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Pressenotiz 11.12.2017

Die deutsche Zahlungsbilanz im Oktober 2017

Leistungsbilanzüberschuss gesunken

Die deutsche Leistungsbilanz verzeichnete im Oktober 2017 einen Überschuss von 18,1 Mrd €. Das Ergebnis lag um 7,7 Mrd € unter dem Niveau des Vormonats. Ursächlich dafür waren Verschlechterungen sowohl des Aktivsaldos im Warenhandel als auch des Saldos im Bereich der "unsichtbaren" Leistungstransaktionen, die Dienstleistungen sowie Primär- und Sekundäreinkommen umfassen.

Der Überschuss im Warenhandel verminderte sich im Vormonatsvergleich um 5,3 Mrd € auf 20,4 Mrd € im Oktober. Dabei nahmen die Warenexporte ab, während die Warenimporte zulegten.

Die "unsichtbaren" Leistungstransaktionen wiesen im Oktober ein Defizit von 2,3 Mrd € auf, nachdem sich Einkünfte und Ausgaben im Vormonat praktisch ausgeglichen hatten (Saldo: 0,1 Mrd €). Hinter der Verschlechterung stand zum einen ein Anstieg des Passivsaldos in der Dienstleistungsbilanz um 1,1 Mrd € auf 3,6 Mrd €. Dazu trugen sowohl geringere Einkünfte als auch höhere Ausgaben bei. Auf der Einnahmenseite stiegen zwar vor allem die Einkünfte aus der Nutzung geistigen Eigentums, dies wurde jedoch insbesondere durch rückläufige Einnahmen aus EDV-Diensten und sonstigen unternehmensbezogenen Dienstleistungen überkompensiert. Auf der Ausgabenseite erhöhten sich vor allem die Reiseverkehrszahlungen an Gebietsfremde. Hinzu kam eine Vergrößerung des Defizits bei den Sekundäreinkommen um 1,1 Mrd € auf 4,2 Mrd €. Dabei spielten insbesondere geringere Einnahmen des Staates aus laufenden Steuern Gebietsfremder auf Einkommen und Vermögen sowie höhere staatliche Ausgaben für laufende Übertragungen im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit eine Rolle. Dagegen fiel nur wenig ins Gewicht, dass sich die Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen um 0,3 Mrd € auf 5,5 Mrd € verringerten. Dies stand vor allem mit geringeren Einkünften aus Dividendenzahlungen von Gebietsfremden in Verbindung.

Mittelabflüsse im Wertpapierverkehr

Die internationalen Finanzmärkte standen im Oktober unter dem Einfluss optimistischer Konjunkturaussichten und einer rückläufigen Risikoaversion. Vor diesem Hintergrund kam es im grenzüberschreitenden Wertpapierverkehr Deutschlands zu Netto-Kapitalexporten in Höhe von 30,1 Mrd € (September: 24,5 Mrd €). Ausländische Investoren trennten sich per saldo im Berichtsmonat von hiesigen Wertpapieren (23,5 Mrd €). Sie gaben vor allem langfristige Schuldverschreibungen (23,3 Mrd €) – insbesondere private Anleihen – und Geldmarktpapiere (4,0 Mrd €) ab. Dabei spielten auch umfangreiche Tilgungen eine wesentliche Rolle. Hingegen erwarben ausländische Investoren hiesige Aktien (2,8 Mrd €) und Investmentzertifikate (1,0 Mrd €). Deutsche Anleger kauften ausländische Wertpapiere für per saldo 6,6 Mrd €. Sie erwarben Investmentzertifikate (7,2 Mrd €) und Aktien (1,4 Mrd €), trennten sich jedoch von Geldmarktpapieren (1,6 Mrd €) und Anleihen (0,3 Mrd €).

Im Bereich der Direktinvestitionen kam es im Oktober zu Netto-Kapitalexporten in Höhe von 8,4 Mrd € (September: 2,9 Mrd €). Heimische Unternehmen führten verbundenen Unternehmen im Ausland per saldo Mittel in Höhe von 10,0 Mrd € zu. Dies erfolgte sowohl über eine Aufstockung des Beteiligungskapitals (6,1 Mrd €) – insbesondere durch reinvestierte Gewinne – als auch eine Ausweitung konzerninterner Kredite (3,9 Mrd €). Aus dem Ausland flossen gebietsansässigen Unternehmen per saldo Direktinvestitionsmittel in Höhe von 1,6 Mrd € zu. Hierbei bauten gebietsfremde Investoren ihr Beteiligungskapital an deutschen Unternehmen aus (2,0 Mrd €), und zwar überwiegend in Form von reinvestierten Gewinnen. Die konzerninterne Kreditvergabe aus dem Ausland nahm hingegen leicht ab (0,4 Mrd €).

Im übrigen statistisch erfassten Kapitalverkehr, der sowohl Finanz- und Handelskredite (soweit diese nicht zu den Direktinvestitionen zählen), Bankguthaben und sonstige Anlagen umfasst, kam es im Oktober zu Netto-Kapitalimporten (24,7 Mrd €). Ursächlich hierfür waren hohe Netto-Mittelzuflüsse im Bankensystem. Hierbei flossen sowohl der Bundesbank (14,3 Mrd €) als auch den monetären Finanzinstituten (11,4 Mrd €) Gelder aus dem Ausland zu. Im Ergebnis führten die über die Konten der Bundesbank laufenden Transaktionen zu einem Rückgang der TARGET2-Forderungen. Die grenzüberschreitenden Dispositionen der Nichtbanken resultierten dagegen per saldo in geringen Mittelabflüssen. Neben dem Staat (0,7 Mrd €) verbuchten auch Unternehmen und Privatpersonen (0,3 Mrd €) Netto-Kapitalexporte.

Die Währungsreserven der Bundesbank stiegen im Oktober – zu Transaktionswerten gerechnet – um 1,2 Mrd €.

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