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Pressenotiz 14.03.2017

Die deutsche Zahlungsbilanz im Januar 2017

Leistungsbilanzüberschuss kräftig gesunken

Die deutsche Leistungsbilanz verzeichnete im Januar 2017 einen Überschuss von 12,8 Mrd €. Das Ergebnis lag um 11,9 Mrd € unter dem Niveau des Vormonats. Dazu hat im Wesentlichen die Verschlechterung des Saldos im Bereich der "unsichtbaren" Leistungstransaktionen, die Dienstleistungen sowie Primär- und Sekundäreinkommen umfassen, beigetragen. Hinzu kam ein Rückgang des Aktivsaldos im Warenhandel.

Der Überschuss im Warenhandel sank im Vormonatsvergleich um 2,0 Mrd € auf 15,2 Mrd € im Januar. Dabei nahmen die Warenimporte stärker zu als die Warenexporte.

Bei den "unsichtbaren" Leistungstransaktionen wurde im Januar ein Passivsaldo von 2,3 Mrd € verzeichnet, nach einem Überschuss von 7,6 Mrd € im Vormonat. Dahinter standen Saldenverschlechterungen in allen drei Teilbilanzen. Die größte Rolle für den Umschwung spielte der Rückgang der Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen um 4,6 Mrd € auf 5,8 Mrd €. Maßgeblich dafür war eine Normalisierung der sonstigen Einkünfte, nachdem im Dezember – wie zum Jahresende üblich – der Großteil der Agrar-Subventionen im Rahmen des EU-Haushalts ausgezahlt worden war. Das Defizit bei den Sekundäreinkommen weitete sich um 2,8 Mrd € auf 6,8 Mrd € aus. Die Dienstleistungsbilanz wies, nach einem Aktivsaldo von 1,2 Mrd € im Dezember, einen Negativsaldo von 1,3 Mrd € auf. Das hing damit zusammen, dass der Rückgang der Einnahmen, vor allem aus EDV-Dienstleistungen, sonstigen unternehmensbezogenen Diensten und Gebühren für die Nutzung geistigen Eigentums, im Ergebnis stärker war als bei den Ausgaben, die sich insbesondere in den genannten Bereichen vermindert hatten. Zudem stiegen die Nettoausgaben im Reiseverkehr.

Mittelabflüsse im Wertpapierverkehr

Das Geschehen an den internationalen Finanzmärkten wurde im Januar vor allem von einem sich abzeichnenden harten Brexit, dem Präsidentenwechsel in den Vereinigten Staaten sowie der zunehmenden Erwartung steigender US-Zinsen geprägt. Vor diesem Hintergrund kam es im grenzüberschreitenden Wertpapierverkehr Deutschlands zu Netto-Kapitalexporten in Höhe von 7,6 Mrd € (nach 22,4 Mrd € im Dezember). Ausschlaggebend dafür war der Kauf ausländischer Wertpapiere durch hiesige Anleger (11,4 Mrd €, nach Verkäufen von 5,3 Mrd € im Monat zuvor). Dabei fragten sie insbesondere Investmentzertifikate (8,5 Mrd €) nach. Daneben erwarben sie Anleihen (1,4 Mrd €) und Aktien (1,2 Mrd €) im Ausland. Auch ausländische Wertpapierinvestoren weiteten ihr Engagement in Deutschland wieder aus (3,7 Mrd €), nachdem sie dieses noch im Monat zuvor stark zurückgeführt hatten (27,7 Mrd €). In ihren Fokus rückten dabei – in erster Linie private – Anleihen (9,0 Mrd €), während sie sich von Geldmarktpapieren (5,4 Mrd €) trennten.

Auch im Bereich der Direktinvestitionen ergaben sich im Januar Netto-Kapitalexporte, und zwar in Höhe von 13,3 Mrd €. Ausschlaggebend war das Neuengagement hiesiger Firmen jenseits der Landesgrenzen (15,7 Mrd €). Einerseits vergaben sie für 9,3 Mrd € konzerninterne Kredite. Dabei kam den finanziellen Krediten von inländischen Muttergesellschaften an ihre Töchter im Ausland wie auch den grenzüberschreitenden Krediten unter Schwestergesellschaften eine größere Bedeutung zu. Zudem stockten sie ihr Beteiligungskapital im Ausland auf (6,4 Mrd €). Ausländische Firmen führten ihren verbundenen Unternehmen in Deutschland ebenfalls Kapital zu (2,4 Mrd €). Dabei vergaben insbesondere Niederlassungen im Ausland Kredite an ihre Muttergesellschaften im Inland, während über Handelskredite Gelder ins Ausland abflossen.

Im übrigen statistisch erfassten Kapitalverkehr, der sowohl Finanz- und Handelskredite (soweit diese nicht zu den Direktinvestitionen zählen) als auch Bankguthaben und sonstige Anlagen umfasst, waren im Januar vergleichsweise niedrige Netto-Kapitalimporte (1,3 Mrd €) zu verzeichnen. Dabei entfielen auf die Nichtbanken per saldo Kapitalzuflüsse im Umfang von 4,0 Mrd €, da bei öffentlichen Stellen mehr Gelder aus dem Ausland aufkamen (5,1 Mrd €), als bei Unternehmen und Privatpersonen im gleichen Zeitraum abflossen (1,1 Mrd €). Die grenzüberschreitenden Geschäfte des Bankensystems waren hingegen von Netto-Kapitalexporten geprägt (2,7 Mrd €). Diese waren auf die Mittelabflüsse bei der Bundesbank zurückzuführen (56,2 Mrd €). Dahinter stand vor allem ein Anstieg der Forderungsposition im Rahmen des Großbetragszahlungsverkehrssystems TARGET2 (41,4 Mrd €). Weitere Kapitalexporte ergaben sich, weil ausländische Zentralbanken ihre Einlagen bei der Bundesbank reduzierten (13,5 Mrd €). Im Gegensatz dazu führten die Transaktionen der Kreditinstitute per saldo zu Mittelzuflüssen (53,5 Mrd €). Dafür waren in erster Linie steigende Einlagen ausländischer Geschäftspartner verantwortlich. Sowohl der Anstieg des TARGET2-Saldos als auch die Zunahme der Einlagen bei deutschen Banken dürfte im Zusammenhang mit den Wertpapierkäufen des Eurosystems stehen, da diese erfahrungsgemäß häufig mit ausländischen Geschäftspartnern getätigt werden, die über die Bundesbank an TARGET2 angeschlossen sind.
Die Währungsreserven der Bundesbank fielen im Januar – zu Transaktionswerten gerechnet – gegenüber dem Vormonat leicht (0,1 Mrd €).

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