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Pressenotiz 21.01.2013

Schwerpunkte des Monatsberichts Januar

Aktuelle Entwicklungen am Markt für Investmentfonds: Nachfrage, Strukturveränderungen und Anlageverhalten

Die Finanz- und Staatsschuldenkrise hat nachhaltige Spuren im deutschen Fondsgeschäft hinterlassen. Insbesondere Privatanleger haben sich in ihren Vermögensdispositionen anderen Produkten zugewandt. Zwar hielten sich auch institutionelle Investoren im Krisenjahr 2008 mit zusätzlichen Fondsanlagen stärker zurück als in den Jahren davor; anschließend investierten sie aber wieder recht kräftig in Fondsprodukte. Insgesamt legten institutionelle Anleger seit 2007 bis einschließlich September 2012 rund 237 Mrd. € zusätzliches Kapital in Spezialfonds an, wozu die Versicherungen den größten Beitrag leisteten. Im Gegensatz dazu reduzierten die Kreditinstitute ihre Bestände an Investmentfondsanteilen seit der Finanzkrise dauerhaft. Der in den letzten Jahren verschärften Staatsschuldenkrise begegneten die deutschen Fonds mit einer Neuausrichtung ihrer Anleiheportfolien: Während sie sich von Bankschuldverschreibungen und Staatsanleihen der EWU-Peripherieländer trennten, verstärkten sie ihr Engagement in anderen Regionen beziehungsweise in Emissionen nichtfinanzieller Unternehmen.
Neben diesen aktuellen Entwicklungen, die stark durch die Finanz- und Staatsschuldenkrise geprägt sind, unterliegt die Fondsbranche in Deutschland aber auch nachhaltigen Strukturveränderungen. So ist unter anderem eine stärkere Spezialisierung bei den Spezialfonds, ein Trend zu passiven Anlagestrategien über börsengehandelte Fonds (ETFs) und eine verstärkte private Altersvorsorge über Fonds festzustellen. Der Bericht geht auch auf diese längerfristigen Tendenzen ein. Außerdem wird gezeigt, dass die Liquiditätssteuerung von Fonds unter bestimmten Umständen von der Anlegerstruktur abhängt. So nutzen Fonds, deren Anteile vorwiegend von Privatanlegern gehalten werden, Zuflüsse in deutlich stärkerer Intensität als die übrigen Fonds für den Aufbau von Liquiditätspolstern. Sie wirken damit möglichen Mittelabflüssen in Phasen erhöhter Anspannung entgegen.

Münzgeldentwicklung und -prognose in Deutschland

In der Europäischen Währungsunion haben die Mitgliedstaaten das Recht zur Münzausgabe. Der rechnerische Münzgeldumlauf in Deutschland, das heißt die von der Bundesbank ausgegebenen vermindert um die bei ihr eingezahlten Münzen, ist nahezu kontinuierlich von 3,8 Mrd. € (11 Milliarden Stück) im Januar 2002 auf 6,8 Mrd. € (30 Milliarden Stück) im Dezember 2012 gestiegen. Damit verfügt jeder Einwohner im Durchschnitt über rund 345 Münzen im Wert von 79,85 Euro, von denen mit 175 Stück der größte Anteil auf die 1- und 2-Cent-Stücke entfällt.
Jedes Jahr im Januar und September prognostiziert die Bundesbank im Rahmen der Münzgeldbedarfsplanung für jede Stückelung die Veränderung des Umlaufs der Euro-Münzen. Die Münzgeldnachfrage hängt positiv ab von den mit Bargeld beglichenen Ausgaben für Konsumgüter und dem Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung. Eine zunehmende Nutzung der Geldkarte als alternatives Zahlungsmedium zu Münzen lässt den Münzgeldumlauf dagegen sinken.
Ein weiterer Aspekt, der die Emission der Euro-Münzen beeinflusst, ist die Münzmigration. Im Jahr 2012 stammten bereits circa 37 % der umlaufenden Münzen in Deutschland aus dem Ausland. Es zeigt sich, dass Münzen aus Deutschlands Nachbarländern ceteris paribus im Mittel eine um 5 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit haben, nach Deutschland zu gelangen, als Münzen aus nicht angrenzenden Ländern. Für Münzen aus den in Deutschland beliebtesten Urlaubsländern (Spanien, Österreich und Italien) liegt die Wahrscheinlichkeit im Durchschnitt um 6 Prozentpunkte höher als bei Münzen aus den übrigen Euro-Ländern.
Im Euro-Währungsgebiet haben zwei Länder, Finnland und die Niederlande, eine Rundungsregel für Barkäufe eingeführt, um mehr Effizienz im baren Zahlungsverkehr zu erreichen. Dabei wird der Endbetrag an der Kasse kaufmännisch auf 5 Cent auf- oder abgerundet. Die Bevölkerung in Deutschland hat offenbar eine positive Einstellung zu den Kleinmünzen und lehnt eine Rundungsregel wie in den genannten Ländern eher ab. Befürchtet wird ein inflatorischer Effekt. Nach den vorliegenden Zwischenergebnissen einer von der Bundesbank in Auftrag gegebenen, noch nicht veröffentlichten Studie, scheint der inflatorische Effekt durch Einführung einer Rundungsregel sehr gering zu sein. Bei einer kaufmännischen Rundung des Kassenbons gleichen sich die Auf- und Abrundungseffekte weitestgehend aus. Selbst bei einem Szenario, bei dem die Handelsunternehmen alle Kassenbons auf 5 Cent aufrunden würden, läge der Einmaleffekt der Teuerung bei nur rund 1‰.

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