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Eltville am Rhein | 22.11.2017

Forschungskonferenz zur Zukunft der Finanzintermediation

Was sind die Herausforderungen, denen traditionelle Banken und Sparkassen aufgrund regulatorischer Reformen und neuer technologischer Entwicklungen gegenüberstehen, und wie gehen sie damit um? Eine zweitägige Forschungskonferenz, die die Bundesbank gemeinsam mit dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und dem Centre for Economic Policy Research (CEPR) veranstaltet hat, nahm sich der spannenden Aufgabe an, einen Blick in die Zukunft der Finanzintermediation zu werfen. Die zehn interessantesten aktuellen Forschungsbeiträge, aus rund 100 eingereichten Beiträgen vom wissenschaftlichen Beirat ausgewählt, wurden bei der Konferenz rund 60 internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Wissenschaft, Banken- und Finanzaufsicht vorgestellt.

Forschungskonferenz zur Zukunft der Finanzintermediation

Systemische Risiken erkennen und verhindern

Hyun Song Shin, Leiter der Forschungsabteilung bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), ging in seiner Keynote Speech auf die Schwierigkeit ein, den über die Zeit immer weiter erhöhten Verschuldungsgrad vieler Finanzsysteme wieder abzubauen. Er appellierte an Aufsichtsbehörden, nicht nur die Verschuldung der einzelnen Banken, sondern auch die Verschuldung des Gesamtsystems, insbesondere gegenüber ausländischen Kreditgebern und Finanzintermediären, im Auge zu behalten. Als wichtige Maßnahmen der Politik zur Erhöhung der Krisenfestigkeit bei steigenden Systemrisiken stellte Shin die Erhöhung von Eigenkapitalanforderungen, Restriktionen für die Vergütung von Bankmanagern und die Einrichtung eines Abwicklungsfonds heraus.

Die Kostenverteilung regulatorischer Maßnahmen

Die politischen Maßnahmen und die sich in diesem Zusammenhang stellenden Verteilungsfragen waren ein Hauptthema mehrerer Forschungsvorträge: Eigenkapitalanforderungen stärkten die Krisenfestigkeit von Banken, könnten jedoch zu volkswirtschaftlichen Kosten führen, möglicherweise auch zulasten der Einlegerinnen und Einleger. Bei der Gestaltung von Management-Vergütungssystemen sei darauf zu achten, dass sie dem Eingehen von überhöhten Risiken entgegenwirken. Ein Abwicklungsfonds solle die Banken im Krisenfall in die Pflicht nehmen, damit nicht die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die gesamten Kosten einer Krise tragen müssen.

Finanzmarktintermediation unter sich verändernden Marktbedingungen

Politik und Bankenaufsicht stehen vor der Herausforderung, angemessen auf Veränderungen im Banken- und Finanzsektor zu reagieren. Luc Laeven, Leiter der Generaldirektion Forschung (DG Research) in der Europäischen Zentralbank, wies in seinem Vortrag insbesondere darauf hin, dass nicht jeder Kreditboom zu einer Finanzkrise führe. Entscheidend hierfür sei, ob die erhöhte Kreditvergabe mit einer wachsenden Produktivität der Wirtschaft einhergehe oder aufgrund von Überbewertungen und Spekulationen entstehe. Zudem gingen weitere Konferenzbeiträge auf die veränderte Wettbewerbssituation im Banken- und Finanzsektor durch neue technologische und institutionelle Entwicklungen ein. Dazu gehöre beispielsweise die Ausweitung von Peer-to-Peer-Kreditvergaben im Internet, das Ausweichen auf nicht-regulierte Formen der Finanzintermediation oder der Aufbau neuer Kreditregister.

Neue Ansätze kritisch hinterfragen

Joachim Wuermeling, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank und zuständig für die Bereiche Informationstechnologie und Märkte, zog in seiner Dinner Speech eine Parallele zwischen der Geldpolitik und der Bankenaufsicht. In beiden Bereichen sei es wichtig, schnell und angemessen auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können. Neue Ansätze wie die unkonventionelle Geldpolitik oder bankenaufsichtliche Reformen sollten dies ermöglichen, müssten sich jedoch auch einer kritischen Betrachtung durch Forschung und Praxis stellen.

Dazu habe die Forschungskonferenz einen wichtigen Beitrag geleistet, bestätigte Emanuel Mönch, Leiter des Forschungszentrums der Deutschen Bundesbank, in seinem Schlusswort. Nötig sei jedoch noch weitere Forschung, um künftige Entwicklungen im Bereich Finanzintermediation besser verstehen zu können. Diese Forderung fand unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Konferenz breite Zustimmung: Das Thema "Zukunft der Finanzintermediation – Chancen und Herausforderungen durch regulatorische Reformen und neue Technologien" werde weiterhin einen hohen Stellenwert auf der Forschungsagenda von Zentralbanken und akademischen Institutionen einnehmen.

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