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Pressenotiz 16.10.2015

Geldvermögensbildung und Außenfinanzierung in Deutschland im zweiten Quartal 2015

Sektorale Ergebnisse der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung

Das Geldvermögen der privaten Haushalte belief sich Ende Juni 2015 auf 5 224 Mrd €, nachdem es im zweiten Quartal mit gut 5 Mrd € oder 0,1 % nur sehr verhalten zugenommen hatte. Hinter diesem Vermögenszuwachs stehen eine auf Transaktionen basierende Geldvermögensbildung in Höhe von gut 41 Mrd € und deutliche Bewertungsverluste im Umfang von rund 36 Mrd € beim gehaltenen Geldvermögen. Hinsichtlich der Anlageformen war der nach wie vor anhaltende Trend hin zu liquiden und risikoarmen Anlagen auch im Berichtsquartal zu beobachten. Gleichzeitig nahmen die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte um etwa 11 Mrd € zu, sodass ihr Nettogeldvermögen im zweiten Quartal 2015 erstmals seit 2011 leicht um knapp 6 Mrd € oder 0,2 % auf 3 625 Mrd € sank. Das Nettogeldvermögen der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften legte im Berichtsquartal um circa 111 Mrd € oder 6,3 % deutlich zu, unter anderem aufgrund spürbarer Bewertungsrückgänge bei den Verbindlichkeiten. Am Ende des zweiten Quartals 2015 belief es sich auf -1 656 Mrd €.

Private Haushalte: Geldvermögensbildung primär über liquide und risikoarme Anlagen bei weiterhin schwachem Kapitalmarktengagement

Die transaktionsbedingte Geldvermögensbildung der privaten Haushalte belief sich im zweiten Quartal 2015 per saldo auf rund 41 Mrd € und fiel damit - wie meist im zweiten Quartal - rund 20 % niedriger aus als im Vorquartal. Mit etwa 28 Mrd € wurden gut zwei Drittel der Mittel in Bankeinlagen (einschl. Bargeld) investiert, wobei der Betrag per saldo wie schon im Vorquartal vollständig den besonders liquiden Sichteinlagen (einschl. Bargeld) zufloss. Termin- und Spareinlagen (einschl. Sparbriefe) hingegen wurden erneut netto abgebaut, vor allem im langfristigen Bereich. Die im Umfeld niedriger Nominalzinsen bereits seit Längerem zu beobachtende Präferenz der privaten Haushalte für hochliquide Anlageformen war somit auch im Berichtsquartal erneut deutlich ausgeprägt. Ein ähnliches Gewicht für die Geldvermögensbildung der privaten Haushalte hatten die Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionseinrichtungen, die netto um rund 17 Mrd € aufgestockt wurden. Diese Ansprüche und die Sichteinlagen gelten beide als risikoarm, und ihre große Bedeutung für die Geldvermögensbildung deutet auf eine anhaltend hohe Risikoaversion der privaten Haushalte hin.

Dafür spricht auch ihr weiterhin eher verhaltenes Engagement auf den Kapitalmärkten. So wurden trotz einer im Berichtszeitraum spürbar gestiegenen Umlaufrendite Schuldverschreibungen zum wiederholten Male - und damit seit nunmehr fast vier Jahren in Folge - netto verkauft. Die Abflüsse fielen mit 5 Mrd € abermals deutlich aus. Zurück ging vor allem das Engagement in Schuldverschreibungen inländischer Kreditinstitute sowie ausländischer Emittenten, aber auch des deutschen Staates. Gekauft wurden hingegen - anders als im Vorquartal - Aktien und sonstige Anteilsrechte per saldo in Höhe von etwa 3 Mrd €. Ebenso wurde erneut in Anteile an Investmentfonds investiert, unter anderem in Misch- und offene Immobilienfonds. Die Mittelzuflüsse fielen jedoch mit netto rund 5 Mrd € deutlich geringer aus als im Vorquartal. Verglichen mit den übrigen Anlageformen blieb somit die Bedeutung von Wertpapieren für die Geldvermögensbildung dieses Sektors weiterhin gering.

Diesem transaktionsbedingten Anstieg des Geldvermögens standen im Berichtszeitraum erhebliche Bewertungsverluste beim gehaltenen Geldvermögen im Umfang von rund 36 Mrd € gegenüber. In einem allgemein schwachen Börsenumfeld waren davon vor allem die Anteile an Investmentfonds und Aktien betroffen. Im Ergebnis führte dies mit 5 Mrd € oder 0,1 % zum niedrigsten Anstieg des Geldvermögens privater Haushalte seit Beginn der neunziger Jahre. Am Ende des zweiten Quartals 2015 belief es sich damit auf 5 224 Mrd € (176 % des annualisierten Bruttoinlandsprodukts).

Die Außenfinanzierung der privaten Haushalte fiel im zweiten Quartal 2015 deutlich stärker aus als im Vorquartal. Insgesamt wurden Kredite (einschl. sonstiger Verbindlichkeiten) per saldo im Umfang von 12 Mrd € aufgenommen, insbesondere in Form von Wohnungsbaukrediten. Dies entspricht dem höchsten Wert seit dem Jahr 2000. Kreditgeber waren primär inländische Banken. Die gesamten Verbindlichkeiten der privaten Haushalte stiegen damit deutlich um 0,7 % auf 1 599 Mrd €. Zusammen mit dem verhaltenen Anstieg des Geldvermögens führte dies im Berichtszeitraum zu einem um 6 Mrd € oder um 0,2 % leicht sinkenden Nettogeldvermögen auf 3 625 Mrd €. Das Nettogeldvermögen sank damit erstmals seit 2011. Die Verschuldungsquote, definiert als Anteil der gesamten Verbindlichkeiten am annualisierten nominalen Bruttoinlandsprodukt, fiel zum Ende des zweiten Quartals 2015 um 0,1 Prozentpunkte auf 53,9 %.

Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften: Kräftige Geldvermögensbildung bei nachlassender, aber weiterhin hoher Außenfinanzierung

Die transaktionsbedingte Geldvermögensbildung der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften fiel im zweiten Quartal 2015 mit 83 Mrd € vergleichsweise hoch aus. Aufgebaut wurden vor allem Bankeinlagen (einschl. Bargeld) sowie Aktien und sonstige Anteilsrechte, denen netto knapp 6 Mrd € beziehungsweise knapp 10 Mrd € zuflossen. Auch Investmentfondsanteile wurden erneut gekauft, mit 3 Mrd € indes in geringerem Umfang als zuvor. Positive Beiträge kamen zusätzlich von der Kreditvergabe, die jedoch mit knapp 1 Mrd € insgesamt schwach ausfiel. Kreditnehmer waren in erster Linie ausländische nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften. In größerem Umfang zurückgeführt wurden hingegen Kredite an inländische Kapitalgesellschaften.

Die Außenfinanzierung fiel im Berichtsquartal mit 36 Mrd € deutlich geringer aus als im Vorquartal. Positive Beiträge kamen von der Finanzierung über Kredite (20 Mrd €), die insbesondere von ausländischen nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften gewährt wurden; die Kreditaufnahme bei inländischen MFI fiel mit 6 Mrd € dagegen deutlich verhaltener aus als im Vorquartal. Auch Handelskredite trugen wesentlich zur Entwicklung bei, per saldo wurden knapp 22 Mrd € aufgenommen. Zur marktbasierten Finanzierung trugen im Berichtsquartal vor allem Schuldverschreibungen positiv bei. Sie wurden netto im Umfang von gut 5 Mrd € emittiert, wobei neben inländischen Kapitalgesellschaften auch hier das Ausland einen Gutteil der Finanzierungsmittel bereitstellte. Die Finanzierung über Aktien fiel mit annähernd 2 Mrd € zwar etwas stärker aus als im Vorquartal, blieb aber insgesamt eher verhalten. Finanzderivate und Mitarbeiteraktienoptionen wurden hingegen per saldo in Höhe von gut 17 Mrd € zurückgeführt und leisteten somit einen deutlich negativen Finanzierungsbeitrag.

Diesen transaktionsbedingten Zunahmen des Geldvermögens und der Verbindlichkeiten stehen Bewertungsverluste gegenüber, die sowohl das Geldvermögen (-125 Mrd €) als auch die Verbindlichkeiten (-189 Mrd €) spürbar prägten. Unter Berücksichtigung dieser kräftigen Bewertungseffekte stieg das Nettogeldvermögen insgesamt betrachtet um knapp 111 Mrd € oder 6 %. Damit wurde im zweiten Quartal 2015 ein Wert von -1 656 Mrd € erreicht. Die Verschuldungsquote, definiert als Anteil der Summe von Schuldverschreibungen, Krediten und Pensionsrückstellungen am annualisierten nominalen Bruttoinlandsprodukt, lag Ende des zweiten Quartals bei 63,5 %. Da die Zunahme der Verschuldung im Berichtszeitraum ähnlich stark ausfiel wie das annualisierte Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, lag die Verschuldungsquote somit auf dem gleichen Niveau wie im Vorquartal.

Aufgrund zwischenzeitlich durchgeführter Revisionen der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung sind die Angaben dieser Pressenotiz nicht mit denen früherer Pressenotizen vergleichbar.

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Daten der Finanzierungsrechnung

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