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Frankfurt am Main | 25.10.2017

Neue Geldmarktstatistik stärkt Analysefähigkeit des Eurosystems

Seit Juli 2016 erheben die Notenbanken des Eurosystems täglich Informationen zu Geldmarktgeschäften der Finanzinstitute im Euroraum. Diese Daten fließen in die neue Geldmarktstatistik des Eurosystems ein, die Einschätzungen der aktuellen Marktlage und struktureller Entwicklungen im Zeitverlauf ermöglicht. Die Bundesbank, bei der die Angaben von Instituten mit Sitz in Deutschland zusammenlaufen, hat in ihrem jüngsten Monatsbericht nun erstmals Ergebnisse der Geldmarktstatistik für Deutschland veröffentlicht.

67 Billionen Euro Jahresumsatz

Insgesamt meldeten die Institute in Deutschland von Anfang Juli 2016 bis Ende Juni 2017 Umsätze für die Geldmarktstatistik in Höhe von 67 Billionen Euro. Der Schwerpunkt des Handels lag dem Bericht zufolge in diesem Zeitraum auf besicherten Geschäften, die einen Anteil von 46 Prozent ausmachten. Zu den besicherten Geschäften zählen beispielsweise sogenannte Repos, bei denen ein Kreditnehmer dem Kreditgeber für einen festen Zeitraum Wertpapiere als Sicherheit überträgt. Als Sicherheiten dienen dabei meist Staatsanleihen. Rund jedes zweite Wertpapier wurde in Deutschland emittiert.

Das Marktsegment unbesicherter Geldmarktgeschäfte, zu denen vor allem Einlagen, Tagesgelder oder Sparkonten gehören, machte 27 Prozent des Handelsumsatzes aus. Die verbliebenen 27 Prozent entfielen auf Devisenswaps. Bei diesen Geschäften tauschen Marktteilnehmer für einen vorab festgelegten Zeitraum ein Devisenpaar.

Mehrheitlich unbesicherter Geschäfte

Anders als bei den Handelsumsätzen überwiegen bei der Anzahl der Transaktionen die unbesicherten Geschäfte. Sie machen rund zwei Drittel aller Transaktionen aus. "Dies ist auf den hohen Anteil kleinerer Berichtspflichtiger zurückzuführen, die vermehrt im unbesicherten Geldmarkt aktiv waren", erläutern die Bundesbank-Fachleute.

Die unbesicherten Geschäfte finden nach den Angaben der Bundesbank überwiegend innerhalb Deutschlands statt. Der Handel zwischen Banken spielt hierbei nur eine geringe Rolle, größere Anteile entfielen auf Geschäfte mit sogenannten nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften. Bei besicherten Geschäften sowie bei Devisenswaps wickelten die Institute den größten Teil ihrer Handelsabschlüsse dagegen mit Geschäftspartnern mit Sitz im Ausland ab, die Mehrheit davon außerhalb des Euroraums.

Zielgenauere Ausgestaltung der Geldpolitik

Für die Notenbanken des Eurosystems sind die Erkenntnisse, die aus der neuen Statistik gewonnen werden können, von großer Bedeutung. "Die im Rahmen der Geldmarktstatistik erhobenen Daten eröffnen einen umfassenden, täglichen und granularen Einblick in die Aktivitäten und Strukturen am Euro-Geldmarkt", heißt es im Monatsbericht. Mit ihr ergebe sich die Möglichkeit, die Funktionsfähigkeit und Dynamik der Veränderungen im Geldmarkt systematisch zu erfassen und strukturelle Veränderungen frühzeitiger zu erkennen als bisher. "Die neue Geldmarktstatistik stärkt damit die Analysefähigkeit des Eurosystems", schreiben die Fachleute. "Vor dem Hintergrund der herausgehobenen Bedeutung des Geldmarkts im monetären Transmissionsprozess liefert die Statistik deutlich verbesserte Grundlagen, die künftig eine zielgenauere Ausgestaltung des geldpolitischen Instrumentariums ermöglichen."

Besondere Bankenlandschaft in Deutschland abbilden

Die Geldmarktstatistik des Eurosystems ist eine Stichprobenerhebung, bei der im gesamten Euroraum die derzeit 52 größten Finanzinstitute dazu verpflichtet sind, Geldmarkttransaktionen an ihre nationale Notenbank oder die EZB zu melden. Darunter sind 14 Institute mit Sitz in Deutschland, die ihre Daten an die Bundesbank melden.

Um der besonderen Struktur des deutschen Bankensystems mit zahlreichen kleinen Instituten gerecht zu werden, hat die Bundesbank den Kreis der berichtspflichtigen Institute erweitert. Ausschlaggebend dabei ist die Bilanzsumme eines Instituts sowie seine Anbindung an das Großzahlungssystem TARGET2. Insgesamt fließen damit Informationen über Geldmarktgeschäfte von derzeit 128 Instituten aus Deutschland in die Statistik. Neben den größten Instituten gehören dazu unter anderem Sparkassen und Genossenschaftsbanken sowie Regionalbanken.

Die zusätzlichen Daten liefern nach Auffassung der Bundesbank einen Mehrwert für die Analyse des Geldmarktes. So deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass die Berücksichtigung von zusätzlichen Instituten mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen "wesentlich weiterführende Erkenntnisse" bringen könne, heißt es im Monatsbericht.

Strukturveränderungen erkennen

Wichtige Erkenntnisse versprechen sich die Expertinnen und Experten von Anpassungen bei veränderten geldpolitischen Rahmenbedingungen. So sei das Handeln der Marktteilnehmer derzeit maßgeblich von hoher Überschussliquidität und negativen Zinssätzen geprägt. "Mithilfe der Geldmarktstatistik wird es zukünftig möglich sein zu erkennen, inwieweit sich die Geldmarktaktivitäten in einem sich wandelnden geldpolitischen Umfeld verändern."

Zusätzlich zur Analyse und Einschätzung der Lage auf dem Euro-Geldmarkt werden die Daten der Geldmarktstatistik laut Bundesbank zukünftig auch für die Bereitstellung eines Referenzzinssatzes durch das Eurosystem verwendet.

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