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Frankfurt am Main | 16.04.2015

Nachfrage nach Wohnungsbau­krediten steigt in Deutschland kräftig

Die Kreditnachfrage der privaten Haushalte hat im ersten Quartal 2015 in Deutschland stark angezogen. Das geht aus der aktuellen Umfrage der Bundesbank zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) hervor. Laut Bundesbank ist dies insbesondere durch den privaten Wohnungsbau begründet: "Der Mittelbedarf privater Haushalte für Wohnungsbauzwecke nahm kräftig zu und übertraf damit die im Vorquartal geäußerten Erwartungen der Bankmanager", schreiben die Ökonomen der Bundesbank. Im Rahmen des Bank Lending Survey erheben die Zentralbanken des Eurosystems alle drei Monate bei einer Stichprobe von Geschäftsbanken im Euro-Raum, wie freizügig sich die Institute bei der Vergabe neuer Kredite verhalten und wie sich aus ihrer Sicht die Kreditnachfrage entwickelt. Der Bank Lending Survey erfasst dabei drei Geschäftsbereiche: das Firmenkunden- und Konsumentenkreditgeschäft und Kredite für den privaten Wohnungsbau.

Kreditnachfrage der Unternehmen in Deutschland unverändert

Zusätzlich zu dem kräftigen Anstieg der Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten nahm gegenüber dem Schlussquartal 2014 aus Sicht der befragten Banken hierzulande die Nachfrage nach Konsumentenkrediten spürbar zu. Dagegen zeigte sich die Kreditnachfrage der Unternehmen gegenüber dem Schlussquartal 2014 insgesamt unverändert. Ende 2014 hatten die befragten Banken in diesem Geschäftsfeld im Ergebnis noch deutliche Zuwächse verzeichnet.

Die zum Teil deutlich erhöhte Nachfrage nach Krediten stieß auf eine nur geringfügig angepasste Kreditvergabepolitik der deutschen Institute. Per Saldo unverändert im Vergleich zum Vorquartal blieben die Vergaberichtlinien der befragten deutschen Banken im Konsumentenkreditgeschäft. Ferner sahen die Institute bei den Richtlinien für private Wohnungsbaukredite wie auch bei den Vergabestandards im Firmenkundengeschäft kaum Anpassungsbedarf. Mit Blick auf die erfragten Bedingungen lockerten die Banken die Hürden bei der Kreditvergabe  im Firmenkundengeschäft leicht, während sie im Geschäft mit den privaten Haushalten in der Breite kaum Änderungen vornahmen. Zu diesen Bedingungen gehören beispielsweise Sicherheitenerfordernisse, Zusatzvereinbarungen und Kreditnebenkosten.

Vergabepolitik im Euro-Raum insgesamt gelockert

Im Euro-Raum insgesamt haben die Banken ihre Richtlinien bei der Vergabe von Krediten an Unternehmen im ersten Quartal 2015 moderat gelockert. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) mitteilte, war der Prozentsatz der Banken, die ihre Standards bei Unternehmenskrediten gegenüber dem Vorquartal gelockert haben, höher als der Prozentsatz der Banken mit strengeren Vergaberichtlinien. Laut EZB lag dieser "Lockerungssaldo" für den Euro-Raum insgesamt bei 9 Prozent. Im Schlussquartal 2014 hatte er noch bei 5 Prozent gelegen. Unter den gemessen an ihrer Wirtschaftskraft fünf größten Ländern des Euro-Raums lockerten die Kreditinstitute in Italien ihre Richtlinien besonders deutlich. Hier ergab sich im ersten Quartal 2015 ein Lockerungssaldo von 25 Prozent. Die gesunkenen Standards der Kreditvergabe trafen laut EZB-Umfrage auch auf eine leichte erhöhte Kreditnachfrage der Unternehmen – das Netto-Nachfrageplus lag für das gesamte Währungsgebiet bei den Unternehmenskrediten bei 6 Prozent. Bei der Kreditvergabe an Konsumenten stellte die EZB ebenfalls eine leicht großzügigere Kreditvergabe fest. Die Hürden für die Vergabe von privaten Hypothekenkrediten wurden hingegen leicht verschärft.

Wachsender Konkurrenzkampf um Bankkunden

Nach Angaben der EZB ist für die Entwicklung der Standards bei der Kreditvergabe an Unternehmen zum einen der wachsende Konkurrenzkampf der Banken um Kunden verantwortlich. Außerdem hätten sich günstigere Refinanzierungsbedingungen und eine bessere bilanzielle Position der Institute lockernd auf die Standards ausgewirkt. Auch das im März 2015 gestartete erweiterte Kaufprogramm mache sich neben den gelockerten Standards für die Kreditvergabe vor allem in günstigeren Kreditbedingungen bemerkbar, so die EZB. Im Rahmen dieses Programms kauft das Eurosystem seit März 2015 von Geschäftsbanken monatlich Wertpapiere, insbesondere Staatsanleihen, im Wert von 60 Milliarden Euro. Ziel des Programms ist unter anderem, die Kreditvergabe im Euro-Raum anzukurbeln. Laut EZB nutzen die Institute einen Teil dieser Mittel, um neue Kredite zu vergeben. Die EZB schätzt die Kreditvergabestandards der Banken im historischen Kontext aber immer noch als sehr straff ein.

Nach Angaben der Bundesbank erwarten die Banken in Deutschland hingegen keine Auswirkungen des Kaufprogramms auf ihre Kreditstandards. "Das erweiterte Ankaufprogramm verbessert laut Bankangaben ihre Finanzierungsbedingungen, belastet aber auch stark ihre Ertragslage", kommentierte die Bundesbank die deutschen Ergebnisse des Bank Lending Survey. "Kaum eine deutsche Bank aus der Stichprobe beabsichtige einen Verkauf marktfähiger Aktiva im Rahmen des Programms."

Die aggregierten Umfrageergebnisse für Deutschland finden Sie unter

Die aggregierten Umfrageergebnisse für den Euro-Raum finden Sie unter

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