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Frankfurt am Main | 09.06.2017

Bundesbank prognostiziert anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung

Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland dürfte weiter anhalten. Das geht aus der jüngsten Prognose der Bundesbank hervor. Demnach könnte das kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 1,9 Prozent, im kommenden Jahr um 1,7 Prozent und im Jahr 2019 um 1,6 Prozent zulegen. Im Vergleich zu ihrer Prognose im vergangenen Dezember korrigierten die Experten ihre Erwartungen somit nach oben. Die Erholung der globalen Handelsaktivitäten sei damals noch nicht so rasch und in diesem Umfang erwartet worden, so die Fachleute. Damit kommen zusätzliche Impulse zu dem bisher vor allem vom Konsum und den Wohnungsbauinvestitionen getragenen Aufschwung hinzu. "Die derzeitige konjunkturelle Grundtendenz ist noch etwas kräftiger als zuvor angenommen", schreiben die Ökonominnen und Ökonomen der Bundesbank. Für die Absatzmärkte der deutschen Exporteure gehen sie nunmehr auch im kommenden Jahr von etwas stärkerem Wachstum aus.

Engpässe am Arbeitsmarkt

Insgesamt beruht der positive Ausblick für die deutsche Wirtschaft auf einer breiten, recht kräftigen Aufwärtsbewegung. "Dank der sehr guten Arbeitsmarktlage wird der private Konsum im Verbund mit der Nachfrage des Staates und den Wohnungsbauinvestitionen weiterhin für ein solides Grundtempo sorgen", kommentierte Bundesbankpräsident Jens Weidmann die neue Prognose seiner Institution. Die Exporte und die wieder steigende Unternehmensinvestitionen würden das Wachstum zudem stützen. Allerdings dürften sich zunehmend Angebotsengpässe am Arbeitsmarkt bemerkbar machen, also weniger Menschen zusätzlich für eine Erwerbstätigkeit bereit stehen. "Dies sollte nicht nur den Lohnanstieg verstärken, sondern dürfte auch tendenziell die Wachstumsmöglichkeiten begrenzen", so der Bundesbankpräsident. Laut der Prognose haben Unternehmen angesichts der hohen Arbeitsnachfrage und der niedrigen Arbeitslosigkeit bereits derzeit vielfach Schwierigkeiten, offene Stellen mit adäquat ausgebildeten Personen zu besetzen. Bislang habe die arbeitsmarktorientierte Zuwanderung insbesondere aus anderen EU-Ländern die Anspannung am deutschen Arbeitsmarkt gemildert. Die Gründe, aus denen Arbeitskräfte in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind, verlören nun aber nach und nach an Bedeutung, so die Ökonominnen und Ökonomen. Dazu gehörten etwa die Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit für osteuropäische Länder, das Lohngefälle zwischen Deutschland und diesen Ländern sowie die hohe Arbeitslosigkeit in einigen südeuropäischen Ländern.

Verteuerung von Energie und Nahrungsmitteln

Die Verbraucherpreise in Deutschland werden laut der aktuellen Prognose zunächst sprunghaft steigen. So könnte die Inflationsrate gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex von 0,4 Prozent im Vorjahr auf 1,5 Prozent im laufenden Jahr steigen. Im Jahr 2018 könnte sich die Inflationsrate geringfügig auf 1,4 Prozent ermäßigen und im Jahr 2019 dann auf 1,8 Prozent verstärken. Die Erwartungen liegen damit für das laufende Jahr um 0,1 Prozentpunkte höher und für die kommenden Jahre um 0,3 beziehungsweise 0,1 Prozentpunkte geringer als im Dezember 2016. Für den zunächst erwarteten kräftigen Anstieg sind nach Meinung der Bundesbank-Experten die wieder gestiegenen Rohölnotierungen und Nahrungsmittelpreise ursächlich. Den Annahmen folgend wird sich die Verteuerung von Energie und Nahrungsmitteln im kommenden Jahr aber wieder erheblich abschwächen. "Dies überlagert die aufwärtsgerichtete zugrunde liegende Preistendenz", schreiben die Ökonominnen und Ökonomen. Diese zeige sich in der Projektion für die Rate ohne Energie und Nahrungsmittel. Erwartet werde ein gradueller Anstieg dieser Rate von 1,3 Prozent im laufenden Jahr bis auf 1,9 Prozent im Jahr 2019.

Risiken insgesamt ausgeglichen

Mögliche Risiken für den Preisanstieg und das Wirtschaftswachstum ergeben sich laut Einschätzung der Bundesbank-Experten aus dem internationalen Umfeld. So könnten mögliche protektionistische Maßnahmen das deutsche Wachstum schwächen und der Preisdruck durch den internationalen Wettbewerb die Margen der Unternehmen hierzulande belasten. "Binnenwirtschaftlich dominieren hingegen die Aufwärtsrisiken für Wachstum und Preise", betonte Bundesbankpräsident Weidmann.

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