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Pressenotiz 09.12.2016

Bundesbank-Prognose: Deutsche Wirtschaft weiter im Aufwind

Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiterhin in einem soliden Aufschwung. "Hauptstütze ist die lebhafte Binnennachfrage, die von der günstigen Arbeitsmarktlage und von steigenden Einkommen der privaten Haushalte profitiert", erläuterte Bundesbankpräsident Jens Weidmann die neue halbjährliche Konjunkturprognose seiner Institution. In den kommenden Jahren werden sich die sehr vorteilhaften Rahmenbedingungen für den privaten Konsum allerdings etwas weniger günstig entwickeln. Weidmann verwies diesbezüglich darauf, dass die Beschäftigung demografisch bedingt weniger dynamisch zulegen werde, also weniger Menschen zusätzlich für eine Erwerbstätigkeit bereitstünden, was dämpfend auf den Konsumzuwachs wirke. "Zudem schmälern steigende Energiepreise die Kaufkraft der Verbraucher", so Weidmann. Die Auslandsgeschäfte, die im kommenden Jahr noch unter dem verhaltenen Wachstum des Welthandels leiden, dürften sich dem Bundesbankpräsidenten zufolge zwar im Einklang mit den Absatzmärkten der deutschen Exporteure langsam verstärken, "aber dies wird voraussichtlich keinen vollständigen Ausgleich für die weniger schwungvolle Binnenkonjunktur bieten".

Gesamtwirtschaftliche Produktion

Vor diesem Hintergrund erwarten die Volkswirte der Bundesbank für das laufende und das kommende Jahr ein kalenderbereinigtes Wirtschaftswachstum um jeweils 1,8%. 2018 und 2019 wird die deutsche Wirtschaft dann mit 1,6% beziehungsweise 1,5% etwas weniger stark zulegen. Das Expansionstempo übersteigt damit in allen Jahren spürbar die Wachstumsrate des Produktionspotenzials. Die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten dürften daher am Ende des Projektionszeitraums deutlich stärker als im langfristigen Mittel ausgelastet sein. Dies geht den Bundesbank-Experten zufolge mit zunehmenden Engpässen am Arbeitsmarkt einher, die noch durch die ungünstige demografische Entwicklung verstärkt werden und höhere Lohnsteigerungen zur Folge haben. Bei den Staatsfinanzen sind nach ihrer Einschätzung ohne neue expansive Maßnahmen auch perspektivisch Überschüsse angelegt, die aber etwas geringer als im Vorjahr ausfallen dürften. Dahinter steht eine expansive fiskalische Ausrichtung, die allerdings durch positive Konjunktureinflüsse und sinkende Zinslasten verdeckt wird. Die Schuldenquote dürfte kontinuierlich sinken und könnte im Jahr 2019 die Grenze von 60% erreichen.

Preisentwicklung

Die Teuerung auf der Verbraucherstufe sehen die Experten im Durchschnitt des laufenden Jahres vor allem angesichts der deutlich gesunkenen Energiepreise immer noch merklich gedämpft. Erst vom kommenden Jahr an dürfte der binnenwirtschaftliche Einfluss auf die Verbraucherpreise zunehmend sichtbar werden. Gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) könnte sich die Preissteigerungsrate demnach von 0,3% im laufenden auf 1,4% im kommenden Jahr erhöhen. Ohne Energie gerechnet dürfte die Rate von 1,1% auf 1,4% steigen. Aufgrund des dann erwarteten stärkeren Anstiegs der Arbeitskosten könnte sich die Teuerung sowohl insgesamt als auch ohne Energie im Jahr 2018 auf 1,7% und im Jahr 2019 auf 1,9% verstärken.

Risikobeurteilung

Im Vergleich zur Projektion vom Juni 2016 wird jetzt für 2017 ein leicht höheres und für 2018 ein geringfügig niedrigeres Wirtschaftswachstum erwartet. Im Hinblick auf den Preisanstieg ergeben sich insgesamt wenige Änderungen. "Die Risiken für das erwartete Wirtschaftswachstum erscheinen insgesamt ausgeglichen", kommentierte Bundesbankpräsident Weidmann die Zahlen seiner Volkswirte. Die Verbraucherpreise könnten jedoch vor allem 2017 stärker steigen als von den Bundesbank-Experten projiziert, da sich Rohöl nach Festlegung der Prognose-Annahmen deutlich verteuert hat. In den folgenden Jahren erscheinen die Risiken für die Preisprognose weitgehend ausgeglichen.

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