Reihe von Ländern hat an Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen, und die Defizite in den öffentlichen Haushalten und in den Leistungsbilanzen gehen zurück. Die eingeleiteten Reformen zeigen also durchaus Wirkung. Entscheidend ist jetzt, dass wir in Europa nicht auf halber Strecke stehenbleiben, sondern den eingeschlagenen Reformweg entschlossen weitergehen.

Wie ist aus Sicht der Bundesbank die Euro-Krise zu bewältigen?

Um die Währungsunion wieder auf ein tragfähiges Fundament zu stellen, müssen wir meiner Meinung nach an drei Stellen ansetzen: in den Mitgliedstaaten selbst, bei den „Spielregeln“ der Währungsunion und im Finanzsystem - Stichwort Bankenunion. In all diesen Bereichen bewegt sich Einiges, aber es bleibt noch viel zu tun. Die Ursachen der Krise haben sich über viele Jahre aufgebaut, sie lassen sich daher auch nicht von heute auf morgen beheben.

Die Bundesbank wird geschätzt als Hüter der Geldwertstabilität. Wie bewältigt sie den Konflikt mit der Europäischen Zentralbank (EZB), die die geldpolitischen Zügel nur locker hält?

Wir müssen hier unterscheiden: Aktuell sehen wir keine Gefahren für die Geldwertstabilität. Die Inflationsrate, die 2012 noch über 2 % lag, sollte in diesem und im kommenden Jahr wieder unter diese Schwelle sinken. Aber die Notenbanken müssen bereit und willens sein, die geldpolitischen Zügel anzuziehen, wenn es darauf ankommt, also sobald der Inflationsdruck wieder steigt. Und dazu ist es wichtig, dass die Notenbanken nicht Aufgaben der Haushaltspolitik übernehmen. Darauf weisen wir sachlich, aber beharrlich hin.

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