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Frankfurt am Main | 21.08.2017

Dombret fordert starke Aufsichtsrechte über Euro-Clearing in London

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat Bundesbankvorstand Andreas Dombret starke Bankenaufsichtsrechte über das Euro-Clearing in London nach einem Brexit gefordert. In der britischen Hauptstadt wird bislang ein großer Teil der Derivate in Euro über Clearinghäuser abgewickelt. Aus Sicht des für Bankenaufsicht zuständigen Vorstandsmitglieds der Bundesbank ist dieses Geschäft hochgradig systemrelevant. Deshalb könne die Abrechnung von Euro-Wertpapiergeschäften nur dann weiter in London erfolgen, wenn die europäische Aufsicht jederzeit über starke Informations- und Eingriffsrechte verfüge, sagte Dombret. "Wir können nicht zulassen, dass irgendwann auf Kosten der europäischen Steuerzahler Banken gerettet werden müssen, weil wir keinen Zugriff auf das Clearinghaus in London hatten", sagte Dombret. Sollte sich Großbritannien auf die starken Kontrollrechte nicht einlassen, wird nach Meinung von Dombret eine Umsiedlung des Euro-Clearings notwendig. "Eine Londoner Wagenburgmentalität nach dem Motto ´Alles bleibt, wie es ist` wird nicht funktionieren", sagte er.

Dublin und Frankfurt könnten besonders profitieren

Dombret äußerte sich zudem zu einem möglichen Umzug von Finanzinstituten. Seiner Meinung nach dürften Banken nach dem Brexit viele Stellen aus London in die EU verlagern. "Es zeichnet sich ab, dass davon besonders Dublin und Frankfurt profitieren", sagte Dombret im Interview. Die Bundesbank sei derzeit mit etwa 20 Großbanken im Gespräch, die ihren Hauptstandort möglicherweise nach Frankfurt am Main verlegen würden. Es gehe dabei nicht nur um Institute, die eine Erlaubnis für eine klassische Banklizenz wollten, sondern auch um Broker-Dealer, also Investmentbanken, die viel Wertpapierhandel betreiben würden, so Dombret. Die Folgen solcher Zuzüge von Banken für die deutsche Wirtschaft bewertete er positiv. Da, wo Banken in der EU ihren Hauptsitz hätten, würde sich auch qualifiziertes Personal ansiedeln. Ebenso würden dort unternehmerische Entscheidungen fallen. "Und das wird zu einer Aufbruchstimmung in Frankfurt führen", so Dombret. Es entstünden auch Netzwerke zwischen den Banken, um die herum sich weitere Firmen ansiedeln würden. Auf diese Weise käme es zu einem Schwarmeffekt, sagte Dombret.

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