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Eltville am Rhein | 18.06.2014

Die 16. Frühjahrskonferenz der Bundesbank

Anhaltende und deutlich steigende Immobilienpreise, gefolgt von starken und abrupten Preisrückgängen, waren in der Vergangenheit immer wieder Ausgangspunkt oder zumindest Begleiterscheinung von Krisen im Finanzsystem mit gravierenden Folgen für die jeweiligen Volkswirtschaften und in der Folge für die gesamte Weltwirtschaft. Solche Immobilienblasen werden auch als ein wichtiger Auslöser der jüngsten Krise in den USA und in einigen europäischen Ländern wie Spanien oder Irland angesehen, die dann auf andere Länder übergegriffen haben. In Deutschland sind die Häuserpreise in der jüngeren Vergangenheit – zumindest regional – ebenfalls sehr dynamisch gestiegen. Vor dem Hintergrund hat die Bundesbank, zusammen mit dem IWF und dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Schwerpunktprogramm "Financial Market Imperfections and Macroeconomic Performance" die 16. Frühjahrskonferenz dem Thema "Housing Markets and the Macroeconomy: Challenges for Monetary Policy and Financial Stability" gewidmet. Weltweit führende Wirtschaftswissenschaftler, Notenbankvertreter und Vertreter internationaler Organisationen präsentierten und diskutierten am 5. und 6. Juni in Eltville ihre neuesten Arbeiten.

Hauspreisblasen und Bankenkrisen

Der stellvertretende Generaldirektor des IWF, Min Zhu, ging darauf ein, dass sich die Häuserpreise in der Mehrzahl der OECD-Staaten "weiter deutlich über dem historischen Durchschnitt" befinden, wenn man sie mit Einkommen und Mieten vergleiche. Er zeigte auf, dass scharfe Preisbewegungen auf den Häusermärkten und nachfolgende Krisen nicht auf die jüngste Vergangenheit begrenzt sind. "Forschungsergebnissen des IWF zufolge kam es im Vorfeld von gut zwei Dritteln der insgesamt fast 50 systemischen Bankenkrisen der vergangenen Jahrzehnte zu Boom-Bust-Entwicklungen bei den Immobilienpreisen." Diese Erfahrungen hätten die Bemühungen verstärkt, die tieferen Ursachen und Zusammenhänge besser zu verstehen und  mögliche Gegenmaßnahmen und vorbeugende Instrumente zu erörtern. Der Präsident der Federal Reserve Bank von San Francisco, John Williams, wies in diesem Zusammenhang auf die problematische Rolle der Erwartungen auf den Häusermärkten, ähnlich wie etwa auf den Aktienmärkten, hin: "Wenn die Immobilienpreise steigen, wird davon ausgegangen, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. Und wenn sie sinken, werden die Erwartungen hinsichtlich künftiger Preissteigerungen deutlich pessimistischer."

Dementsprechend war eine Reihe von Papieren darum bemüht, Modelle zu entwickeln, die es ermöglichen, die Hauspreise besser daraufhin abzuschätzen, ob sie fundamental gerechtfertigt seien oder nicht. Es zeigt sich nämlich, dass Hauspreise in einem Land sich nicht gleichmäßig entwickeln und vielfältige regionale Interaktionen berücksichtigt werden müssen, wenn man sich ein Urteil darüber erlauben will, ob Preissteigerungen angemessen und nachhaltig sind oder nicht.  Andere Beiträge zielten stärker darauf ab, eine bessere Grundlage dafür zu liefern, inwieweit Banken durch ihre zu großzügige Kreditgewährung oder Notenbanken bzw. der Staat durch eine lockere Geldpolitik bzw. durch die staatliche Unterstützung und Steuerbegünstigungen beim Erwerb von Wohneigentum zu Übertreibungen auf den Immobilienmärkten beigetragen haben.

Die Konferenzteilnehmer diskutierten, mit welchen Strategien und Instrumenten Notenbanken helfen können, Fehlentwicklungen an den Immobilienmärkten entgegenzuwirken. Als eine mögliche geldpolitische Strategie bei solchen Problemen wurde von Klaus Adam und Michael Woodford eine "robuste optimale Geldpolitik" angeregt, die nicht von rationalen Erwartungen der privaten Haushalte hinsichtlich der Häuserpreise ausgeht.

Gezielte Reaktion der Politik

Es bestand bei den Wissenschaftlern allerdings  eine große Übereinstimmung darüber, dass Notenbanken nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre die Entwicklungen an den Häusermärkten nicht ignorieren sollten. Andererseits bleiben angesichts der Komplexität und auch der von Land zu Land unterschiedlichen Bedingungen noch viele Fragen über den richtigen Ansatz offen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Studien den Schluss nahelegten, "dass der Einsatz makroprudenzieller Maßnahmen anstelle geldpolitischer Schritte bei der Bekämpfung von Ungleichgewichten an den Immobilienmärkten aus sozialer Sicht zu wünschenswerteren  Ergebnissen führt, da makroprudenzielle Instrumente eine gezielte Reaktion der Politik ermöglichen und so die Volatilität von Output und Inflation minimieren".

Insgesamt hat die Konferenz gezeigt, dass die Wissenschaft in den vergangenen Jahren beachtliche Fortschritte bei der Modellierung von Hauspreisen und beim Verständnis der  Folgen unangemessener Preisentwicklungen  gemacht hat. Es bleiben aber Fragen offen, nicht zuletzt hinsichtlich des geeigneten Instrumentariums, mit dem die Zentralbanken Fehlentwicklungen am besten vorbeugen sollten.