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Pressenotiz 24.09.2012

Schwerpunkte des Monatsberichts September 2012

Die Ertragslage der deutschen Kreditinstitute im Jahr 2011

In einem komplexen Umfeld mit einerseits robuster Inlandskonjunktur sowie guter Konstitution der deutschen Wirtschaft und andererseits anhaltend hohen Herausforderungen und Risiken seitens der im Zeichen einer verschärften Staatsschuldenkrise in Europa stehenden Finanzmärkte haben die deutschen Banken bei einem praktisch unveränderten bilanziellen Geschäftsvolumen im Jahr 2011 mit rund 125 Mrd € das operative Ertragsniveau des Vorjahres knapp gehalten. Auf die beiden tragenden Säulen und Stabilitätsfaktoren im Ertragsprofil, das Zins- und Provisionsgeschäft, entfielen im Berichtsjahr rund 96% der gesamten operativen Erträge. Während der aggregierte Zinsüberschuss vor dem Hintergrund eines historisch niedrigen Renditeniveaus an den Geld- und Kapitalmärkten sowie eines fortgesetzten Abbaus von risikotragenden Aktiva in den Bankbilanzen moderat um 0,8% auf 91 Mrd € zurückging, nahm der Provisionsüberschuss leicht um 0,6% auf 29 Mrd € zu. Zu unterschiedlichen Entwicklungen kam es auch bei den anderen Ertragsquellen des Betriebsergebnisses vor Bewertung (operatives Ergebnis). So steuerte das sonstige betriebliche Ergebnis nach einem Verlust im Vorjahr diesmal einen kleinen positiven Beitrag bei, der jedoch durch eine Verschlechterung im Nettoergebnis des Handelsbestandes weitgehend kompensiert wurde. Hierfür war ausschlaggebend, dass namentlich im Bereich der Landesbanken hohe Bewertungsabschläge im Handelsportfolio sowie rückläufige Aktivitäten im Eigenhandel aufgrund der geschäftspolitischen Umstrukturierung zu verzeichnen waren. Insgesamt blieb das operative Ergebnis weitgehend stabil.

Das Bewertungsergebnis, das im Vorjahr noch deutlich ergebnisbelastend gewirkt hatte, zeigte erstmals im Beobachtungszeitraum seit 1993 einen positiven Saldo. Dieser „Swing“ dürfte primär im Zusammenhang mit der vor allem bei den Sparkassen und Genossenschaftlichen Zentralbanken festzustellenden Umwandlung von stillen in offene Vorsorgereserven zur Vorbereitung auf Basel III stehen (Umwidmungseffekt). Erheblich belastet wurde die Ertragslage – wie schon in den Vorjahren – durch die außerordentliche Rechnung. Bei gestiegenen Aufwendungen und rückläufigen Erträgen verschlechterte sich der Saldo um 4,5 Mrd € auf - 17,0 Mrd €. Hierfür war ein deutlicher Anstieg der Nettoaufwendungen im Finanzanlagengeschäft um 8 Mrd € auf 10,4 Mrd € maßgebend, der laut den veröffentlichten Geschäftsberichten vor allem auf die notwendig gewordenen außerplanmäßigen Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen zurückzuführen war.

In der Gesamtbetrachtung war ein markanter Anstieg des Jahresüberschusses zu verzeichnen. Ohne den Umwidmungseffekt wäre der Jahresüberschuss allerdings im Vorjahrsvergleich etwas ungünstiger ausgefallen. Während nämlich Erträge aus der Auflösung stiller Vorsorgereserven im Bewertungsergebnis erfasst werden, mindern Zuführungen zu den offenen Vorsorgereserven in der vorliegenden Ertragsanalyse nicht den Jahresüberschuss; sie werden vielmehr im Rahmen der Gewinnverwendung der Rücklagenbildung zugerechnet. Zum vierten Mal in Folge verblieb auf aggregierter Ebene ein Bilanzverlust (1,1 Mrd €, nach 0,8 Mrd € im Vorjahr).

Der Internationale Währungsfonds in einem veränderten globalen Umfeld

Seit Deutschland vor 60 Jahren am 14. August 1952 dem Internationalen Währungsfonds (IWF) beitrat, hat sich das globale Währungs- und Finanzsystem stark verändert. Entsprechend befindet sich der IWF in einem kontinuierlichen Prozess der Anpassung seiner Geschäftspolitik, um sich den jeweils neuen Herausforderungen zu stellen und seine wichtige systemische Rolle, das Funktionieren des internationalen Währungssystems zu gewährleisten, spielen zu können. Dies betrifft sowohl seine primäre Aufgabe der Surveillance zur Krisenprävention als auch die Bereitstellung von Zahlungsbilanzhilfen im Krisenfall. Im Wesentlichen unverändert blieb aber die besondere Konstruktion des IWF als Fonds und monetäre Institution, die ihn von anderen internationalen Finanzinstitutionen abhebt.

Diese Finanzkonstruktion ist eine besondere Stärke des IWF, da er zur Refinanzierung nicht auf Haushaltsmittel seiner Mitglieder oder die Finanzmärkte zurückgreifen muss. Sie impliziert aber auch Grenzen für die Geschäftspolitik und für die Gewährung von IWF-Finanzhilfen. Gerade in diesen Bereichen kam es seit der Jahrtausendwende und insbesondere im Zuge der globalen Finanzkrise und deren Folgewirkungen zu erheblichen Änderungen.

Hierzu zählen unter anderem eine größere Bereitschaft zur Zusage umfangreicher Finanzmittel, eine generelle Lockerung der Bedingungen für die Inanspruchnahme von IWF-Mitteln sowie die Neueinrichtung und Umgestaltung von Kreditinstrumenten, um sie attraktiver für eine Inanspruchnahme zu machen. Damit verbunden sind aber auch höhere Risiken, die der IWF für sich und seine Gläubiger eingeht, und zunehmende Gefahren für Fehlanreize im internationalen Währungs- und Finanzsystem.

Durch die Übernahme zu hoher Risiken würde sich der IWF tendenziell von einem Liquiditätsmechanismus zu einem Kreditinstitut wandeln. Eine solche Wandlung stünde weder im Einklang mit den rechtlichen und institutionellen Vorgaben des IWF-Abkommens noch mit seinem Finanzierungsmechanismus und seiner Möglichkeiten der Risikoabsicherung. Die Bereitschaft zu einer immer weitreichenderen Absicherung beziehungsweise Substituierung der Finanzierung seitens privater Gläubiger birgt nicht nur die Gefahr, den IWF in seinem institutionellen Aufbau zu überfordern. Sie könnte auch die Erfolgsaussichten von IWF-unterstützten Anpassungsprogrammen schmälern.

Innovationen im Zahlungsverkehr

Der rasante Fortschritt in der Informations- und Nachrichtentechnik hat auch im Zahlungsverkehr eine ganze Reihe von neuen Produkten hervorgebracht. Während das Onlinebanking in Deutschland mittlerweile schon fest etabliert ist, stehen nunmehr kontaktlose Bezahlmöglichkeiten im Handel, neue Bezahlverfahren für den Einkauf im Internet, die Nutzung von Mobiltelefonen und die sekundenschnelle Abwicklung von Zahlungen von Konto-zu-Konto im Mittelpunkt des aktuellen Interesses.

Wenngleich sich viele Innovationen im Zahlungsverkehr noch in der Einführungs- und Wachstumsphase befinden, wird diesen Entwicklungen ein hohes Entwicklungspotenzial zugebilligt. Innovationen können erhebliche Veränderungen auf dem Markt für Zahlungsdienste bewirken und zum Beispiel die Bedeutung der Banken in dem für sie traditionellen Geschäftsbereich verringern.

Bereits heute zeichnet sich ab, dass sich der Wettbewerb im Zahlungsverkehr durch Nichtbank-Anbieter –  wie Internethändler oder Mobilfunkgesellschaften  – aufgrund ihrer technologischen Kompetenz oder gut ausgebauten Kundenbasis verstärken dürfte. Diese Tendenzen sind auch international festzustellen, wie eine kürzlich erschienene Studie des Baseler Ausschusses für Zahlungsverkehrs- und Abwicklungssysteme mit dem Titel „Innovations in Retail Payments“ zeigt.

Zentralbanken haben aufgrund ihrer gesetzlichen Aufgabenstellung ein starkes Interesse an einer effizienten und sicheren Zahlungsabwicklung. Deshalb analysieren sie die aktuellen Entwicklungen im Zahlungsverkehr sehr genau und bewerten, ob zusätzlicher Handlungsbedarf besteht. Dies könnte zum Beispiel zu einer Erweiterung ihrer Überwachungsrolle (Oversight) und zu einer stärkeren Kooperation mit anderen Behörden auf nationaler oder internationaler Ebene führen. Aber auch die Auswirkungen auf das eigene Leistungsangebot und die Geldpolitik gilt es zu beachten. Als wesentliche Erfolgsfaktoren für die Durchsetzung von Innovationen haben sich neben der technischen Entwicklung und den Veränderungen des Nutzerverhaltens vor allem der regulatorische Rahmen, der Grad an Standardisierung und Kooperation, die Preisstruktur sowie die Sicherheit erwiesen. Damit sind gleichzeitig auch die Faktoren genannt, die den Markt für Zahlungsdienste in Europa und weltweit stärker in den Fokus der politischen Diskussion rücken. Dieses belegen sowohl die Einführung von Zahlungsverkehrsforen unter Einschluss von Anbietern, Nutzern und Regulatoren als auch die steigende Aktivität von Wettbewerbsbehörden, etwa bei der Zulässigkeit von Interbankenentgelten. Innovative Impulse in Europa werden vor allem durch die Schaffung des Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums (SEPA) erwartet.

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