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Pressenotiz 12.12.2012

Die deutsche Zahlungsbilanz im Oktober 2012

Leistungsbilanzüberschuss gesunken

Die deutsche Leistungsbilanz wies im Oktober 2012 – gemessen an den Ursprungsdaten – einen Überschuss von 13,6 Mrd € auf. Das Ergebnis lag um 3,7 Mrd € unter dem Niveau des Vormonats. Dahinter standen sowohl ein niedrigerer Aktivsaldo in der Handelsbilanz als auch ein verringerter Überschuss im Bereich der „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen, welche Dienstleistungen, Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie laufende Übertragungen umfassen.

Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes verminderte sich der Aktivsaldo im Außenhandel im Oktober gegenüber dem Vormonat um 1,1 Mrd € auf 15,8 Mrd €. Saison- und kalenderbereinigt nahm er um 1,6 Mrd € auf 15,2 Mrd € ab. Dabei stiegen die wertmäßigen Ausfuhren mit +0,3 % nur wenig an, während die Einfuhren mit +2,5 % deutlich stärker expandierten. Verglichen mit dem Durchschnitt des dritten Quartals verzeichneten die nominalen Exporte saisonbereinigt einen Rückgang um 0,6 %, die Importe lagen im Oktober dagegen um 1,7 % über dem Vorquartalsdurchschnitt. Preiseffekte spielten einnahmen- wie ausgabenseitig kaum eine Rolle.

Die „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen verzeichneten im Oktober einen geringfügigen Überschuss von 0,1 Mrd €, nach einem Plus von 2,7 Mrd € im September. Zu diesem Rückgang trugen alle drei Teilbilanzen, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß, bei. Maßgeblich war der Umschwung in der Dienstleis­tungsbilanz von einem Überschuss von 0,3 Mrd € im September zu einem Defizit von 1,9 Mrd € im Berichtsmonat. Gründe für diese Entwicklung waren unter anderem der Rückgang der im Vormonat sehr hohen Einnahmen aus Forschung und Entwicklung und geringere Transithandelserträge. Der Überschuss aus den grenzüberschreitenden Faktoreinkommen verringerte sich um 0,4 Mrd € auf 5,2 Mrd €. Der Fehlbetrag in der Bilanz der laufenden Übertragungen erhöhte sich im Oktober mit 0,1 Mrd € geringfügig auf 3,3 Mrd €.

Netto-Kapitalexporte im Wertpapierverkehr

Im Oktober ließen die Entspannungstendenzen an den Finanzmärkten die hiesigen Investoren Mut zu Neuengagements im Ausland fassen. Alles in allem ergaben sich im grenzüberschreitenden Wertpapierverkehr Netto-Kapital­exporte in Höhe von 6,4 Mrd €. Ausschlaggebend war, dass inländische Anleger für 11,8 Mrd € Wertpapiere gebietsfremder Emittenten erwarben. Dabei fragten sie mit ausländischen Aktien (4,6 Mrd €) und Investmentzertifikaten (3,4 Mrd €) insbesondere solche Finanzprodukte nach, denen sie im Monat zuvor noch geringes Interesse geschenkt hatten (zusammen 1,2 Mrd € im September). Ferner nahmen sie für 3,8 Mrd € Schuldverschreibungen in ihre Portfolios. Ausländische Portfolioinvestoren traten als Käufer an den deutschen Wertpapiermärkten auf (5,4 Mrd €). Ihr Interesse konzentrierte sich dabei auf hiesige Schuldverschreibungen (4,9 Mrd €), wobei sie mehr Anleihen (3,5 Mrd €) als Geldmarktpapiere (1,4 Mrd €) kauften.

Wie der Wertpapierverkehr führten auch die Direktinvestitionen zu Netto-Kapitalabflüssen (3,0 Mrd €). Ausschlaggebend war das Neuengagement hiesiger Eigner im Ausland (7,4 Mrd €). Dabei stockten sie vor allem Beteiligungskapital bei ihren ausländischen Niederlassungen auf (4,5 Mrd €). Deren Kapitalbasis wurde zusätzlich durch reinvestierte Gewinne gestärkt (2,6 Mrd €). Auch ausländische Muttergesellschaften ließen ihren hiesigen Töchtern Finanzmittel zukommen (4,5 Mrd €). Dies geschah überwiegend über konzerninterne Kredite (4,4 Mrd €), wobei diese in etwa je zur Hälfte Handels- und Finanzkrediten zuzuschreiben waren.

Hingegen kam im übrigen statistisch erfassten Kapitalverkehr, der sowohl Finanz- und Handelskredite (soweit diese nicht zu den Direktinvestitionen zählen) als auch Bankguthaben und sonstige Anlagen umfasst, im Oktober per saldo Kapital auf (7,9 Mrd €). Die Nichtbanken zeichneten allerdings für Mittelabflüsse verantwortlich (1,1 Mrd €). Ausschlaggebend dafür war, dass der Staat 9,6 Mrd € ins Ausland transferierte. Dabei spielte die Eigenmittelausstattung des neu geschaffenen ESM eine wesentliche Rolle. Umgekehrt verzeichneten die Unternehmen und Privatpersonen einen Mittelzufluss (8,5 Mrd €). Dieser ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass sie ihre Bankguthaben im Ausland verringerten. Im Bankensystem flossen Deutschland Mittel in Höhe von 9,0 Mrd € zu. Davon entfielen 4,8 Mrd € auf die Transaktionen der Kreditinstitute. Weitere 4,1 Mrd € kamen bei der Bundesbank auf. Entscheidend hierfür waren höhere Einlagen, insbesondere internationaler Organisationen, bei der Bundesbank (28,0 Mrd €), die den Forderungsaufbau im Rahmen des Großbetragszahlungsverkehrssystems TARGET2 (23,9 Mrd €) übertrafen.

Die Währungsreserven der Bundesbank sind im Oktober – zu Transaktionswerten gerechnet – leicht gestiegen (0,2 Mrd €).

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