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Löwenwaage

Nürnberger Löwenwaage aus dem Jahr 1821 [+] Nürnberger Löwenwaage 1821 Das Wiegen von Münzen zählt heutzutage nicht mehr zu der Alltagspraxis ganzer Berufsstände. Einigen ist es noch geläufig, wenn nämlich die korrekte Anzahl von Stücken in Münzrollen durch Wiegen und nicht durch Abzählen festgestellt wird; für das Wiegen von Einzelmünzen aus dem Geldumlauf besteht dagegen keine Notwendigkeit (mehr). In der Vergangenheit sah dies anders aus.

Von der Antike bis in das 19. Jahrhundert hinein war es nicht selten nötig, Edelmetallmünzen – in erster Linie natürlich aus Gold – zu wiegen, da das in einer Münze enthaltene Edelmetall maßgeblich den Kaufwert einer Münze mitbestimmte. Die Ausgestaltung der zu diesem Zweck verwendeten Waagen und Gewichten reicht von schmuckloser Funktionalität bis hin zu sehr aufwendig verarbeiteten Exemplaren wie dieser großen Nürnberger Löwenwaage aus dem Jahr 1821.

Das Wiegen von Metall – in Münzform erst ab der Mitte des siebten Jahrhunderts v. Chr. – läßt sich zurückverfolgen bis in das Mesopotamien des dritten Jahrtausends v. Chr.

Bewertungstabelle ausländischer Goldmünzen [+] Bewertungstabelle ausländischer Goldmünzen Nach der Gewichtsprüfung galt es, die Metallqualität der Münze festzustellen. Die Feingehaltsermittlung war wesentlich umständlicher durchzuführen als die Gewichtsprüfung, jedoch notwendig, um die Güte einer Münze abschließend beurteilen zu können. Lagen beide Daten vor, war die Prüfung einer inländischen Münze abgeschlossen. Bei ausländischen bedurfte es noch eines weiteren Schrittes: Anhand ständig aktualisierter Verzeichnisse – vergleichbar den heutigen Kursnotierungen fremdländischer Sorten – mußte der Wert der ausländischen Münze in einheimische Währung umgerechnet werden; erst dann war auch dieses Stück bei einer Geschäftstransaktion verwendbar.

Bei Gewichtsverlust durch Beschädigung oder durch Abnutzung im Umlauf waren der Wert und damit die Kaufkraft der Münze herabzusetzen; die Differenz zu dem vollen Wert einer Münze war dann bei einem Zahlungsvorgang in Kleinmünzen auszugleichen.

Innenansicht des Waagenkastens [+] Innenansicht des Waagenkastens Die vorgestellte Nürnberger Löwenwaage ist eines der jüngsten Beispiele dieses seit dem 16. Jahrhundert hergestellten Waagentyps. Die Besonderheit bei dieser aufwendig und sorgfältig gestalteten Waage liegt in der angewandten Technik: Die an einem Balken aufgehängten Waagschalen lassen sich bis auf den Waagenkasten absenken, so daß sich die Waage bei ihrer Bestückung mit der zu wiegenden Münze auf der einen und dem entsprechenden Gewichtsstück auf der anderen in absoluter Ruhestellung befindet. Durch Vorziehen des mit der Waagenmechanik über eine dünne Schnur verbundenen Bronzelöwens heben sich die Waagschalen erschütterungsfrei und langsam in die Höhe – eine schnelle und korrekte Ablesung ist gewährleistet. Waagen dieser Art wurden von denjenigen benutzt, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeiten häufig eine Vielzahl unterschiedlicher Münzsorten zu prüfen hatten. Entsprechend ist diese Waage auch mit 25 auf die Bedürfnisse der Benutzer abgestimmten Münzgewichten bestückt, darunter Dukat, französischer Louis d’or und britische Guinea.

Durch Auflegen kleiner Ausgleichsgewichte auf die Waagschale mit der zu prüfenden Münze konnte eine bestehende Differenz zwischen Ist- und Sollgewicht des Stückes schnell in ihrer genauen Höhe festgestellt werden.
Die Teile des zerlegbaren Aufbaus und der Löwe konnten im Waagenkasten verstaut werden, so daß einem mobilen Einsatz der Waage nichts im Wege stand.

Stadt Nürnberg
Löwenwaage, datiert 1821
Waage- und Gewichtmacher Sebastian Weidenhüller
In Biedermeierart polierter Kasten aus Kirschbaumholz
255 x 278 x 60 mm, Höhe über alles der montierten Waage 380 mm
24 Messinggewichte (von 25), Fach für Ausgleichsgewichte.

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