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Preisstabilität

Seit mehr als zehn Jahren bezahlen wir in Deutschland mit dem Euro. Doch nicht nur bei uns, sondern auch in anderen  Ländern Europas ist die gemeinsame Währung das gesetzliche Zahlungsmittel.

Früher war für die Währung jedes Landes die eigene Zentralbank zuständig. Für den Euro tragen die Zentralbanken der Euro-Länder und die Europäische Zentralbank gemeinsam die Verantwortung. Dieses System der Euro-Zentralbanken heißt Eurosystem. Die deutsche Zentralbank – die Deutsche Bundesbank – ist Mitglied des Eurosystems.

Das wichtigste Ziel des Eurosystems ist es. Für Preisstabilität zu sorgen. Dabei geht es nicht um einzelne Preise, sondern um den Durchschnitt aller Preise: das Preisniveau.

Um es zu berechnen, werden bestimmte Waren und Dienstleistungen ausgewählt, die für das Leben der Menschen im Alltag von Belang sind. Statistiker ermitteln jeden Monat die Preise der Güter in diesem Warenkorb und berechnen daraus den Durchschnitt. So lässt sich die Entwicklung des Preisniveaus bestimmen. Ziel des Eurosystems ist es, den jährlichen Anstieg des Preisniveaus mittelfristig knapp unter 2 Prozent zu halten. Nur wenn das Preisniveau über einen längeren Zeitraum deutlich stärker steigt, spricht man von Inflation, sinkt es, spricht man von Deflation.

Doch warum ist Preisstabilität so wichtig? Preisstabilität ist wichtig, damit die Kaufkraft des Geldes erhalten bleibt. Bei Inflation sinkt der Geldwert, die Kaufkraft des Geldes nimmt ab. Ein Beispiel: Ein Paar Schuhe kosten heute 100 Euro. Bei einer Inflationsrate von 5 Prozent muss man dafür in einem Jahr 105 Euro bezahlen, in 5 Jahren schon rund 128 Euro. Je höher die Inflationsrate, desto dramatischer sind diese Folgen.

Empfänger von Gehältern, Renten und Sozialleistungen sind besonders betroffen. Denn diese Einkommen bleiben auch bei Inflation zunächst einmal gleich. Das führt dazu, dass sich die Menschen von ihrem Geld wegen steigender Preise immer weniger leisten können.

Hohe Inflation ist auch nachteilig für Sparer. Ihre Geldanlagen verlieren zusehends an Kaufkraft. Das betrifft zum Beispiel die Altersvorsorge: Ein über viele Jahre angespartes Geldvermögen reicht dann unter Umständen nicht mehr aus, um den Lebensunterhalt zu sichern.

Aber nicht nur Inflation, sondern auch Deflation schadet der Wirtschaft: Zwar können sich die Menschen bei durchschnittlich sinkenden Preisen mehr kaufen, aber ein allgemeiner Preisrückgang hat auch negative Auswirkungen. Die Unternehmen machen weniger Gewinn, mitunter sogar Verlust – manche müssen deshalb sogar Mitarbeiter entlassen. Diese können sich dann weniger leisten und der Druck auf die Preise nimmt weiter zu. Zudem verschieben die Menschen Kaufentscheidungen, weil sie hoffen, dass die Preise noch weiter sinken. Eine gefährliche Abwärtsspirale entsteht: Gewinne und Steuereinnahmen schrumpfen, die Belastungen durch Schulden und hohe Ausgaben für Sozialleistungen nehmen zu, und es wird weniger investiert.

Auch für die Planungen der Unternehmen ist Preisstabilität wichtig: Nur so können sie Preisschwankungen einzelner Güter klar erkennen, um Angebot und Nachfrage genau abzuschätzen und Produktion und Investitionen entsprechend auszugestalten.

Was also tut das Eurosystem, um die Preise stabil zu halten? Mit seinen geldpolitischen Instrumenten  kann es die Höhe der Zinsen im Euroraum beeinflussen. Im Falle einer Inflationsgefahr wird es die Zinsen erhöhen. Dadurch werden weniger Kredite aufgenommen, es kommt weniger Geld in Umlauf und es werden weniger Güter nachgefragt. Die Unternehmen bleiben zum Teil auf ihren Waren sitzen und können die Unternehmen ihre Preise kaum noch erhöhen. Manche senken ihre Preise sogar. So kann eine Anhebung der Zinsen die Inflation bekämpfen, bis wieder Preisstabilität herrscht.

Im Falle einer Deflationsgefahr wird das Eurosystem die Zinsen senken. Dadurch werden mehr Kredite aufgenommen, es kommt mehr Geld in Umlauf und es werden mehr Güter nachgefragt. Der Abwärtsdruck auf die Preise lässt damit im Laufe der Zeit nach und die Unternehmen können wieder höhere Preise erzielen. Eine Zinssenkung kann also dazu beitragen, dass die Deflation bekämpft wird. So stellt sich wieder Preisstabilität ein.

Seit Einführung des Euro im Jahre 1999 betrug die Inflationsrate durchschnittlich 2%. Die Geldpolitik des Eurosystems hat so in den vergangenen Jahren ihr Ziel erreicht.

Auch langfristig wird die Sicherung stabiler Preise die wichtigste Aufgabe des Eurosystems bleiben – für eine funktionierende Marktwirtschaft, nachhaltiges Wachstum, Beschäftigung und gesellschaftlichen Wohlstand. Und das überall, wo die Menschen mit dem Euro bezahlen.

Zusatzinformationen

Lehrmaterial und Online-Spiele der EZB

Startbild des Online-Spiels €conomia der Europäischen Zentralbank

Die Europäische Zentralbank bietet auf ihren Seiten eine Vielzahl von Lehrmaterialien und geldpolitischen Simulationsspielen.

Zu den Materialien und Online-Spielen