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Pressenotiz 04.12.2015

Neue Bundesbank-Prognose: Deutscher Konjunkturaufschwung gewinnt zunehmend an Kraft

Die deutsche Wirtschaft folgt derzeit einem vor allem von der Binnennachfrage getragenen Wachstumspfad. "Treibende Faktoren sind hierbei die günstige Arbeitsmarktlage und die kräftigen Zuwächse der realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte", kommentierte Bundesbankpräsident Jens Weidmann die aktuelle halbjährliche Prognose seines Hauses. "Allerdings leidet das Auslandsgeschäft der Unternehmen unter der schwachen Nachfrage aus den Schwellenländern", so Weidmann. Den Einschätzungen seiner Ökonomen zufolge wirkt sich dies auch auf die gewerbliche Investitionstätigkeit aus. "Mit der erwarteten Erholung der Absatzmärkte außerhalb des Euro-Raums und dem sich noch etwas verstärkenden Wirtschaftswachstum im Euro-Raum sollte die gute Grundkonstitution der deutschen Wirtschaft in den nächsten beiden Jahren aber noch stärker zum Tragen kommen", zeigte sich der Bundesbankpräsident zuversichtlich. 

Gesamtwirtschaftliche Produktion

Unter diesen Bedingungen erwarten die Bundesbank-Volkswirte, dass die deutsche Wirtschaft – nach einer Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,7 % im laufenden Jahr – im kommenden Jahr um 1,8 % und im darauf folgenden Jahr um 1,7 % expandieren könnte. Kalendereffekte überdecken dabei die erwartete Verstärkung des Wachstums. In arbeitstäglich bereinigter Betrachtung ergäben sich demnach Zuwachsraten von 1,7 % im Jahr 2016 und 1,9 % im Jahr 2017, nach 1,5 % in diesem Jahr. Die erwartete Zunahme des BIP liegt damit deutlich über der Schätzung für die Potenzialwachstumsrate, die im Rahmen der Prognose für die beiden kommenden Jahre aufgrund der hohen Flüchtlingszuwanderung leicht auf 1,3 % pro Jahr angehoben wurde. Der Nutzungsgrad der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten dürfte daher den Bundesbank-Volkswirten zufolge spürbar steigen und die Normalauslastung zunehmend übertreffen. Dabei kommt es am Arbeitsmarkt trotz des durch die Zuwanderung vergrößerten Angebots verstärkt zu Engpässen und in der Folge zu höheren Lohnzuwächsen. Bei den Staatsfinanzen rechnen die Bundesbank-Volkswirte für das laufende Jahr mit einem nochmals höheren Überschuss. In den kommenden Jahren könnten die staatlichen Haushalte dann mehr oder weniger ausgeglichen sein. Steigende Ausgaben unter anderem wegen der Flüchtlingszuwanderung dürften hier die günstigen Konjunktureinflüsse und Entlastungen bei den Zinszahlungen deutlich überwiegen.

Preisentwicklung

Der Preisanstieg auf der Verbraucherstufe wird sich der Prognose zufolge verstärken, weil die Rohölnotierungen ihre inflationsdämpfende Wirkung nach und nach verlieren dürften. Damit sollte sichtbar werden, dass sich der binnenwirtschaftliche Kostenauftrieb verstärkt in den Preisen niederschlagen dürfte. Gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) könnte sich die Teuerungsrate nach der neuen Prognose von 0,2 % im laufenden Jahr auf 1,1 % im kommenden Jahr und 2,0 % im darauf folgenden Jahr erhöhen. Dabei sollten die Inflationsraten aufgrund des rohölpreisbedingten Basiseffekts in den nächsten Monaten besonders deutlich zunehmen. Ohne Energie gerechnet dürfte die Rate von 1,1 % im Jahr 2015 auf 2,0 % im Jahr 2017 steigen.

Risikobeurteilung

Im Vergleich zur Prognose vom Juni 2015 rechnen die Bundesbank-Volkswirte nunmehr für 2017 mit einem leicht höheren Wirtschaftswachstum und im gesamten Prognosezeitraum, insbesondere für 2016, mit einem niedrigeren Preisanstieg. Die Anpassung der Preisprojektion geht dabei zu einem großen Teil auf den im Juni nicht erwarteten neuerlichen Rückgang der Rohölpreise zurück. Auch für den Prognosezeitraum kann der Preisverlauf auf dem Rohölmarkt in beide Richtungen von den hier zugrunde liegenden Annahmen abweichen. Risiken für das Wirtschaftswachstum bestehen, falls sich die gegenwärtige Schwäche in einigen Schwellenländern verstärken sollte, allerdings wird die Entwicklung des Welthandels inzwischen eher vorsichtig eingestuft, sodass auch ein günstigerer Verlauf möglich erscheint. "Hohe Unsicherheit herrscht zudem über die Höhe der zu erwartenden Flüchtlingszuwanderung und ihre gesamtwirtschaftlichen und fiskalischen Auswirkungen", sagte Bundesbankpräsident Weidmann. "Abweichungen von dem in der Prognose unterstellten Szenario beträfen vor allem die Staatshaushalte, den privaten Konsum, die Wohnungsbauinvestitionen und auch den Arbeitsmarkt", erklärte er.

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