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Frankfurt am Main | 21.03.2016

Vermögens­ungleichheit in Deutschland bleibt relativ ausgeprägt

Die Vermögen in Deutschland sind nach wie vor relativ ungleich verteilt. Allerdings hat die Ungleichheit in den vergangenen vier Jahren nicht weiter zugenommen. Dies ist ein Ergebnis der Studie "Private Haushalte und ihre Finanzen" (PHF), die die Bundesbank-Forscher im Monatsbericht März vorstellen.

Das Ziel der PHF-Studie ist es, das Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland im Detail zu erfassen und darzustellen. Die erste Befragung dieser Art hat bereits im Jahr 2010 stattgefunden. Insgesamt ließ die Bundesbank für die aktuelle Studie rund 4.400 Haushalte über ihre finanzielle Situation befragen. Davon waren 2.191 Haushalte bereits bei der Befragung von 2010 dabei. Mit den Daten beider Befragungen können die Bundesbank-Forscher nun auch Veränderungen der Vermögensverteilung über die Zeit betrachten.

Ungleiche Verteilung

Dabei zeigt sich, dass die Verteilung insgesamt relativ stabil ist: "Die anhaltend niedrigen Sparzinsen sowie der Anstieg der Immobilienpreise und Aktienkurse in den letzten Jahren scheinen sich zwischen 2010 und 2014 nicht sonderlich stark auf die Verteilung der Vermögen in Deutschland ausgewirkt zu haben", heißt es im Monatsbericht. Nach wie vor sind nach den Ergebnissen der PHF-Studie die Vermögen in Deutschland relativ ungleich verteilt. So ist der Anteil der vermögendsten Deutschen am gesamten Vermögen nahezu konstant geblieben: Im Jahr 2014 besaßen die reichsten 10 Prozent 59,8 Prozent des Nettovermögens, 2010 belief sich der Anteil auf 59,2 Prozent.

Anteil am gesamten Nettovermögen der privaten Haushalte im Jahr 2014 [+]

Im Jahr 2014 lag das durchschnittliche Nettovermögen (Bruttovermögen abzüglich Verschuldung) bei 214.500 Euro. Im Jahr 2010 lag dieser Wert bei 195.200 Euro. Wie die Studie zeigt, haben 74 Prozent der Haushalte in Deutschland ein geringeres Nettovermögen als der Durchschnitt. Im Jahr 2010 hatte dieser Anteil noch 73 Prozent betragen. Das durchschnittliche Nettovermögen wird berechnet, indem die Summe aller Vermögenswerte in Deutschland gebildet und durch die Anzahl der Haushalte dividiert wird. Diese Werte werden aber stark von sehr hohen und sehr niedrigen Werten beeinflusst, heißt es im Monatsbericht.

Der Median, das heißt der Wert, der die Haushalte in eine reichere und eine ärmere Hälfte teilt, wird dagegen kaum von Extremwerten beeinflusst. Der Haushalt in der Mitte der Verteilung hatte 2014 ein Nettovermögen von 60.400 Euro. Im Jahr 2010 waren es 51.400 Euro.

Der Gini-Koeffizient, ein statistisches Maß für die Ungleichheit innerhalb einer Verteilung, hat sich nicht verändert: Er liegt wie bei der Vorgängerstudie bei 76 Prozent und ist damit laut Studie nach wie vor im internationalen Vergleich hoch. Ein Wert von 0 Prozent weist auf eine vollkommen gleichmäßige Verteilung hin. Liegt der Gini-Koeffizient bei 100 Prozent, ist die Verteilung maximal ungleich.

Zurückhaltung bei Aktien

Die PHF-Studie liefert auch Einblicke in die Zusammensetzung der Vermögen der privaten Haushalte sowie deren Verschuldungssituation. Sachvermögen war 2014 deutlich bedeutender als Finanzvermögen, das nahezu alle Haushalte besitzen. Es gibt zudem einen starken Zusammenhang zwischen Immobilienbesitz und Vermögen. So besaßen 2014 44 Prozent der privaten Haushalte in Deutschland Eigentum am Hauptwohnsitz. Im Mittelwert belief sich dieses Eigentum auf 231.400 Euro brutto.

Der Anteil von privaten Haushalten, die Aktien halten, ist den Ergebnissen der Studie zufolge nach wie vor relativ gering. 2014 waren dies 10 Prozent, im Jahr 2010 waren es 11 Prozent. Im Mittel waren diese Aktien 39.000 Euro wert. "Das Anlageverhalten der deutschen Haushalte insgesamt kann also immer noch als eher konservativ angesehen werden", schreiben die Bundesbank-Ökonomen im Monatsbericht.

Sach- und Finanzvermögen steht die Verschuldung gegenüber. Insgesamt haben 45 Prozent der Haushalte in Deutschland Schulden. 21 Prozent haben mindestens einen Hypothekenkredit, 33 Prozent haben unbesicherte Kredite, wie zum Beispiel BaföG-Schulden, Konsumentenkredite oder Kreditkartenschulden. Bei 9 Prozent übersteigen die Schulden das Bruttovermögen des Haushalts.

Die nächste Erhebungswelle der Studie ist für das Jahr 2017 vorgesehen. Dann sollen erneut gut 5.000 Haushalte zu ihrem Vermögen befragt werden. Die PHF-Studie ist ein integraler Bestandteil der Befragungen zu den Haushaltsfinanzen im Eurosystem (Household Finance and Consumption Network, HFCS), die Vergleiche zwischen den einzelnen Mitgliedsländern ermöglichen.

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