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Pressenotiz 15.12.2017

Neue Bundesbank-Prognose: Deutsche Wirtschaft setzt starken Aufschwung fort

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem starken Aufschwung. Angetrieben durch eine lebhafte Nachfrage aus dem Ausland verzeichnet das Verarbeitende Gewerbe ein dynamisches Wachstum, während sich die kräftige Belebung der gewerblichen Investitionen fortsetzt. Der private Konsum und die Wohnungsbauinvestitionen profitieren zudem weiterhin von der hervorragenden Lage am Arbeitsmarkt. "Wir werden nicht nur im laufenden Winterhalbjahr ein anhaltend hohes konjunkturelles Grundtempo sehen, sondern auch im weiteren Verlauf des Jahres 2018 wird die deutsche Wirtschaft kräftig expandieren", kommentierte Bundesbankpräsident Jens Weidmann die neue halbjährliche Wirtschaftsprognose seiner Institution. Allerdings werde dieser breit angelegte, kräftige Aufschwung auch zunehmend reifer, weshalb das Expansionstempo mittelfristig nachgeben und sich dem Potenzialwachstum annähern dürfte. "Die weiteren Wachstumsmöglichkeiten werden vor allem durch die stark ausgelasteten Kapazitäten und insbesondere das knappe Arbeitsangebot begrenzt", erklärte Weidmann. Außerdem verlören die derzeit besonders lebhaften Exporte an Dynamik. 

Gesamtwirtschaftliche Produktion 

Vor diesem Hintergrund erwarten die Volkswirte der Bundesbank für das laufende und kommende Jahr ein starkes kalenderbereinigtes Wirtschaftswachstum von 2,6% beziehungsweise 2,5%. In den Jahren 2019 sowie 2020 wird es jedoch zu einer Wachstumsverlangsamung auf Raten von 1,7% beziehungsweise 1,5% kommen (in unbereinigter Betrachtung: 2017 2,3%, 2020 1,9%). Damit liegen die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) den Bundesbank-Volkswirten zufolge vor allem kurzfristig deutlich über denjenigen des Produktionspotenzials, und die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten könnten zügig ähnlich stark ausgelastet sein wie zum Hochpunkt des letzten Konjunk­turzyklus im Jahr 2007. Damit gehen zunehmende Engpässe am Arbeitsmarkt und spürbar steigende Lohnzuwächse einher. 

Preisentwicklung 

Die Inflationsrate, die gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) im Durchschnitt des laufenden Jahres wegen deutlich gestiegener Rohölnotierungen sowie Verknappungen bei Nahrungsmitteln erheblich auf 1,7% anzieht, dürfte bis zum Jahr 2019 ähnlich hoch bleiben und könnte 2020 auf 1,9% zunehmen. Dabei verdecken den Bundesbank-Fachleuten zufolge vor allem die annahmegemäß kaum noch weiter steigenden Energiepreise einen zunehmenden Preisdruck bei anderen Waren und Dienstleistungen, der hauptsächlich aus dem dynamischeren Lohnanstieg resultiert. Ohne Energie und Nahrungsmittel gerechnet dürfte sich die Preissteigerungsrate deshalb von 1,3% im laufenden Jahr auf 1,9% im Jahr 2019 ausweiten. Im Jahr 2020 ist laut Prognose ein Wert von 2,1% vorstellbar. 

Risikobeurteilung 

Die Staatsfinanzen entwickeln sich nach Einschätzung der Bundesbank-Fachleute mit der aktuellen finanzpolitischen Ausrichtung sehr günstig. Unterstützt durch die ausgesprochen gute Konjunktur und niedrige Zinsen würde der Finanzierungsüberschuss damit in den kommenden Jahren auf eine Größenordnung von 1 ½ % des BIP steigen. "Allerdings ist zu erwarten, dass nach Bildung einer neuen Bundesregierung zusätzliche Haushaltsbelastungen beschlossen werden und die Fiskalpolitik insoweit expansiver ausfällt", gab Bundesbankpräsident Weidmann zu bedenken. Dies sei ein wesentlicher Grund, weshalb das Wirtschaftswachstum, und in geringem Umfang auch der Preisanstieg, unter Umständen noch etwas stärker ausfallen könnten als jetzt prognostiziert, erklärte er.

Im Vergleich zur Projektion vom Juni 2017 haben die Bundesbank-Fachleute die Wachstumsprognose vor allem für die Jahre 2017 und 2018 deutlich hochgesetzt. Die Inflationsprognose wurde hauptsächlich wegen geänderter Aussichten für die Energiepreise für 2017 und 2018 etwas nach oben sowie für 2019 leicht nach unten angepasst.

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