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Das Geheimnis der Alchemisten

Papiergeld – eine chinesische Innovation

1.000-Käsch-Schein der Ming-Dynastie [+] 1.000-Käsch-Schein der Ming-Dynastie Als der venezianische Händler Marco Polo im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts am Hofe des mongolischen Großkhans die Herstellung von Geld aus Papier beobachtete, kam ihm dies fast wie Magie vor: "In der Stadt Kambalu befindet sich die Münzanstalt des Großkhans, von dem man wirklich sagen kann, dass er das Geheimnis der Alchemisten kennt, da er die Kunst versteht, Geld zu machen." Geld, das in Europa wie auch in China traditionell aus begrenzt verfügbaren Metallen gefertigt wurde, bestand auf einmal aus nachwachsendem Rohstoff: Papier aus der Rinde des Maulbeerbaumes. Hier der Metallwert als Wertgarant, dort das mit Farbe aufgedruckte Zahlungsversprechen. Die natürliche Begrenzung der umlauffähigen metallenen Geldmenge wurde durch das beliebige Bedrucken von Papier scheinbar wie von Zauberhand außer Kraft gesetzt

Marco Polo erzählt in seinem Reisebericht vom chinesischen Reich, das seit 1260 unter mongolischer Herrschaft steht, die besser als Yuan-Dynastie bekannt ist. Doch ist der mongolische Herrscher Kubilai Khan weder der Erfinder des Papiergeldes, noch ist das Papiergeld am Hofe des Mongolen ein alchemistisches Wunder, denn es hat in den chinesischen Reichen zu diesem Zeitpunkt bereits eine dreieinhalb Jahrhunderte alte Geschichte. Seine Anfänge liegen nach gängiger Erkenntnis um das Jahr 1024, als die Idee des "Fliegenden Geldes" – Quittungen für hinterlegtes Metallgeld – von staatlicher Seite aufgegriffen und transformiert wurde. Quittungen waren von nun an nicht mehr personengebunden und wurden zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Die Überlieferung dieser ersten Geldscheine ist aufgrund der Vergänglichkeit von Papier sehr schlecht.

Kaiser T’ai Tsu (1368-1398) [+] Kaiser T’ai Tsu (1368-1398) Die ersten sicher erhaltenen Scheine stammen aus einem Fund, der während des Boxeraufstandes (1899–1901) gemacht wurde. Unter dem Sockel einer umgestürzten Buddhastatue fanden Soldaten mehrere 1-Kuan-Scheine aus der Zeit der Ming-Dynastie. Die großen fragilen Geldscheine zeigen neben ornamentaler Verzierung zahlreiche Legitimationssprüche und -stempel.

Der Legitimationssatz unseres Scheines gibt seine Herkunft preis: Da Ming tongxing baochao ("umlaufende Note der Großen Ming [-Dynastie]") steht als oberster Schriftzug auf der Note. Es handelt sich hier also nicht um Scheine der Yuan-Dynastie, die Marco Polo beschrieben hat, sondern um ein Exemplar aus der nachfolgenden Dynastie.

Die Stabilität der Yuan-Dynastie wurde in der Mitte des 14. Jahrhunderts zunehmend durch chinesische Rebellen unterschiedlichster Gruppierungen bedroht. Der ehemaligen Mönch Zhū Yuánzhāng stürzte als Anführer einer Splittergruppe der Roten Turbane die mongolische Dynastie, festigte seine Macht und gründete die Ming-Dynastie im Jahre 1368. Als Kaiser nannte er sich T’ai Tsu, seine Regierung stand unter der Losung "Hong-Wu" – Epoche des ungeheuren Krieges. Die Ordnung des Geldwesens wurde von ihm unverändert fortgeführt, so dass er im Jahr 1375 Papiergeldnoten im Stil der Yuan-Dynastie ausgab.

10 Käsch Münze von Zhū Yuánzhāng als Prinz Hong Wu, 1361-1368 [+] 10 Käsch Münze von Zhū Yuánzhāng als Prinz Hong Wu, 1361-1368 Das Papiergeld Kubilai Khan’s galt als stabile Währung, doch das exzessive Herstellen von Papiergeld seiner Nachfolger hatte inflationäre Auswirkungen. Dem neuen Ming-Kaiser T’ai Tsu gelang es nicht, Ordnung in das Geldwesen zu bringen. Um die Annahme von Papiergeld zu erzwingen, wurde versucht, die weitaus beliebteren Silber-Tael- und Kupfer-Käsch-Münzen zu untersagen; mit geringem Erfolg.



300-Käsch-Schein der Ming-Dynastie [+] 300-Käsch-Schein der Ming-Dynastie Der Wert der Scheine ist mehrfach angegeben: der Schriftzug über dem Bildfeld benennt unseren Schein als 1 Kuan. Dieser Wert ist auch bildlich dargestellt: zehn Münz-Schnüre, nicht mit zehn, sondern mit je neun Münzen. Es ist bekannt, dass 1375 ein Kuan-Schein 1000 Käschmünzen wert war, 1398 entsprach 1 Kuan jedoch nur noch 71 Münzen. Auch beim ersten Staatspapiergeld von 1024 gab es einen Wechselkurs zwischen Papier und Münze: der Wert eines Papier-Kuans entsprach dem Wert von 770 Münzen. Ob dieser Wertverfall in der Abbildung berücksichtig wurde, ist nicht abschließend zu sagen. Weitere Ming-Scheine gab es zu 100, 200, 300, 400 und 500 Käsch.






China
Ming-Dynastie (1368–1644)
1 Kuan, nach 1375
Emittent: Kaiser T’ai Tsu
Maße: 34,2 x 22,3 cm
Papier: Maulbeerbaumrindenfasern
Druck: Buchdruck
Zahlungsversprechen: "Für den Umlauf gültiges Papiergeld der großen Ming-Dynastie befohlen, das in gleicher Weise wie das Kupfergeld für den Umlauf gültig ist."
Straftext: "Wer falsches Geld herstellt, wird mit dem Tode bestraft. Wer Fälscher anzeigt oder den Behörden überliefert, erhält 250 Taels Silber als Belohnung und außerdem das Vermögen des Verbrechers."

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