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Kaufkraftvergleiche historischer Geldbeträge

Allgemeine Erläuterungen

Um aktuelle Vergleichswerte für historische Geldbeträge zu ermitteln, sind Kaufkraftberechnungen notwendig. Sie beantworten die Frage nach dem heutigen Wert der Waren und Dienstleistungen, die damals für einen bestimmten Geldbetrag erhältlich waren. Während der heutige Vergleichswert in Euro interessiert, sind die historischen Geldbeträge nicht selten in anderen Währungen notiert, die früher in Deutschland verwendet wurden. Je nach Währung sind dabei unterschiedliche Rechenansätze zu verwenden und verschiedene Problemlagen zu berücksichtigen.

Vor der Einführung der Mark (M) zum 1. Januar 1876 spielten vor allem der preußische Taler und der süddeutsche Gulden (fl) eine herausragende Rolle. Zum 11. Oktober 1924 erfolgte die Einführung der Reichsmark (RM), die am 21. Juni 1948 von der D-Mark (DM) abgelöst wurde. Die Einführung des Euro (€) erfolgte zum 1. Januar 1999 als Buch- und zum 1. Januar 2002 als Bargeld.

Vom Taler und Gulden bis zum Euro

Mit der Ausnahme von Bremen bestand zur Zeit des Deutschen Bundes (gegründet 1815) praktisch in allen der nahezu 40 dem Bund zugehörigen Staaten eine Silberwährung. Insbesondere mit dem Dresdner Münzvertrag von 1838 sowie dem Wiener Münzvertrag von 1857 etablierten sich in Deutschland der preußische Taler mit einem Silberfeingehalt von 16,7 g und der süddeutsche Gulden mit einem Feinsilbergehalt von 9,5 g.

Aufgrund des Münzgesetzes vom 9. Juli 1873 galt für den preußischen Taler ein Tauschkurs zur Mark von 1 Taler = 3 M und für den süddeutschen Gulden 1 fl = 12/7 M. Im Jahr 1924 wurde die Mark durch die Einführung der Reichsmark als offizielle Währung abgelöst. Der in den Währungsgesetzen vom 30. August 1924 festgelegte Tauschkurs der Mark zur Reichsmark betrug 1 RM = 1 Billion M.

Die Goldmark nimmt insofern eine Sonderstellung ein, als sie weder eine gesetzliche Währungseinheit noch ein gesetzliches Zahlungsmittel war, sondern eine Kurzbezeichnung für den Geldwert (Preis) einer bestimmten Menge von Feingold, zahlbar in Geldzeichen der jeweiligen offiziellen Währung; von 1876 bis 1924 der Mark und von 1924 bis 1948 der Reichsmark. Im Allgemeinen entsprach eine Goldmark dem Preis von 1/2790 Kilogramm Feingold.

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges ergab sich aufgrund der damaligen gesetzlichen Münzparität aus dem Wertverhältnis von Gold zu Mark für eine Goldmark ein Gegenwert von einer Mark. Als die Reichsbank zum 31. Juli 1914 die Einlösung von Banknoten in Gold einstellte, stieg mit zunehmender Inflation der Wert der Goldmark in Papiermark in Abhängigkeit von der Entwicklung des Dollarkurses. Am 20. November 1923 konnte der Wechselkurs der Mark zur Goldmark und zum, ebenfalls am Gold orientierten, Dollar stabilisiert werden. Der Wert der Goldmark betrug danach bis zur Einführung der Reichsmark am 11. Oktober 1924 fortwährend 1 Billion M. Von der Einführung der Reichsmark bis zur Währungsreform 1948 entsprach dann im Allgemeinen eine Goldmark einer Reichsmark.

Mit der Einführung der D-Mark zum 21. Juni 1948 galt für laufende Zahlungen, wie zum Beispiel Löhne und Gehälter, Renten aus Sozialversicherungen, Pensionen und Mieten, ein Umtauschverhältnis der Reichsmark zur D-Mark von 1:1 (weitergehende Informationen zur Währungsreform 1948 siehe Beiträge der Bundesbank).

Am 1. Januar 1999 erfolgte die Einführung des Euro als Buchgeld im Verhältnis von 1 € = 1,95583 DM; drei Jahre später, am 1. Januar 2002, wurde der Euro als Bargeld eingeführt.

Spezielle Kaufkraftäquivalente

Spezielle Kaufkraftäquivalente ergeben sich durch den Vergleich des historischen Preises einer bestimmten Ware und dem aktuellen Preis der gleichen oder einer zumindest vergleichbaren Ware.

Einige Güterpreise aus den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts werden in dem vom Hessischen Statistischen Landesamt 1960 herausgegebenen Band "Hessen im Wandel der letzten hundert Jahre 1860-1960" genannt (siehe Literatur). Um zu prüfen, in welchen Größenordnungen die aufgrund solcher Preise feststellbaren Kaufkraftrelationen liegen, wurden die dort angegebenen Preise aus dem Jahr 1882 den entsprechenden Preisen für 2017 gegenübergestellt.

NahrungsmittelPreis 1882
in M
Preis 2017
in €
Kaufkraft­äquivalent
einer M in €1
1 Die Kaufkraft einer M im Jahr 1882 entspräche der Kaufkraft von ... € im Jahr 2017. Sie ergibt sich als Quotient aus dem Preis im Jahr 2017 und demjenigen im Jahr 1882.
1 kg Roggenbrot0,262,9211
1 kg Weizenmehl0,450,671
1 kg Speisekartoffeln0,071,2318
1 l Vollmilch0,170,88 5
1 kg Butter1,986,783
10 Eier0,501,944

Die errechneten Werte liefern bereits eine recht große Spanne für das Wertverhältnis Euro zu Mark. So errechnet sich beispielsweise für 1 M aus dem Jahr 1882 über den Preis für Speisekartoffeln ein Kaufkraftäquivalent von 18 € im Jahr 2017, während der über den Preis für Weizenmehl ermittelte Vergleichswert nur 1 € beträgt.

Nun sind Vergleiche von Nahrungsmittelpreisen recht spezieller Natur. Auf der Suche nach einem allgemeineren Vergleichsmaßstab werden Geldbeträge gerne in Arbeitszeiten oder Verdienste umgerechnet und diese über die Zeit hinweg verglichen. Hinweise auf historische Arbeitnehmerverdienste gibt das Statistische Bundesamt auf seiner Internetseite "Entwicklung der Bruttoverdienste im früheren Bundesgebiet" (siehe externe Links).

Freilich ist nicht auszuschließen, dass die Heranziehung anderer Vergleichsmaßstäbe nochmals zu deutlich abweichenden Ergebnissen führen würde.

Allgemeine Kaufkraftentwicklung

Sofern man die Entwicklung der Kaufkraft nicht an einem bestimmten Verwendungszweck orientiert, sondern an der allgemeinen Entwicklung der Kaufkraft des Geldes interessiert ist, wird üblicherweise der vom Statistischen Bundesamt ermittelte Verbraucherpreisindex herangezogen. Er misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten für Konsumzwecke gekauft werden – dem sogenannten Warenkorb. Über längere Zeiträume sind Vergleiche der allgemeinen Kaufkraft aber wegen der üblicherweise abnehmenden Repräsentativität des Warenkorbs beziehungsweise der veränderten Verbrauchsgewohnheiten mit großen Schwierigkeiten behaftet. Denn ein heute bei der Berechnung des Verbraucherpreisindex zugrunde gelegter Warenkorb hat in der Regel umso weniger mit den Verbrauchsgewohnheiten in früheren Jahren gemein, je größer der zeitliche Abstand zwischen den Vergleichsperioden ist. So weichen beispielsweise Konsummuster im 19. Jahrhundert deutlich vom heutigen ab, schon deshalb, weil ein großer Teil der heute üblichen Waren und Dienstleistungen damals nicht oder nicht in vergleichbarer Form und Qualität verfügbar war oder keine nennenswerte Rolle spielte. Ausführlicher werden die Probleme, die dabei auftreten, in einem Gutachten erörtert, das die Deutsche Bundesbank 1965 für den Bundesfinanzhof angefertigt hat (siehe Literatur, abgedruckt im Monatsbericht März 1968).

Auch Wertsicherungsklauseln in Verträgen basieren häufig auf dem Verbraucherpreisindex. Nähere Informationen bietet das Statistische Bundesamt auf seiner Internetseite an (siehe externe Links).

Um einen gewissen Anhaltspunkt zu erhalten, der freilich nur als grobe Orientierung dienen kann, können Berechnungen auf Basis des Verbraucherpreisindexes durchgeführt werden, wie sie in der rechts stehenden PDF-Datei dargestellt sind. Die ebenfalls rechts aufgeführten Rechenbeispiele erläutern das Vorgehen.

Große Unsicherheit

Wie problematisch solche Kaufkraftvergleiche sind, wird daraus ersichtlich, dass bei Verwendung unterschiedlicher Preisindizes ganz verschiedene Ergebnisse resultieren können. Wenn beispielsweise statt des Verbraucherpreisindex der (ebenfalls vom Statistischen Bundesamt berechnete) Preisindex für den Neubau von Wohngebäuden zugrunde gelegt wird - was in manchen Fällen sinnvoll sein kann - dann ergeben sich mitunter stark unterschiedliche Ergebnisse. So hätte eine D-Mark aus dem Jahr 1955 nach dem Verbraucherpreisindex 2017 eine Kaufkraft von 2,43 €. Eine Rechnung auf Basis des Preisindex für den Neubau von Wohngebäuden ergäbe hingegen eine Kaufkraft von 4,73 €. Daten zum vorgenannten Preisindex finden Sie auf der Internetseite des Statistischen Bundesamtes (Wiederherstellungswerte für 1913/1914 erstellte Wohngebäude; siehe externe Links).

Eine noch geringere Aussagekraft hat die Berechnung insbesondere für die Zeit nach dem ersten Weltkrieg und während der Hyperinflation bis 1924 sowie während der Weltwirtschaftskrise ab Ende der zwanziger Jahre, weil sich in diesen Zeiten die wirtschaftliche Situation in Deutschland und damit die Verbrauchsgewohnheiten wesentlich von den Verhältnissen in „normalen“ Jahren unterschieden. Kaufkraftvergleiche, bei denen der Ausgangspunkt in solche Perioden außergewöhnlicher wirtschaftlicher Verhältnisse fällt, sind in ihrer Aussagefähigkeit besonders eingeschränkt. Ähnliches gilt für die Jahre des Zweiten Weltkriegs und danach bis zur Währungsreform 1948, da der Preisindex nur die Preise berücksichtigt, die weitgehend staatlich reguliert waren. Zudem war das Warenangebot zu diesen offiziellen Preisen sehr beschränkt. Aufgrund dessen wichen insbesondere ab Kriegsende die Preise auf dem „Schwarzmarkt“ massiv von den offiziellen ab. Insofern sind die Ergebnisse von Kaufkraftberechnungen für diese Jahre zusätzlich zu relativieren, wenn nicht gar letztlich ohne Aussagegehalt. Denn die Entwicklung des Geldwertes lässt sich generell nur dann zuverlässig an den Preisen ablesen, wenn freie Preisbildung herrscht, wenn also jeder, der bereit ist, den Preis zu entrichten, das nachgefragte Gut auch ohne Weiteres erwerben kann.

Anhaltspunkte dafür, wie die damalige wirtschaftliche Bedeutung eines Geldbetrages einzuschätzen ist, lassen sich wohl am ehesten gewinnen, wenn diese Beträge zu gesamtwirtschaftlichen Größen, verschiedenen Güterpreisen oder sonstigen Wertangaben (beispielsweise Löhnen, Preisen für Lebensmittel oder Kaufpreisen für Grundstücke und Gebäude) aus der jeweiligen Zeit in Beziehung gesetzt werden. Anhaltspunkte hierfür bietet die unten angeführte Literatur.

Kaufkraftäquivalent von Beträgen in historischen deutschen Währungen

Die rechts stehende Tabelle listet die Kaufkraftäquivalente für historische Beträge in wichtigen deutschen Währungen seit 1810 im Durchschnitt des Jahres 2017 auf. Demnach hätte beispielsweise ein Gulden aus dem Jahr 1839 etwa dieselbe Kaufkraft wie 19,00 € im Jahr 2017. Die Berechnung erfolgt ohne Gewähr.

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Literatur

  • Deutsche Bundesbank (1968), Das Ausmaß der Geldentwertung seit 1950 und die weitere Entwicklung des Geldwertes, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank, 20. Jg., Nr. 3, Seiten 3-19.
  • Wolfram Fischer, Jochen Krengel und Jutta Wietog (1982), Sozialgeschichtliches Arbeitsbuch I, Materialien zur Statistik des Deutschen Bundes 1815-1870, C. H. Beck Verlag, München, Seiten 147-167.
  • Gerd Hohorst, Jürgen Kocka und Gerhard A. Ritter (1978), Sozialgeschichtliches Arbeitsbuch II, Materialien zur Statistik des Kaiserreichs 1870-1914, C. H. Beck Verlag, München, Seiten 92-117.
  • Dietmar Petzina, Werner Abelshauser und Anselm Faust (1978), Sozialgeschichtliches Arbeitsbuch III, Materialien zur Statistik des Deutschen Reiches 1914-1945, C. H. Beck Verlag, München, Seiten 90-106.
  • Bernd Sprenger (1992), Das Geld der Deutschen: Geldgeschichte Deutschlands von den Anfängen bis zur Gegenwart, Schöningh, München.
  • Statistisches Landesamt Hessen (1960), Hessen im Wandel der letzten hundert Jahre 1860-1960, Wiesbaden.