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Frankfurt am Main | 01.02.2017

Niedriges Zinsniveau setzt deutsche Banken unter Druck

Eine anhaltende Phase niedriger Zinsen würde den Druck auf die von den deutschen Banken erwirtschaftete Zinsmarge weiter erhöhen. Damit könnte der Anteil der Kreditinstitute zunehmen, die Probleme haben, ihre Kapitalkosten zu verdienen. Zu diesem Schluss kommt ein Autorenteam aus der Bundesbank sowie der European School of Management and Technology Berlin in  einem neuen Diskussionspapier. Mitverfasser des Papiers ist Bundesbankvorstandsmitglied Andreas Dombret.

Margenverringerung mit Folgen

Weiter sinkende Zinsen würden das Problem noch verschärfen. Doch auch wenn das Zinsniveau nicht weiter sinken würde, wäre dies für die deutschen Banken problematisch: "Selbst wenn die Zinsen konstant auf ihrem aktuellen Niveau blieben, würde sich die Zinsmarge im Kerngeschäft der Banken in Deutschland in den nächsten vier Jahren um 16 % verringern", schreiben die Autoren. Diese prognostizierte Margenverringerung hätte am Ende dieses Jahrzehnts zur Folge, dass nur noch 20 Prozent der deutschen Banken Kapitalkosten in Höhe von 8 Prozent erwirtschaften würden. Diese Eigenkapitalrendite wurde gemäß Berechnungen des Internationalen Währungsfonds von globalen Banken im Jahre 2014 durchschnittlich erzielt. Die von Eigentümern beziehungsweise externen Investoren geforderte Verzinsung des Eigenkapitals einer Bank hängt allerdings von deren Risikosituation ab.

In der Studie analysieren die Autoren die Zinserträge aus Krediten und die Zinsaufwendungen für Einlagen, also die Zinsmarge einer Bank. Dabei betrachten sie verschiedene künftige Zinsszenarien und untersuchen, inwieweit diese zu einer weiteren Verringerung der Zinsmarge im Kreditgeschäft führen können. Im ersten Szenario bleibt das Zinsniveau in den nächsten vier Jahren konstant. Im zweiten sinkt es in den ersten beiden Jahren um jeweils einen Prozentpunkt und bleibt dann weitere zwei Jahre unverändert. Das dritte Szenario nimmt an, dass das Zinsniveau in den ersten beiden Jahren konstant bleibt und dann in den nächsten zwei Jahren um jeweils einen Prozentpunkt steigt.

Aus Sicht der Autoren stellt das derzeitige Niedrigzinsumfeld besonders für die deutschen Banken eine Herausforderung dar: Zum einen, weil sie stark vom Zinseinkommen abhängig seien und zum anderen, weil sie vergleichsweise hohe Aufwand-Ertrag-Relationen aufweisen würden. Das heißt, dass gemessen an ihren Erträgen ihre Kosten hoch sind. Tatsächlich haben auch andere Studien gezeigt, dass deutsche Banken im Durchschnitt weniger profitabel sind als ausländische Kreditinstitute. Dies könnte unter anderem daran liegen, dass aufgrund hohen Wettbewerbsdrucks die von deutschen Banken im Kreditgeschäft erzielten Margen nicht ausreichen, um die derzeit schwachen Ergebnisse des Einlagegeschäfts zu kompensieren.

Abfederung durch stille und offene Reserven

Die Autoren verweisen auf mögliche Gegenstrategien für die Kreditinstitute: "Die deutschen Banken könnten den Rückgang allerdings bis zu einem gewissen Grad abfedern, wenn sie eine spezielle Regelung aus den deutschen Rechnungslegungsstandards nutzen und stille und offene Reserven auflösen", heißt es im Diskussionspapier. Nach den Regeln des Handelsgesetzbuchs (HGB) bilden Banken in wirtschaftlich besseren Zeiten so genannte Vorsorgereserven, die sie in schwierigeren Zeiten nutzen können.

Außerdem sollten die Banken die Chancen der Digitalisierung nutzen, um ihre operativen Kosten zu senken. Diese Strategie sei vielversprechender verglichen mit dem Einsparpotenzial im traditionellen Bankgeschäft, heißt es in dem Papier.

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