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Pressenotiz 17.12.2012

Schwerpunkte des Monatsberichts Dezember 2012

Die konjunkturellen Perspektiven haben sich in Deutschland eingetrübt. Für das Winterhalbjahr 2012/2013 deutet sich sogar ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität an. Hierbei spielt neben den zum Teil schweren Anpassungsrezessionen im Euro-Gebiet auch die Verlangsamung der globalen Konjunktur eine Rolle. Es gibt jedoch die begründete Aussicht, dass die wirtschaftliche Schwächephase nicht allzu lange anhalten wird und Deutschland bald wieder auf einen Wachstumspfad zurückkehrt. Dazu gehört, dass die Weltwirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, der Reformprozess im Euro-Raum weiter voranschreitet und größere negative Überraschungen ausbleiben. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Teilen des Euro-Raums und der weit verbreiteten Verunsicherung dürfte das Wirtschaftswachstum allerdings geringer ausfallen als bisher angenommen. Die gute Grundkonstitution der deutschen Wirtschaft spricht aber dafür, dass sie die vorübergehende Schwächephase ohne größere Schäden insbesondere am Arbeitsmarkt übersteht. 

Nach einer Expansion des realen Bruttoinlandsprodukts um 0,7% beziehungsweise kalenderbereinigt 0,9% im laufenden Jahr könnte sich das Wirtschaftswachstum im Jahr 2013 in jahresdurchschnittlicher Betrachtung auf 0,4% (kalenderbereinigt auf 0,5%) ermäßigen, um sich dann im Jahr 2014 auf 1,9% zu verstärken. Unter diesen Bedingungen und konditioniert auf einen leicht rückläufigen Pfad der Rohölnotierungen sollte die Teuerung in Deutschland nachlassen. Auf eine Inflationsrate (gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex) von 2,1% im laufenden Jahr könnten 1,5% im Jahr 2013 und 1,6% im Jahr 2014 folgen. Ohne Energie gerechnet ergäbe sich aufgrund höherer Lohnabschlüsse eine Verstärkung von 1,6% im Jahr 2012 auf 1,8% im Jahr 2014. Der staatliche Gesamthaushalt wird im laufenden Jahr erstmals seit Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008 wohl wieder annähernd ausgeglichen abschließen. Im kommenden Jahr dürfte im Zuge der gesamtwirtschaftlichen Abschwächung aber erneut ein spürbares Defizit entstehen. Konjunkturbereinigt dürfte die Defizitquote 2013 und 2014 mehr oder weniger unverändert bei etwa ½% liegen. 

Die vorliegende Projektion ist durch ein hohes Maß an Unsicherheit gekennzeichnet. Es ist durchaus vorstellbar, dass sich der Euro-Raum schneller erholt und dass sich die Weltwirtschaft stärker beschleunigt als hier unterstellt wurde. Dann ist die Zuversicht berechtigt, dass die deutsche Volkswirtschaft angesichts ihrer guten Verfassung die sich ergebenden Chancen nutzt. Es überwiegen jedoch Abwärtsrisiken. Sollte das weltwirtschaftliche Wachstum hinter den Erwartungen zurückbleiben oder sich die Schuldenkrise in einigen Ländern erneut verschärfen, dann ist eine schwächere Entwicklung als in der Basislinie unterstellt wahrscheinlich. 

Ertragslage und Finanzierungsverhältnisse deutscher Unternehmen im Jahr 2011

Für die deutschen Unternehmen verlief das Jahr 2011 im Vergleich zur turbulenten Phase davor in ruhigen Bahnen. Die Umsätze expandierten genauso kräftig wie 2010; die zu Beginn der Erholung in die Höhe geschossene Rentabilität ließ sich aufgrund gestiegener Kosten allerdings nicht ganz halten. Die Erträge wurden im Unterschied zu 2010 nicht allein durch den stark zunehmenden Materialaufwand belastet. Im Berichtsjahr erhöhte sich der Personalkostenzuwachs, und erstmals seit 2008 nahmen im Vorjahrsvergleich wieder die Abschreibungen zu. 

Bauunternehmen und Automobilhersteller sowie deren Zulieferer konnten im Umfeld einer sehr günstigen Branchenkonjunktur bei der Ertragskraft aufholen. Bilanzielle Vorkehrungen für Risiken im Zusammenhang mit der Energiewende sowie Verluste im Energiehandel drückten hingegen die Rendite der Energieversorger auf ein ausgesprochen niedriges Niveau. 

Größere Verschiebungen zwischen zentralen Bilanzpositionen waren 2011 auf aggregierter Ebene nicht zu erkennen. Sach- und Forderungsvermögen expandierten nahezu im Gleichschritt, und auf der Passivseite blieb der Wachstumsvorsprung der Eigenmittel gegenüber dem Fremdkapital vergleichsweise gering. Dennoch dürfte sich der Grad der Insolvenzgefährdung mit Blick auf den nichtfinanziellen Unternehmensbereich als Ganzes weiter verringert haben. Dies lässt sich vor allem damit begründen, dass es gerade den im Baugewerbe und Handel sowie im Verkehrs- und Lagerbereich tätigen Unternehmen gelang, ihre eher schwache Eigenkapitalausstattung deutlich zu verbessern. 

Im Verlauf des Jahres 2011 nahm angesichts des nachlassenden Konjunkturoptimismus und einer erneuten Zuspitzung der Staatsschuldenkrise im Euro-Raum die Investitionsneigung, aber auch der Beteiligungserwerb der Unternehmen spürbar ab. Bei anhaltend günstigen Innenfinanzierungsmöglichkeiten ging dies mit einer Einschränkung der Mittelzuführungen von außen einher. 

Die Unternehmen sehen sich gegenwärtig einer Reihe substanzieller Unwägbarkeiten gegenüber, was sie wohl veranlasst, weitreichende Entscheidungen – beispielsweise über größere Investitionsvorhaben – aufzuschieben. Die gewerbliche Wirtschaft verfügt in der Breite jedoch über eine strukturell gute Ertragskraft und solide Bilanzstrukturen als wichtige Voraussetzungen für eine langfristig ausgerichtete Unternehmenspolitik. 

Kalendarische Einflüsse auf das Wirtschaftsgeschehen

Kalendarische Konstellationen können einen spürbaren Einfluss auf die wirtschaftliche Aktivität ausüben. Bezogen auf die vierteljährliche Veränderungsrate des realen Bruttoinlandsprodukts machen sie bis zu 1 Prozentpunkt aus. Bei den monatlichen Bewegungen der Industrieproduktion schlagen Kalendereinflüsse nicht selten in Größenordnungen von über 5 Prozentpunkten zu Buche. 

Im Rahmen der statistischen Messung kalendarischer Effekte sind zwei Aspekte zu unterscheiden. Jährlich wiederkehrende und für einen bestimmten Monat oder ein Quartal typische Muster werden, europäischen Empfehlungen folgend, der Saisonkomponente einer Zeitreihe zugeordnet. So wird in Monaten mit 31 Tagen durchschnittlich mehr gearbeitet und konsumiert als in Monaten mit 30 oder gar 28 Tagen. Davon zu unterscheiden sind Einflüsse, die sich beispielsweise aus der Verschiebung der Anzahl der Arbeitstage innerhalb eines gleichnamigen Monats oder Quartals ergeben. Diese bucht die amtliche Saisonbereinigung separat als Kalendereffekte. 

Deren Erscheinungsformen sind vielfältig und variieren je nach Wirtschaftsbereich und Art der gemessenen Aktivität. Zur Quantifizierung von Kalendereffekten hat sich für eine Vielzahl deutscher Wirtschaftsindikatoren das arbeitstägliche Modell bewährt. Dieses berücksichtigt, dass in Deutschland weitgehend eine Arbeitswoche mit fünf Tagen üblich ist, aber teilweise auch kontinuierlich, also selbst an Feiertagen, produziert wird. Demnach führt beispielsweise im Verarbeitenden Gewerbe ein zusätzlicher Arbeitstag in den Monaten Januar bis November im Durchschnitt zu einer 3,4% höheren monatlichen Produktion. Im Dezember fällt der Effekt geringer aus, weil in der Zeit um Weihnachten die Erzeugung ohnehin zurückgefahren wird. Auch der Umfang der Aktivitäten in anderen Wirtschaftsbereichen, wie dem Verkehr, folgt einem arbeitstäglichen Muster. 

Der Umsatz des Einzelhandels wird hingegen eher durch die Anzahl der verkaufsoffenen Tage beeinflusst. Dabei sind die Effekte nicht in jedem Monat gleich stark. Über alle Wirtschaftsbereiche aggregiert, leitet sich der Kalendereinfluss für das Bruttoinlandsprodukt ab. Eine um 1% höhere Anzahl an Arbeitstagen führt im Durchschnitt zu einem Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion um 0,3%. 

Solche Kalendereffekte erweisen sich über die Zeit hinweg als weitgehend stabil. Die verstärkte Nutzung von Arbeitszeitkonten und flexibleren Arbeitszeiten hat keinen merklichen Einfluss darauf. Auch sind die geschätzten relativen Einflüsse praktisch unabhängig von der konjunkturellen Lage. Grundsätzlich lassen sich im Rahmen der Kalenderbereinigung auch die Effekte von sogenannten Brückentagen, der Lage der Schulferien oder der Witterung auf die Produktion schätzen. So ist an einem Brückentag die industrielle Erzeugung im Durchschnitt um etwa ein Drittel geringer als an einem normalen Arbeitstag. Dieser Einfluss ist aber nicht unabhängig von der konjunkturellen Situation. Auch bei der Schätzung von Schulferieneffekten treten Schwierigkeiten bei der Ermittlung eines stabilen Zusammenhangs auf. Und bei der Abschätzung von Witterungseinflüssen in Kalendermodellen sind anschließende Aufholeffekte nicht klar quantifizierbar. Entsprechend werden solche Einflüsse in offiziellen Statistiken nicht der Kalenderkomponente zugeordnet, sondern im Sammelposten „irreguläre Einflüsse“ der betroffenen saisonbereinigten Zeitreihen ausgewiesen.

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