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Pressenotiz 19.01.2015

Geldvermögensbildung und Außenfinanzierung in Deutschland im dritten Quartal 2014

Sektorale Ergebnisse der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung

Im dritten Quartal 2014 hat das Geldvermögen der privaten Haushalte gegenüber dem Vorquartal um 28 Mrd € zugenommen und ist damit auf 5.011 Mrd € gestiegen. Während die auf Transaktionen basierende Geldvermögensbildung mit knapp 34,5 Mrd € in etwa so stark ausfiel wie im Vorquartal, schmälerten Bewertungsverluste im Umfang von rund 6,5 Mrd €, die insbesondere bei Aktien auftraten, den Vermögenszuwachs. Hinsichtlich der Anlageformen setzte sich der bereits seit Längerem zu beobachtende Trend hin zu liquiden und risikoärmeren Anlagen auch im Berichtsquartal fort. Da die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte im Berichtsquartal vergleichsweise kräftig wuchsen, stieg das Netto-Geldvermögen im dritten Quartal  2014 um lediglich 18 Mrd € auf 3.430 Mrd €. Das Geldvermögen der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften legte mit einem Anstieg von 98 Mrd € im Berichtsquartal spürbar zu und belief sich zum Ende des dritten Quartals 2014 auf 3.577 Mrd €. Gleichzeitig fielen die Verbindlichkeiten um knapp 4 Mrd € auf 5.167 Mrd €, sodass das Netto-Geldvermögen dieses Sektors insgesamt deutlich höher ausfiel als im Vorquartal.

Private Haushalte investieren weiter in liquide und risikoarme Anlagen: Sichteinlagen und Ansprüche gegenüber Versicherungen wachsen

Die transaktionsbedingte Geldvermögensbildung der privaten Haushalte belief sich im dritten Quartal 2014 per saldo auf knapp 34,5 Mrd € und fiel damit ähnlich hoch aus wie im Vorquartal. Mit 17 Mrd € wurde rund die Hälfte der Mittel in Bankeinlagen (einschl. Bargeld) investiert, wobei allein 16 Mrd € und damit fast der gesamte Betrag den besonders liquiden Sichteinlagen (einschl. Bargeld) zuflossen. Termin- und Spareinlagen (einschl. Sparbriefe) wurden zwar ebenfalls aufgebaut, darunter insbesondere Einlagen mit längerer Laufzeit beziehungsweise Kündigungsfrist. Mit 1 Mrd € fielen die Investitionen in diese Einlageformen jedoch sehr niedrig aus. Die im Umfeld niedriger Zinsen bereits seit Längerem zu beobachtende Präferenz der privaten Haushalte für hochliquide Anlageformen setzte sich damit im Berichtsquartal fort. Ebenfalls von Bedeutung für die Geldvermögensbildung der privaten Haushalte waren die Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionseinrichtungen, die netto um gut 13 Mrd € aufgestockt wurden. Die ungeachtet der derzeit sehr niedrigen Renditen fortgesetzte Präferenz für diese Anlageform, die typischerweise als risikoarm gilt, deutet zusammen mit der Bedeutung der Bankeinlagen in der Geldvermögensbildung auf eine anhaltend hohe Risikoaversion der privaten Haushalte hin.

Dafür spricht auch das weiterhin zurückhaltende Engagement der privaten Haushalte auf den Kapitalmärkten, das im Berichtsquartal deutlich schwächer ausfiel als zuvor. Schuldverschreibungen wurden abermals und damit seit nunmehr drei Jahren in Folge netto verkauft, wobei das Volumen mit 7,5 Mrd € überdurchschnittlich hoch ausfiel. Mittelabflüsse gab es insbesondere bei Schuldverschreibungen inländischer Kapitalgesellschaften, aber auch bei Wertpapieren des Staates. Dies dürfte unter anderem mit dem weiter gesunkenen Renditeniveau dieser Anlageform zusammenhängen. Vor dem Hintergrund der Kursverluste an den Aktienmärkten fiel auch der direkte Erwerb von Aktien und sonstigen Anteilsrechten mit per saldo 1 Mrd € deutlich schwächer aus als zuvor. Mit einer Zunahme von netto 6,5 Mrd € wurden lediglich Anteile an Investmentfonds in nennenswertem Umfang gekauft, was in etwa dem Volumen des Vorquartals entspricht. Zuflüsse gab es insbesondere bei Mischfonds, während aus Aktienfonds Mittel abgezogen wurden.

Der transaktionsbasierte Anstieg des Geldvermögens von knapp 34,5 Mrd € wurde durch Bewertungsverluste im Umfang von knapp 6,5 Mrd € gemindert, die vor allem bei Aktien entstanden. In der Summe wuchs das Geldvermögen der privaten Haushalte somit um 28 Mrd € auf 5.011 Mrd € zum Ende des dritten Quartals 2014.

Die Außenfinanzierung der privaten Haushalte fiel im dritten Quartal erneut spürbar stärker aus als im Vorquartal. Insgesamt wurden Kredite (einschl. sonstiger Verbindlichkeiten) per saldo im Umfang von gut 9,5 Mrd € aufgenommen (nach 6 Mrd € im zweiten Quartal). Im Umfeld eines weiterhin dynamischen Immobilienmarkts handelte es sich dabei vor allem um Wohnungsbaukredite. Kreditgeber waren erneut ausschließlich inländische Banken, während die von Versicherungen und anderen Finanzintermediären gewährten Kredite geringfügig zurückgeführt wurden. Die gesamten Verbindlichkeiten der privaten Haushalte stiegen damit auf 1.581 Mrd €. Zusammen mit dem Anstieg des Geldvermögens im Berichtszeitraum führte dies zu einer vergleichsweise verhaltenen Erhöhung des Netto-Geldvermögens um 18 Mrd € auf 3.430 Mrd €. Die Verschuldungsquote, definiert als Anteil der gesamten Verbindlichkeiten am annualisierten Bruttoinlandsprodukt, fiel um 0,1 Prozentpunkte und betrug am Quartalsende 54,8 %.

Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften: Spürbarer Anstieg des Geldvermögens bei moderater Entwicklung der Verbindlichkeiten

Die Geldvermögensbildung der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften fiel im dritten Quartal 2014 mit Zuflüssen von gut 50 Mrd € deutlich stärker aus als im Vorquartal. Neben einem höheren Zufluss in Bankeinlagen (einschl. Bargeld) im Umfang von 17,5 Mrd € ist dies zum einen auf ein mit 22 Mrd € vergleichsweise starkes Engagement bei Aktien und sonstigen Anteilsrechten zurückzuführen. Zugenommen haben dabei vor allem Beteiligungen an anderen inländischen Kapitalgesellschaften. Zum anderen wurde die Kreditvergabe mit gut 15,5 Mrd € überdurchschnittlich stark ausgeweitet. Kreditnehmer waren in erster Linie andere nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften im In- und Ausland. Das Engagement bei den übrigen Anlageformen fiel demgegenüber eher verhalten aus. Ein Motiv für die mit diesem Verhalten einhergegangene Intensivierung der Verflechtungen innerhalb des Unternehmenssektors könnte unter anderem im Streben der Unternehmen nach größerer Unabhängigkeit von Kapitalgebern außerhalb des Unternehmenssektors bestehen.

Dazu passen die Höhe und die Struktur der Außenfinanzierung im Berichtsquartal. Mit netto 15,5 Mrd € fiel deren Volumen insgesamt etwas schwächer aus als im Vorquartal, auch lag sie damit unter ihrem langjährigen Durchschnitt. Positive Beiträge kamen von der Finanzierung über Anteilsrechte (5 Mrd €), darunter vor allem Aktien. Mittelgeber waren in diesem Zusammenhang häufig andere nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften. Darüber hinaus wurden Schuldverschreibungen im Umfang von netto 2 Mrd € emittiert. Kredite wurden hingegen insgesamt in Höhe von knapp 14 Mrd € netto getilgt. Dabei war das Verhalten gegenüber den jeweils kreditgewährenden Sektoren uneinheitlich. Während etwa Kredite gegenüber inländischen Banken zurückgeführt wurden, kam es bei inländischen Nichtbanken, darunter unter anderem bei anderen nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften, per saldo zu einer Kreditaufnahme. Kräftig aufgebaut wurden schließlich auch sonstige Verbindlichkeiten, darunter primär in Form von Handelskrediten und Anzahlungen, die per saldo mit 18 Mrd € zur Außenfinanzierung beitrugen.

Zusammen genommen und unter Berücksichtigung von Bewertungsänderungen nahm das Netto-Geldvermögen der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften somit um insgesamt 102 Mrd € zu und erreichte im dritten Quartal 2014 einen Wert von - 1.590 Mrd €. Vor dem Hintergrund der insgesamt gesunkenen Verschuldung fiel die Verschuldungsquote, definiert als Anteil der Summe von Schuldverschreibungen, Krediten und Pensionsrückstellungen am annualisierten Bruttoinlandsprodukt, auf 62,3 % (im zweiten Quartal 2014: 63 %).

Aufgrund zwischenzeitlich durchgeführter Revisionen sind die Angaben dieser Pressenotiz nicht mit denen früherer Pressenotizen vergleichbar.

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