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Frankfurt am Main | 22.11.2017

10 Jahre TARGET2: der Weg zu einem gemeinsamen europäischen Geldmarkt

Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele hat das Zahlungsverkehrssystem TARGET2 (T2) als eine "Erfolgsgeschichte" bezeichnet. "Mit TARGET und TARGET2 entstand erstmals ein gemeinsamer Geldmarkt im Eurosystem", sagte Thiele bei einer Veranstaltung anlässlich des Jubiläums in Frankfurt am Main vor Branchenvertretern.

Das Computersystem TARGET2 sorgt seit November 2007 dafür, dass der elektronische Individual-Zahlungsverkehr innerhalb der EU sicher und schnell abgewickelt wird. Geschäftsbanken nutzen TARGET2 dazu, große Beträge innerhalb weniger Sekunden zu überweisen. Zentralbankgeld wird auf diese Weise schnell zwischen den nationalen Geldmärkten ausgetauscht. Die Bundesbank entwickelt und betreibt die Plattform gemeinsam mit der Banque de France und der Banca d'Italia.

10 Jahre TARGET2: der Weg zu einem gemeinsamen europäischen Geldmarkt

Paneuropäische Infrastruktur

Thiele wies auch auf die politische Dimension des Zahlungssystems hin: "Mit TARGET2 entstand eine paneuropäische Infrastruktur. So gesehen ebnete TARGET2 auch SEPA den Weg" [Anm. d. Red.: SEPA ist der Einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum].

T2 funktioniere seit dem Start einwandfrei, es habe das Eurosystem vorangebracht, so Thiele. Um die Zukunft der Marktinfrastrukturen zu gestalten, habe das Eurosystem die Vision 2020 entwickelt, in der Zahlungen rund um die Uhr zu jeder Zeit ausgeführt und gutgeschrieben werden (sogenannte instant payments). Neben der geplanten Konsolidierung von TARGET2 und TARGET2-Securities (T2S) soll die Plattform TIPS (TARGET Instant Payments Settlement) geschaffen werden. Mit dieser integrierten Infrastruktur wolle man einen besseren Service für die Nutzer bieten, das Leistungsangebot optimieren und einen weiteren Beitrag zur Finanzmarktintegration leisten. Abschließend appellierte Thiele an die Gäste: "Wir arbeiten in einer Netzwerkindustrie und können nur gemeinsam gewinnen. Daher setzen wir auch bei der Realisierung der Vision 2020 auf die enge Zusammenarbeit mit dem Markt."

Im Anschluss sprach Anja Hartmann, die bereits die Einführung von T2 vor zehn Jahren mitbetreut hatte, über die Herausforderungen, die mit dem neuen System verbunden waren. Sie erklärte, wie mit T2 erstmals ein Servicezentrum im Eurosystem geschaffen wurde. Die Expertin des Bereichs Zahlungsverkehr würdigte dabei nicht nur die Zusammenarbeit zwischen den Zentralbanken. "Der Erfolg von TARGET2 beruhte auf der engen Partnerschaft mit den Kreditinstituten", sagte Hartmann.

Kritik und der Blick in die Zukunft

Abschließend diskutierten ausgewählte Marktteilnehmer über den Erfolg von T2 und Zukunftsvisionen im Zahlungsverkehr. Mit Blick auf die Weiterentwicklung der TARGET-Plattform kritisierten Bankenvertreter, dass das geplante Instant-Payment-System TIPS und das schon existierende Instant-Payment-System RT1 der privaten Euro Banking Association (EBA) unterschiedliche Kommunikationsstandards nutzen. Ein Bankenvertreter forderte deshalb, die Standards von RT1 und TIPS zu vereinheitlichen.

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