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London | 30.04.2014

EBA stellt Szenarien für Stresstest von EU-Banken vor

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA (European Banking Authority) hat am 29. April 2014 die Methodik und die gesamtwirtschaftlichen Szenarien für den EU-weiten Bankenstresstest in diesem Jahr vorgestellt. Der Test dient dazu, die Belastbarkeit der größten Banken im Falle von Schocks – wie beispielsweise einem Konjunktureinbruch – zu überprüfen. So sollen Verwundbarkeiten im europäischen Bankensektor frühzeitig aufgedeckt werden, um angemessene Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Für die Geldinstitute der Eurozone ist der Stresstest zugleich Bestandteil der Vorbereitungen auf die gemeinsame europäische Bankenaufsicht, die ab November 2014 die Aufsicht über die Kreditinstitute in Europa vereinheitlicht. Insgesamt 128 Banken und Bankengruppen aus den Mitgliedstaaten der Eurozone, darunter 24 deutsche, stellen sich dazu zunächst einer umfassenden Prüfung der Qualität ihrer Aktiva, dem Asset Quality Review (AQR), auf dem der Stresstest aufsetzt. Er wird in enger Kooperation zwischen der EBA und den nationalen Aufsichtsbehörden sowie der Europäischen Zentralbank (EZB) durchgeführt. Für die Tests gibt die EBA eine einheitliche Methodik vor, um alle großen EU-Banken nach den gleichen Definitionen und Herangehensweisen zu prüfen. Damit soll die Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleistet sein.

Drei Jahre Stress

Im Stresstest müssen die untersuchten Banken zeigen, wie sich ihre Ausstattung mit besonders belastbarem Eigenkapital, dem sogenannten "harten Kernkapital" (CET1-Kapital), über einen Zeitraum von drei Jahren unter bestimmten Annahmen entwickelt. Dazu wird eine Vielzahl von Risiken unterstellt, die möglicherweise auftreten könnten, darunter das Risiko des Ausfalls von Krediten, starken Marktpreisveränderungen, Risiken im Zusammenhang mit Verbriefungen oder Länder- und Finanzierungsrisiken.

Um die Widerstandsfähigkeit einer Bank zu analysieren, erhalten die Prüfer von den Banken zahlreiche Daten zu ihrer Eigenkapitalentwicklung in zwei verschiedenen Szenarien. Zum einen unterstellen sie das sogenannte Basisszenario, in dem sich die Gesamtwirtschaft bis 2016 so entwickelt wie heute von der EU-Kommission angenommen. Konkret bedeutet dies für die Jahre 2014 bis 2016 ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts in der Europäischen Union um 1,5 %, 2,0 % und schließlich 1,8 %.

Das zweite sogenannte adverse Szenario unterstellt dagegen eine deutlich negative makroökonomische Entwicklung. So sinkt den Annahmen des Stresstests zufolge das reale Bruttoinlandsprodukt in der EU 2014 um 0,7 % und 2015 um weitere 1,5 %, 2016 wächst es um 0,1 %. Die Beschäftigung geht dem Szenario zufolge bis 2016 deutlich zurück.

Entwickelt wurden diese und zahlreiche weitere Kennziffern für alle Banken einheitlich vom Europäischen Ausschuss für Systemrisiken (ESRB). Unterstellt wurden dabei Risiken, die aus Sicht des ESRB als die derzeit größten Gefahren für die Stabilität des EU-Bankensektors angesehen werden.

Lücken schnell schließen

Um den Stresstest zu bestehen, müssen alle Banken im adversen Szenario mindestens eine harte Eigenkapitalquote (CET1-Quote) von 5,5 Prozent erreichen. Über je mehr hartes Kernkapital eine Bank auch unter solch schwierigen Umständen verfügt, umso widerstandsfähiger ist sie in Krisenzeiten. Im AQR sowie im Basisszenario des Stresstests liegt die Zielschwelle bei 8 Prozent (CET1-Quote). Die Ergebnisse des Bankentests sollen voraussichtlich im Oktober 2014 veröffentlicht werden.

Decken die Prüfung der Aktiva-Qualität oder der Stresstest auf, dass eine Bank die Anforderungen an ihr Eigenkapital nicht erfüllt, muss das betroffene Institut diese Lücke zügig schließen. Die Europäische Zentralbank räumt ihr dafür eine Frist von sechs Monaten ein, sofern die Lücke bei der Asset Quality Review aufgedeckt wurde oder beim Stresstest im Rahmen des Basisszenarios. Für Kapitalbedarf, der unter dem adversen Szenario des Stresstests aufgedeckt wurde, haben die Kreditinstitute insgesamt neun Monate Zeit.