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Pressenotiz 07.12.2012

Neue Bundesbank-Prognose: Vorübergehende konjunkturelle Abkühlung

Die konjunkturellen Perspektiven in Deutschland haben sich eingetrübt. Die Unternehmen reduzieren ihre Investitionen und stellen weniger neues Personal ein. Hierbei spielt neben der Anpassungsrezession in einigen Ländern des Euro-Gebiets die Verlangsamung der globalen Konjunktur eine Rolle. Dennoch rechnet die Deutsche Bundesbank in ihrer neuen Prognose nicht mit einer länger anhaltenden wirtschaftlichen Schwächephase, sondern sie sieht vielmehr die baldige Rückkehr auf einen Wachstumskurs. Dazu gehört, dass die Weltwirtschaft wieder Fahrt aufnimmt und der Reformprozess im Euro-Raum weiter voranschreitet. 

Allerdings dürfte das Wirtschaftswachstum angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Teilen des Euro-Raums und der weit verbreiteten Verunsicherung geringer ausfallen als bisher angenommen. „Die gute Grundkonstitution der deutschen Wirtschaft spricht aber dafür, dass sie die vorübergehende Schwächephase ohne größere Schäden insbesondere bei der Beschäftigung übersteht“, erklärte Bundesbankpräsident Dr. Jens Weidmann. 

Gesamtwirtschaftliche Produktion 

Vor diesem Hintergrund erwartet die Bundesbank im Rahmen ihrer halbjährlichen Prognose nach einer Zunahme des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) im laufenden Jahr um 0,7 % (kalenderbereinigt 0,9 %) für das kommende Jahr einen Anstieg um lediglich 0,4 % (kalenderbereinigt 0,5 %). Im Jahr 2014 ist eine Steigerung des realen BIP um 1,9 % möglich, wenn sich die Banken- und Staatsschuldenkrise im Euro-Raum nicht weiter verschärft und sich die Verunsicherung der Investoren und Verbraucher allmählich legt. 

Arbeitsmarkt 

Der Arbeitsmarkt dürfte die langsamere konjunkturelle Gangart nach Einschätzung der Bundesbank gut überstehen. Die Arbeitszeit wird wieder als Konjunkturpuffer dienen. Die Arbeitslosenquote könnte sich im kommenden Jahr zwar leicht auf 7,2 % erhöhen, sie sollte dann aber wieder auf 7,0 % zurückgehen. 

Preisentwicklung 

Der Anstieg der Verbraucherpreise könnte sich abschwächen, und zwar von 2,1% im laufenden Jahr auf 1,5 % im kommenden Jahr und 1,6 % im Jahr 2014. Dahinter steht die Annahme leicht rückläufiger Rohölnotierungen sowie eines nur langsam zunehmenden binnenwirtschaftlichen Preisdrucks.

Risikobeurteilung 

Die vorliegende Projektion ist durch ein hohes Maß an Unsicherheit charakterisiert. Dabei überwiegen die Abwärtsrisiken. Sollte etwa das weltwirtschaftliche Wachstum hinter den Erwartungen zurückbleiben oder sich die Schuldenkrise in einigen Ländern erneut verschärfen, dann ist eine schwächere Entwicklung als in der Basislinie unterstellt wahrscheinlich. „Es ist aber durchaus vorstellbar, dass sich der Euro-Raum schneller erholt und dass sich die Weltwirtschaft stärker beschleunigt als hier unterstellt wird. Dann ist die Zuversicht berechtigt, dass die deutsche Wirtschaft die sich ergebenden Chancen nutzt“, betonte Bundesbankpräsident Weidmann.

Monatsberichtsaufsatz Dezember 2012

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