Katrin Albrecht
Menschen haben eine enge Beziehung zu den Dingen, mit denen sie sich umgeben. Kleidungstücke oder Möbel erfüllen längst nicht nur ihre funktionalen Aufgaben, wie im Falle der Kleidung das Umhüllen, Wärmen oder Schützen. Vielmehr geht die Bedeutung solcher Gegenstände, je nach individuellen Vorlieben und Erlebnissen, weit über den Gebrauchswert hinaus. Umgekehrt verbinden wir oft einen Menschen mit bestimmten Objekten, da sie für uns geradezu die Charakteristika seiner Persönlichkeit verkörpern. Auch Erinnerungen sind nicht selten mit Gegenständen verknüpft. Katrin Albrecht beschäftigt sich mit diesen „Beziehungssystemen zwischen Dingen und Persönlichkeiten“ und macht sie zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit. So basieren ihre Werke stets auf Materialien und Objekten, die sich im alltäglichen Leben finden.
Für die Serie „Yesterday’s Party“ nutze Katrin Albrecht beispielsweise gebrauchte farbige Luftschlangen, die zu streng geometrischen Collagen wurden und dennoch ihre Geschichte offenbaren. Andere Arbeiten basieren wiederum auf Kleidungsstücken, die ihr Freunde schenkten.
Katrin Albrecht wurde 1977 in Schongau geboren; sie lebt und arbeitet in München und Berlin. Von 2002 - 2008 studierte sie freie Kunst und Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Inge Mahn und Karin Sander, an der École des Beaux-Arts in Paris und der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste - Städelschule in Frankfurt am Main.
Anja Schwörer
In Anja Schwörers Arbeit treffen zwei diametrale Systeme anschaulich aufeinander. Auf der einen Seite steht sie in der Tradition der konkreten Kunst, die rationale Prinzipien und ein klares geometrisches Formenvokabular in den Mittelpunkt stellte. Auf der anderen Seite lassen die gewählten Textiltechniken den Zufall und die Eigengesetzlichkeit des Materials ins Spiel kommen.
So ist der Herstellungsprozess der Arbeiten aufschlussreich. Anja Schwöres Werke, die wie klassische Gemälde auf Keilrahmen präsentiert werden, besitzen einen durchaus paradoxen Aspekt. Sie entstehen nicht durch aktives Setzen von Farben und Formen auf den Bildträger, sondern umgekehrt durch das Wegnehmen von Farbe. Mittels traditioneller Verfahren, wie beispielsweise asiatischer Falttechniken, werden die Ausgangsstoffe partiell gebleicht und entfärbt.
Anja Schwörer wurde 1971 in Kandel geboren. Sie studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin.
Henning Strassburger. Good Old Figuration
Wirft man einen ersten Blick auf Henning Strassburgers Arbeiten, scheint der gewählte Ausstellungstitel „Good Old Figuration“ etwas verwirrend. Vor dem Hintergrund der jüngsten Erfolgsgeschichte der figurativen Malerei, erwartet man ganz andere, deutlich gegenständlichere Motive.
Zu sehen sind jedoch wie bei „Happy Painting II“ schwungvolle, übereinander gelagerte Farbbahnen, die eine lebendige Bildtiefe erzeugen. Sie lassen an die Tradition der gestisch-abstrakten Malerei denken. Dazwischen sind naturalistisch geformte Lippen mit strahlenden Zahnreihen montiert. Obwohl sie farbig und formal in die Schwünge der gemalten Linien integriert sind, dringen sie durch ihre Prägnanz in den Vordergrund.
So scheint der von Henning Strassburger gewählte Ausstellungstitel weniger eine zufriedene Bestätigung des Tradierten zu sein, sondern verweist, wie auch beispielsweise die Bildbezeichnung „Hier wurde alles richtig gemalt“, eher ironisch auf Strassburgers künstlerischen Ansatz.
Ihn interessieren grundsätzliche Fragen der Malerei und die Verortung seiner Arbeit innerhalb der zahlreichen Strömungen, die in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt und benannt wurden. Wie können die disparaten Stile und zahllosen Bildquellen, die zur Verfügung stehen, heute eingesetzt werden, ohne im banalen Nachvollziehen oder in vordergründigen Synthesen aufzugehen? Wo liegt die Schwelle zum gelungenen Bild?
Henning Strassburger wurde 1983 in Meißen geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Ruprecht von Kaufmann
Ruprecht von Kaufmann wurde 1974 in München geboren. Von 1995 bis 1997 studierte er Malerei und Illustration am Art Center College of Design in Los Angeles.Ruprecht von Kaufmann erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen u.a. 2009 das Erwine-Steinblum-Stipendium für junge Kunst, 2007 Else Heiliger Stipendium der Konrad Adenauer Stiftung. Der Kunstförderpreis der Vogelstein Foundation wurde ihm 2003 verliehen ebenso wie der Kunstförderpreis der Stadt Hooskiel, Wangerland. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Hartwig Ebersbach
Hartwig Ebersbach besitzt eine unverkennbare künstlerische Handschrift. Seine Malerei präsentiert sich in energischem Duktus. Der expressive, geradezu eruptive Malprozess wird für den Betrachter unmittelbar nachvollziehbar.
Die Arbeiten sind das Ergebnis einer radikalen Selbstbefragung. Dabei greift Ebersbach immer wieder das Motiv des Kaspars auf, sein künstlerisches Alter Ego, das ihn seit den siebziger Jahren beschäftigt. Weitere wichtige Bezugspunkte sind die Maskeraden des belgischen Malers James Ensor und - nach einem Japanaufenthalt - das Thema der „Drachen“.
Hartwig Ebersbach wurde 1940 in Zwickau geboren und studierte von 1959 bis 1964 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Bernhard Heisig. An der Hochschule in Leipzig erhält er von 1979 bis 1983 Lehraufträge für experimentelle Malerei. Darüber hinaus entwickelt er mit Musikern und Komponisten performanceartige Musikcollagen wie „Missa Nigra“ im Jahr 1979. Die erste Einzelausstellung fand 1982 im Staatlichen Lindenau-Museum in Altenburg statt, 1996 zeigte das Museum der bildenden Künste in Leipzig eine Retrospektive. 1985 erhielt Ebersbach den Kunstpreis der Stadt Düsseldorf, 2006 den Jerg-Ratgeb-Preis in Reutlingen.
Svenja Kreh
Die jüngsten Papierarbeiten Svenja Krehs zeigen von weitem betrachtet monumentale Hell-Dunkel-Landschaften, in denen sich verschachtelte Räume, komplexe Architekturen und bisweilen surreal wirkende Figuren finden. Beim Nähertreten wird deutlich, dass sich die groß angelegten Kompositionen aus sehr kleinteiligen Strukturen zusammensetzen. Gemalt mit feinen Pinselstrichen aus schwarzer Tusche eröffnen sie ganz unterschiedliche, detaillierte Bildräume.
Möchte man die einzelnen Motive näher bestimmen, fallen vor allem Referenzen auf historische Kunstrichtungen ins Auge. Svenja Kreh interessiert sich insbesondere für die detailreichen mittelalterlichen Stundenbücher sowie für die Frührenaissance, beispielsweise für die Tuschzeichnungen Jacopo Bellinis mit ihren komplexen Raumkonstruktionen. Aber auch anatomische Studien, kubistische Formen und Ornamente werden integriert.
Im Rückgriff auf die klassische Tuschzeichnung entwickelt Svenja Kreh Landschaften voller Anspielungen, die am Beginn oder am Ende einer Zivilisation stehen könnten.
Svenja Kreh wurde 1968 in Stuttgart geboren und studierte von 1991 bis 1998 an der Kunstakademie Düsseldorf. Sie erhielt 1995 das Eduard Bargheer Stipendium, Hamburg; 2001 war sie als Artist in residence in Namibia. Im Jahr 2007 erhielt sie ein Stipendium vom Deutschen Kunstfonds, der Kulturstiftung des Bundes.
Benedikt Hipp
Benedikt Hipp entwickelt in seinen Arbeiten ganz eigene Szenerien. Auf den Gemälden finden sich einzelne Personen oder modellähnliche Architekturen, die - selbst hell angestrahlt - vor einen dunklen, fast schwarzen Hintergrund gesetzt sind. In zahlreichen Arbeiten werfen sie Schlagschatten auf eine ebenfalls dunkle Bodenfläche. So entsteht ein bühnenähnlicher Raum, der den Motiven eine dichte und geheimnisvolle Aura verleiht.
Ausgangspunkt für Benedikt Hipps Vokabular, das er immer wieder variiert, sind ursprüngliche menschliche Behausungen wie die Jurten asiatischer Nomaden oder religiöse Gehäuse wie mittelalterliche Schreine, die auf sakrale Architekturen zurückgehen.
Die Motive werden in den Arbeiten mit einer rätselhaften Bedeutung aufgeladen. Sie verweisen einerseits auf ihre historischen und kulturellen Quellen, fragen aber gleichzeitig nach der Verortung des Einzelnen in der heutigen Welt.
Benedikt Hipp wurde 1977 in München geboren. Zwischen 2000 und 2007 studierte er an der Akademie der bildenden Künste Nürnberg, der Accademia di Belle Arti di Bologna und an der Akademie der bildenden Künste München. Er erhielt 2004 den Oberbayerischen Förderpreis für Nachwuchskünstler, 2005 den Kulturförderpreis der Stadt Pfaffenhofen und 2008 ein Atelierförderstipendium des Bayerischen Staates.
Barbara Hlali. Beste Absichten Zeichnung und Video
Barbara Hlali arbeitet gleichzeitig mit unterschiedlichen künstlerischen Medien. Mit ihren Video- und Trickfilmen nahm sie in den letzten beiden Jahren an zahlreichen internationalen Filmfestivals teil und erhielt dort mehrere Auszeichnungen. Darüber hinaus zeigte sie in verschiedenen Ausstellungen Wandzeichnungen, Zeichnungen und Installationen. Hier in Frankfurt werden nun die verschiedenen Medien Plakate, Banner, Zeichnungen und Filme zu einer dichten Installation verbunden.
Barbara Hlali wurde 1979 geboren. Von 1999 – 2007 studierte sie an der Kunstakademie Münster. 2001 erhielt sie den Förderpreis der Stadt Gladbeck, von 2002 – 2007 ein Stipendium des Cusanuswerks, Bonn und 2004 den Förderpreis der Stadt Dortmund.
Bernard Schultze. Werke aus einer privaten Sammlung
Bernard Schultze ist einer der Wegbereiter der abstrakten Malerei in Deutschland nach 1945. Unter dem heute bekannten Gruppennamen „Quadriga“ stellte er zusammen mit drei weiteren Künstlern – K.O. Götz, Otto Greis und Heinz Kreutz - in der Frankfurter Galerie Franck 1952 informelle Malerei vor. Ziel war es, einen neuen Bildbegriff zu entwickeln und sich der internationalen Avantgarde zu öffnen.
Bernard Schultze war es wichtig, das Unbewusste in seine Arbeit einfließen zu lassen. Er wollte „sich treiben lassen, wohin das Bild will, so viel wie möglich dem Zufall überlassen, so wenig wie möglich der Kontrolle“. In seinen frühen Werken dominieren schwarze und farbige Linien, die die Bildfläche in zahlreichen Schichten überlagern und so einen dynamischen Tiefenraum bilden. Im Laufe der Jahre wächst die Malerei immer mehr ins Dreidimensionale und Schultze entwickelt die sogenannten „Migofs“, aus Draht und Stoff konstruierte Phantasiegebilde, die weit in den Raum ragen.
Bernard Schultzes Spätwerk, das im Mittelpunkt der Ausstellung steht, ist bestimmt durch starke Farbigkeit und große Formate. Mit der Ausweitung der Bildfläche ändert sich auch die Komposition. Kleinteilige Farbgebilde scheinen ins Endlose zu wuchern und werden doch immer wieder von ruhigeren Flächen begrenzt und strukturiert. Nicht selten stellen sich Erinnerungen an Landschaften und Gewächse ein. Diese Assoziationen griff Bernard Schultze durchaus auf, wie nicht zuletzt Titel wie „Blüten-Gigant“ zeigen.
In der Kunstsammlung der Deutschen Bundesbank sind seit den 1950er Jahren vor allem frühe Arbeiten von Bernard Schultze vertreten. Die Ausstellung bietet mit der ausführlichen Präsentation des Spätwerks eine anregende Ergänzung.
Peyman Rahimi
In Peyman Rahimis jüngsten Werkserien stehen unterschiedliche Bildwelten nebeneinander: Farbige, opulent dargestellte Szenen mit Tieren inmitten ornamentaler Pflanzenformen treffen auf nahezu schwarzweiße großformatige Siebdrucke, in denen sich geheimnisvoll wirkende Bildräume entfalten.
Die Arbeiten „Ohne Titel, 2006“ erinnern an prächtige Wandbehänge. Auf blau, rot und grün gefärbtem Grund sind Raubkatzen, Rehe und Vögel zu sehen. Die Vegetation und die Muster lassen an orientalische Formen denken. Wie auch in seinen früheren Arbeiten nimmt Peyman Rahimi, der in Iran aufgewachsen ist, Elemente der östlichen Kunst wie beispielsweise die persische Miniaturmalerei, um sie in neue Kontexte zu integrieren. Dabei kommen ganz unterschiedliche Quellen zum Einsatz. Rahimi interessieren die diffizilen Formen der traditionellen Malerei ebenso wie die zeitgenössische Massenproduktion in Form von bedruckten Kissen oder T-Shirts, die mit Raubtieren dekoriert sind.
Die Vergänglichkeit des Lebendigen wird in den jüngsten Arbeiten aus dem Jahr 2008 explizit zum Thema, angeregt durch Reisen nach Rom und die Beschäftigung mit dem Barock. In den dunkel gehaltenen Siebdrucken entstehen durch die Überlagerung mehrerer Ausgangsmotive vielschichtige rätselhafte Bildräume.
Peyman Rahimi wurde 1977 geboren und studierte von 1999 bis 2005 an der Städelschule in Frankfurt. 2005 wurde er Meisterschüler bei Prof. Christa Näher.
Jochen Mühlenbrink
Begegnet man Jochen Mühlenbrinks Arbeiten zum ersten Mal, rufen sie oft unmittelbares Erstaunen hervor. Sie zeigen faszinierende Szenerien: vom Schnee begrabene Häuser, einen überschwemmten Kiosk oder einstürzende Hochhäuser. Alltägliche, bisweilen banale Architekturen werden heimgesucht von außergewöhnlichen Ereignissen. So zeigt das Gemälde „Wunde, 2007“ ein modernes Wohnhochhaus, dessen Fassade wie ein Reißverschluss aufbricht. Dabei geht es weniger um die potenzielle oder tatsächliche Zerstörung der Bauten und um die Folgen für Bewohner und Nutzer. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Faszination an diesen Phänomenen. Die Motive dienen wie Versuchsanordnungen für die Möglichkeiten ihrer malerischen Darstellung.
Jochen Mühlenbrink wurde 1980 in Freiburg im Breisgau geboren. Von 2001-2006 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf. 2006 wurde er Meisterschüler von Prof. Markus Lüpertz.