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Prof. Brunnermeier: "Unterschiedliche Wirtschaftskulturen sind ein Kernproblem in Europa"

Bundesbank-IAW-Lecture in Tübingen

Bundesbank-IAW-Lecture 2017 [+]

Prof. Dr. Markus K. Brunnermeier von der Princeton University referierte bei der Bundesbank-IAW-Lecture zum Thema "The Euro and the Battle of Ideas". Er sprach über die seiner Ansicht nach sehr unterschiedlichen Wirtschaftskulturen in Europa und ging dabei vor allem auf Deutschland und Frankreich ein.

Nach der Begrüßung durch den Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Tübingen, Prof. Dr. Josef Schmid, leitete der Direktor des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung Prof. Dr. Wilhelm Kohler zur Thematik der Vorlesung über.

Die Veranstaltung fand bereits zum vierten Mal in der Alten Aula der Eberhard Karls Universität Tübingen statt. Die Bundesbank-IAW-Lecture on European Economic Integration wird von der deutschen Notenbank gemeinsam mit dem Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) ausgerichtet.

Staaten-Banken-Nexus aufbrechen

Brunnermeier sieht die unterschiedlichen Wirtschaftskulturen der Euroländer als ein Kernproblem des Euro an. Diese Differenzen gelte es zu überwinden, so Brunnermeier. In seinem Vortrag zeigte er insbesondere die Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich auf: Während das föderal geprägte Deutschland in der Fiskalpolitik auf starren Regeln bestehe, fordere das zentralistische Frankreich Stimulus-Programme und eine flexible Handhabung der Regeln, die den Regierungen Ermessensspielräume lasse. Wo Deutsche bereits Insolvenzprobleme konstatierten, die struktureller Reformen bedürften, würden Franzosen in vielen Fällen lediglich temporäre Liquiditätsprobleme ausmachen, die mit einer staatlichen Überbrückungsfinanzierung zu bewältigen seien.

Ein weiteres Problem in Europa ist aus Sicht Brunnermeiers die enge Verbindung zwischen Staaten und Banken. Als eine Option, den Staaten-Banken-Nexus aufzubrechen und das Problem grenzüberschreitender Kapitalabflüsse in Krisenzeiten zu adressieren, stellte er die Ausgabe von European Safe Bonds vor. Die Idee dabei: Ein privater oder öffentlicher Emittent bündelt Staatsanleihen aller Euro-Mitgliedsländer nach einem festen Schlüssel in einem Portfolio. Zur Finanzierung der Käufe werden zwei Arten verbriefter Wertpapiere emittiert, die jeweils durch bestimmte Tranchen des Portfolios gedeckt sind. Die European Safe Bonds stellen die Senior Tranche dar, die über ein geringeres Ausfallrisiko verfügen soll. Nach Brunnermeier stünde den Banken damit ein euroraumweites, ausfallsicheres und hochliquides Wertpapier zur Verfügung. Die Verbindung zum Ausfallrisiko des Herkunftsstaates werde damit gebrochen. Abschließend analysierte er die Rolle und die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank in der Krise.

Die mit rund 170 Zuhörerinnen und Zuhörern bis auf den letzten Platz besetzte Veranstaltung endete mit einem Schlusswort von Bundesbankvorstandsmitglied Joachim Wuermeling und anschließendem Empfang in der Alten Aula. Im nächsten Jahr soll das erfolgreiche Format fortgesetzt werden.

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