Navigation und Service

Deutsche Bundesbank (zur Startseite)

Das Netz der Notenbanken

Gastbeitrag von Carl-Ludwig Thiele im Handelsblatt vom 07.02.2017

Carl-Ludwig Thiele [+] Carl-Ludwig Thiele

Ende Januar 2017 haben die TARGET2-Forderungen der Deutschen Bundesbank mit 796 Mrd. Euro einen neuen Höchststand erreicht. TARGET2 ist das zentrale Zahlungssystem des Eurosystems. Die TARGET2-Salden (T2-Salden) spiegeln den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr wider. Fließt beispielsweise innerhalb eines Tages mehr Geld von spanischen Banken über TARGET2 an Banken, die über die Bundesbank an TARGET2 (T2) angebunden sind, entsteht im Ergebnis eine Forderung der Bundesbank gegen die EZB. Entsprechend resultiert daraus für die spanische Notenbank eine entsprechende Verbindlichkeit gegenüber der EZB.

Die T2-Salden werden von allen Transaktionen, die Kreditinstitute im eigenen oder fremden Namen tätigen, beeinflusst. In jüngerer Zeit haben sich zudem die Wertpapierankäufe des Eurosystems als bestimmender Faktor erwiesen.

Während der Finanz- und Staatsschuldenkrise war, besonders 2012, ein starker Anstieg der T2-Salden festzustellen. Dies löste eine Diskussion über die möglichen Risiken aus. Risiken aus den T2-Salden können sich materialisieren, wenn ein Land die Währungsunion verlassen sollte. Ursächlich für den starken Anstieg der Salden waren Ungleichgewichte der Zahlungsströme zwischen den Ländern. Deshalb wurden sie oft als Krisenindikator interpretiert. Nach der Ankündigung von Mario Draghi ("Whatever it takes") im Juli 2012 beruhigte sich die Lage teilweise, und die T2-Salden gingen zunächst zurück.

Seit Anfang 2015 ist ein erneuter Anstieg, teilweise auf Rekordstände, festzustellen. Für Ende Januar meldet auch die Bundesbank einen neuen Höchststand. Am Monatsende lagen die deutschen TARGET2-Forderungen mit 796 Mrd. Euro deutlich über dem Spitzenwert von 751 Mrd. Euro, der im August 2012 erreicht wurde.

Der Grund für den neuerlichen Anstieg liegt auch in der Wahl der geldpolitischen Instrumente. Die Ankaufprogramme des Eurosystems führen zu einem Wiederanstieg der T2-Salden. Insbesondere ist dies seit Beginn des Ankaufprogramms von Staatsanleihen und anderen öffentlichen Anleihen (PSPP) im März 2015 festzustellen. Im Rahmen der Ankaufprogramme wurden bis Ende Januar 2017 Anleihen im Wert von 1.600 Mrd. Euro erworben. Bis Jahresende werden noch weitere 700 Mrd. Euro hinzukommen.

Der Unterschied zwischen Ankaufprogrammen und konventionellen geldpolitischen Instrumenten liegt in der Abwicklung. Bei Offenmarktgeschäften zwischen nationaler Zentralbank und Geschäftsbank erfolgt die Gutschrift der bereitgestellten Liquidität auf Konten im Land der jeweiligen nationalen Zentralbank. Im Gegensatz dazu erfolgt die Abwicklung der Wertpapierankäufe auch grenzüberschreitend. Beispielsweise kann die Zentralbank in Spanien spanische Wertpapiere auch von Marktteilnehmern außerhalb Spaniens ankaufen.

Wie sich der Ankauf auf die T2-Salden auswirkt, hängt davon ab, in welchem Land der Verkäufer sein Konto führt und ob die ankaufende Zentralbank TARGET2-Forderungen oder -Verbindlichkeiten aufweist. Insgesamt ergibt sich der direkte Effekt der Ankäufe auf den T2-Saldo eines Landes als Differenz zwischen den Käufen der jeweiligen Notenbank bei Banken mit TARGET2-Anbindung im Ausland und den Verkäufen inländischer Banken an andere Zentralbanken des Eurosystems.

Grundsätzlich wäre ein Ausgleich der Zahlungsströme denkbar. Jedoch findet ein Großteil der Gutschriften in wenigen Ländern statt und führt zu einem Anstieg der T2-Salden. Die Ankäufe der Bundesbank beispielsweise machen weniger als ein Viertel aus, jedoch erfolgen rund 60 Prozent aller Ankäufe des Eurosystems von Kreditinstituten, die ihr TARGET2-Konto bei der Bundesbank führen. Dabei handelt es sich vor allem um internationale Banken am Finanzplatz London.

Derzeit spiegelt der Anstieg der T2-Salden also auch die grenzüberschreitenden Wertpapierankäufe wider und ist nicht zwingend ein Indikator für aktuell zunehmende Probleme im Finanzsystem. Der Anstieg könnte technisch als Ergebnis der grenzüberschreitenden Wirkung der Ankaufprogramme gedeutet werden. Allerdings erfolgt auch keine Gegenbewegung über Zweitrundeneffekte. Der überwiegende Anteil der Überschussliquidität bleibt auf die größten Gläubiger im TARGET-System, also z. B. Deutschland konzentriert.

Unter Annahme einer unveränderten Struktur der Ankäufe ist ein weiterer Anstieg der T2-Salden wahrscheinlich.

Zusatzinformationen

Pressekontakt

Logo der Deutschen Bundesbank

Adresse

Deutsche Bundesbank
Wilhelm-Epstein-Straße 14
60431 Frankfurt am Main

Kontakt

Pressestelle

069 9566-3511

069 9566-3077

presse@bundesbank.de