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Wiesbaden | 26.01.2017

Weidmann fordert gemeinsame Regulierungs-Regeln für FinTechs

Bei einer Konferenz im Rahmen der deutschen Präsidentschaft der Gruppe der Zwanzig (G20) auf Schloss Biebrich in Wiesbaden hat sich Bundesbankpräsident Jens Weidmann für eine gemeinsame Regulierung von jungen Finanztechnologie-Firmen (FinTechs) ausgesprochen. In der Finanzwelt bieten FinTechs neue Geschäftsmodelle und digitale Lösungen, etwa Smartphone-Apps, an und stehen im Wettbewerb mit traditionellen Banken. Aus Sicht des Bundesbankpräsidenten haben sie somit Potenzial, den Markt für Finanzdienstleistungen fundamental zu verändern.

In ihrem Wirken haben die jungen Start-ups in vielen Staaten aber mehr Freiraum als traditionelle Anbieter von Finanzdienstleistungen. Darauf müssen Regulierer und Zentralbanker nach Meinung von Weidmann reagieren. "Unser Ziel ist es, eine Reihe gemeinsamer Kriterien für die regulatorische Behandlung von FinTechs zu entwickeln", sagte Weidmann. FinTechs sollten ihre Geschäftsmodelle nicht auf regulatorischen Schlupflöchern aufbauen. Firmen mit einer zu laxen Regulierung anzuziehen, sei ein Fehler, der bereits im Vorfeld der jüngsten Finanzkrise gemacht worden sei, warnte Weidmann. "Ein klareres Bild der Geschäfte von FinTech-Firmen zu gewinnen ist wesentlich, wenn wir besser verstehen wollen, ob und in welcher Weise sie eine Bedrohung für die Finanzstabilität sein könnten", sagte er.

Im Rahmen der Konferenz betonte Bundesbankpräsident Jens Weidmann auch die Bedeutung eines freien Welthandels. Internationale Kooperationen und offene Märkte böten Vorteile für alle Länder und Völker, erklärte er. "Es ist entscheidend für unsere Politik, dass wir neue Chancen für alle in unseren Gesellschaften bieten", so Weidmann. "Lasst uns das nicht vergessen."

Vorteile größer als Risiken

Auf die Vorteile neuer Technologien im Finanzsektor wies Mark Carney, Gouverneur der Bank of England, hin. Um ihren Kunden beispielsweise im Internet neue Möglichkeiten anzubieten, kooperieren viele traditionelle Banken bereits mit den neuen FinTech-Firmen. Dies könnte dazu führen, dass Banken effizienter und weniger kostenintensiv arbeiten, sagte Carney. Seiner Meinung nach müssen politische Entscheidungsträger jedoch dafür Sorge tragen, dass die Vorteile dieser Technologien größer seien als die Risiken. Der Finanzstabilitätsrat FSB, dessen Vorsitzender Carney ist, prüfe derzeit, ob bestehende Aufsichtsregeln auf die mit den FinTechs verbundenen Risiken anwendbar seien.

Chancen der Digitalisierung

Neben den Herausforderungen im Umgang mit  FinTechs diskutierten die Teilnehmer der G20-Konferenz auch die Chancen und Risiken der fortschreitenden Digitalisierung des Finanzsektors im Allgemeinen. In diesem Rahmen verwies Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf die Vorteile digitaler Finanzierungsmöglichkeiten für Regionen in Afrika, in denen die Menschen bisher keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen hätten. Um die Chancen neuer Möglichkeiten zu nutzen, dürfe man sich nicht zu sehr von den Risiken leiten lassen. Doch plädierte auch er dafür, einheitliche Wettbewerbsregeln für die digitalisierte Welt zu entwickeln. "Jede freiheitliche Welt braucht Regeln", so Schäuble.

Königin Máxima der Niederlande machte deutlich, dass Finanzdienstleistungen trotz neuer digitaler Möglichkeiten noch immer nicht für jedermann zugänglich seien. Selbst in den Vereinigten Staaten und Europa gebe es noch immer Millionen von Menschen, die keinen Zutritt zum Finanzsystem hätten, so Máxima. Diese hätten Schwierigkeiten, eine passende Versicherung abzuschließen oder einen Kredit aufzunehmen. "Von 2011 bis 2014 haben wir erreicht, dass 700 Millionen Menschen mehr an Finanzdienstleistungen teilhaben können. Doch bleiben zwei Milliarden ohne Zugang", sagte Máxima in ihrer Rolle als Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für finanzielle Inklusion und Entwicklung.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière kam auf einen Nachteil der fortschreitenden Digitalisierung im Finanzwesen zu sprechen. Weil schädliche Software immer intelligenter werde, wachse die digitale Verletzlichkeit, sagte er und forderte dazu auf, in Cyber Security zu investieren. Indem man Schäden so vorbeuge, könne Vertrauen bewahrt werden. "Die Kunden müssen Vertrauen haben, dass ihr Geld sicher ist", so de Maizière.

Die Konferenz im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft fand unter dem Titel "Digitising Finance, Financial Inclusion and Financial Literacy" statt.  Der Zusammenschluss der G20, der 19 bedeutendsten Industrie- und Schwellenländer sowie der Europäischen Union, ist das wichtigste Forum für die informelle internationale Zusammenarbeit. 

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