Diese Seite informiert Sie über die wichtigsten Neuerwerbungen der Münz- und Geldscheinsammlung in einer knapp kommentierten Zusammenstellung sowie über die Neuzugänge der Numismatischen Fachbibliothek . Die Übersichten werden anlassbezogen aktualisiert; die letzten Zugänge stehen am Anfang der jeweiligen Aufstellung.
Münz- und Geldscheinsammlung
Fürstabteien Murbach und Lüders
Kardinal Andreas von Österreich, 1587-1600
Undatierter halber Guldentaler
Die im 8. Jahrhundert gegründete Abtei Murbach im Elsaß wurde im 16. Jahrhundert mit der in Hochburgund gelegenen Abtei Lüders vereinigt. Kaiser Karl der V. verlieh 1544 den Abteien das Recht, Silbermünzen zu prägen, von dem sogleich Gebrauch gemacht wurde und das sie bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts ausübten. Der Kardinalshut über dem großen viefeldigen Schild auf der Vorderseite mit den Wappen von Burgau, Hohenberg, Nellenburg und Feldkirch zeigt den Stand des Prägeherrn an. Der kleinere, ebenfalls viefeldige Schild vereinigt die Wappen von Österreich, Habsburg, Lüders und Murbach. Die lateinische Umschrift nennt Namen und Würden des Münzherrn: ANDR(EAS) CARD(INALIS) AB AVST(RIA) MVR(BACENSIS) ET LVTR(ENSIS) ADMI(NISTRATOR) - Andreas Kardinal von Österreich, Verwalter von Murbach und Lüders. Aufgrund der außerordentlichen Seltenheit dieser Prägung wird vermutet, daß es sich hierbei um Sonderprägungen zu Repräsentationszwecken gehandelt haben könnte.
[Datensatz Id. 57948]
Griechischer Kulturkreis
Thrako-makedonische Stämme
Großsilberprägung, um 500 v. Chr.
Mit dem Einsetzen der Silbermünzenprägung in der griechischen Welt um 500 v. Chr. nimmt die thrako-makedonische Region (heute griech. Ostmakedonien und Thrakien ) eine besondere Stellung ein. Anders als etwa in Athen, Aigina oder Korinth, die die ersten Umlaufmünzen mit Gewichten zwischen etwa acht und 17 g prägen, werden hier aufgrund des reichlich zur Verfügung stehenden Metalls von den ansässigen Stämmen Großsilberstücke hergestellt. Die teilweise über 40 g schweren Exemplare wertet die Forschung jedoch nicht als das normale Lokalkurant sondern als für den Export bestimmtes, durch bildliche Kennzeichnungen genormtes Silber, nicht unähnlich gewichtsnormierten Edelmetallbarren. Damit ist dieses Objekt noch Ware bzw. bereits standardisiertes Tauschmittel und keine Münze im landläufigen Sinn. Von den emittierenden Ethnien sind einige quellenmäßig belegt, die Existenz weiterer Stämme wird lediglich aus den Inschriften auf den Barren und der Fundevidenz mehr oder minder sicher erschlossen.
[Datensatz Id. 57547]
Kaiserreich Japan
Dai Nippon Teikoku Kokuritsu Ginko
(Große Kaiserliche Japanische Nationalbank)
1 Yen 1877
Das ab 1872 bestehende Privileg mehrerer Notenbanken zur Papiergeldemission – zu der auch der hier abgebildete Schein der Kaiserlichen Nationalbank zählt – führte zu einem inflationären Anstieg der umlaufenden Geldmenge, weshalb ihre Ausgabe bereits 1878 wieder unterbunden und die Bank von Japan (Nippon Ginko) 1882 alleinige Notenbank wurde. Der Schein zeigt auf der Vorderseite das japanische Wappen und ein Siegel. Der auf der Rückseite dargestellte Glücksgott Ebisu symbolisiert nicht nur den Fischfang, er garantiert auch einen erfolgreichen Handel und bildet eine thematische Einheit mit den auf das Meer hinausblickenden Matrosen der Vorderseite. Auch die Bank von Japan bediente sich später bei der Ausgabe eines Ihrer ersten Scheine der Segen und Reichtum spendenden Glücksgötter des japanischen Shintoismus.
[Datensatz ID: 57315]
Vereinigte Staaten von Amerika
Silberzertifikat 1896 zu 5 $
Nach dem Gesetz vom 4. August 1886 ausgegeben, stellt der Schein den Gegenwert von fünf Silberdollars dar. Die Aufschrift der Vorderseite bestätigt, daß im Schatzamt der Vereinigten Staaten fünf Silberdollars hinterlegt wurden, zahlbar an den Überbringer des Scheins (This certifies that there have been deposited in the treasury of the United States, payable to the bearer on demand, five silver dollars.) , das Ganze bekräftigt durch das rote Siegel des Schatzamtes.
Begonnen worden war mit der Emission derartiger Scheine bereits 1878, und aufgrund ihrer leichteren Handhabung gegenüber dem schweren Metallgeld erfreuten sie sich im Laufe der Zeit ständig wachsender Beliebtheit. Im Jahr 1963 wurde die Ausgabe von Silberzertifikaten eingestellt. Das Versprechen der Einlösung galt bis 1968; ab dem 24. Juni wurden aufgrund des steigenden Silberpreises keine Scheine mehr gegen Silber eingetauscht.
Die freizügigen Frauendarstellungen auf der graphisch reich ausgestalteten Vorderseite sorgten in der Bevölkerung für Unmut und bisweilen wurde gar die Annahme derartiger Scheine aus diesem Grund verweigert. Die weniger aufwendig gestaltete Rückseite zeigt links den 18. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Ulysses S. Grant, und rechts General Philip Sheridan.
[Datensatz ID: 55379]
Java, Münzstätte Batavia (mod. Jakarta)
Batavische Republik (1799-1806)
2 Stuiver 1803
Diese barrenförmige Münze wird im Niederländischen aufgrund ihrer Form als ‚bonk‘ (Brocken) bezeichnet. Hergestellt aus japanischen Kupferstangen, von denen Stücke der gewünschten Größe abgeschlagen wurden, dienten die in Form und Gewicht unregelmäßigen kleinen Barren als Notmünzen. Ihre Fabrikation in Niederländisch Indien war notwendig geworden, da der Transport von Kleingeld aus den Niederlanden unterbrochen worden war. Zuerst 1796 hergestellt, tragen sie auf der einen Seite lediglich die abgekürzte Nominalbezeichnung, auf der anderen die Jahreszahl. Letztmalig 1818 ausgeprägt, liefen die Stücke zu 8, 2, 1 und ½ Stuiver noch bis 1826 um.
[Datensatz ID: 57256]
Reich der Karolinger
Pippin der Kurze, 751-768 (Hausmeier 741-751)
Denar (Pfennig)
Vermutlich in Marseille geschlagen, steht diese frühkarolingische Prägung bildlich und technisch erkennbar in merowingischer Tradition. Ihre genaue chronologische Einordnung ist noch ungewiß; je nach Interpretation der Buchstaben auf der Vorderseite liegt der Prägezeitpunkt entweder kurz vor oder kurz nach 751, dem Jahr der Erhebung Pippins zum ersten karolingischen König.
[Datensatz ID: 57133]
Deutschland
Baden-Baden, 1914
Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges begann in Deutschland die Ausgabe von Notgeld, das zur Kompensierung des rückläufigen und gehorteten Münzgeldes diente. Zu diesem 1914er Notgeld zählt der Schein der 1838 gegründeten Hofapotheke in Baden-Baden, die 1887 von dem renommierten Apotheker, naturwissenschaftlichen Forscher und Heimatgeschichtler Oskar Rössler gekauft wurde. Der Schein über 9,35 Mark ist auf den Empfänger ausgestellt - hier das Hotel Stadt Baden von Eugen Rössler - und wurde von Dr. O. Rössler persönlich unterschrieben. Die kleine Notiz auf der Rückseite: „Eigenes Papiergeld aus großer Zeit!“ ist nicht auf jedem Schein der Apotheke zu finden und deshalb eine Besonderheit dieser Ausgabe.
[Datensatz ID: 50830]
Nationalbank von Bosnien-Herzegowina
Handgestempelter Novčani Bon (Geldgutschein) über 5000 Dinara aus der Zeit des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995. Er gehörte mit zu den ersten provisorischen Geldausgaben der bosnischen Nationalbank, nachdem Bosnien-Herzegowina am 2. März 1992 seine Unabhängigkeit vom jugoslawischen Staatenverbund erklärt hatte. Die Handstempelungen verweisen auf den jeweiligen Ausgabeort, hier Donji Vakuf, eine Kleinstadt in Zentralbosnien.
[Datensatz Id. 108773]
Russisches Zarenreich
Para / 3 Dengi 1772
Nach der russischen Eroberung Moldaus und der Walachei im Verlauf des (fünften) russischen-türkischen Krieges 1768-1774 waren für die besetzten Gebiete neue Münzen zu prägen. Das dazu benötigte Metall lieferten die erbeuteten türkischen Kanonen. Die kunstlos gestalteten Stücke trugen vornehmlich den Gegebenheiten des Alltags und weniger der neuen politischen Realität Rechnung: Jeweils auf der Rückseite geben sie das Wertverhältnis zwischen der auf dem türkischen System beruhenden Landeswährung und dem russischen Währungssystem an – in diesem Fall 1 türkische Para = 3 russischen Dengi; der zweite ausgegebene Wert lautet auf 2 Para = 3 Kopeken.
[Datensatz Id. 108298]
Vereinigtes Königreich
Irisches Notgeld der Jahre 1642 bis 1644
Die politischen und religiösen Erschütterungen in England während der Regierungszeit Charles’ I. betrafen auch Irland. In der von Gewalt geprägten Zeit war auch eine geordnete Bargeldversorgung nicht immer zu gewährleisten, zumal es unter diesem Herrscher keine regulären Prägungen für Irland gegeben hatte. Grobe Notgeldausgaben in Silber und Gold wurden hergestellt, von denen das ‚Inchiquin Money’ und das ‚Ormonde Money’ die bekanntesten sind. Das erstgenannte, 1642 aus Zwangssilberablieferungen der Bevölkerung geprägt, wird traditionell, aber wohl zu Unrecht, Lord Inchiquin, dem Vizepräsidenten der Provinz Munster zugeschrieben; auf den Stücken ist ihr jeweiliges Gewicht, nicht ihr Wert, angegeben. Die zweite Münze stammt aus der Serie, die benannt ist nach dem Marquis von Ormonde, Generalleutnant der königstreuen Streitkräfte in Irland, mit C(arolus) R(ex) unter einer Krone auf der einen, und der Wertangabe 5 Shillings (abgekürzt zu s V) auf der anderen Seite. Die neuere Forschung sieht als Auftraggeber dieser Prägungen die irischen Lordrichter.
[Datensatz Id. 108303 (Inchiquin] und 108304 (Ormonde)]
Stadt Zara (Zadar) unter französischer Besatzung
4 Francs 60 Centimes 1813
Nach langer venezianischer Oberhoheit ging die an der Adria gelegene Stadt Zara 1797 an Österreich, das es seinerseits 1805 an Frankreich abtreten mußte. Nach Belagerung durch österreichische Truppen fiel die Stadt im Dezember 1813 und gelangte erneut unter die Hoheit des Hauses Habsburg. Die abgebildete Münze ist Zeugnis eines während der Belagerung mühsam aufrecht erhaltenen Geldumlaufs. Die z. T. aus Kirchensilber hergestellten Schrötlinge im Gewicht von eins, zwei und vier Unzen – abgekürzt als 1., 2. und 4.O. – wurden notdürftig mit dem französischen Stadtwappen auf der einen und dem jeweiligen Wert und der zugehörigen Gewichtseinheit auf der anderen punziert: Eine Unze = 4 Francs 60 Centimes, zwei Unzen = 9 F. 20 C. und vier Unzen = 18 F. 40 C. Damit war, reduziert auf die notwendigen vertrauensbildenden Angaben, die Akzeptanz der Stücke im Zahlungsverkehr gewährleistet.
[Datensatz Id. 107595]
Griechischer Kulturkreis
Elektronmünze des 7. Jh. v. Chr.
In der Entwicklungsreihe von bildlosen zu beidseitig bildtragenden Münzen steht dieses Stück noch recht nahe des Ausgangspunktes. Prägungen mit Strichmuster lassen die Herausbildung einer mehr oder weniger regelmäßigen Struktur aus zunächst ungeordneten Linien erkennen. Unser Stück geht durch die Anbringung eines einzigen die parallelen Linien nahezu rechtwinkelig kreuzenden Balkens einen klar erkennbaren Schritt weiter auf dem Weg zu einer komplexeren Bildgestaltung. 1,17 g, AV 67,13%, AR 31,82%, Cu 0,95% (Mittelwerte aus vier RFA-Messungen)
[Datensatz Id. 107586]
Sammlung von 202 Brakteatenfälschungen des 18. und 19. Jh.; die Mehrzahl hergestellt von Nicolaus Seeländer (1683-1744)
Anders als der Isenburger Hofrat Carl Wilhelm Becker (1772-1830) wurde der von Leibniz 1716 als Bibliotheks-Kupferstecher nach Hannover geholte Nicolaus Seeländer zu Lebzeiten nicht als Münzfälscher überführt. Über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren wurde eine Sammlung zusammengetragen, die einen großen Teil der Seeländer zugeschriebenen Stücke beinhaltet, ergänzt um einige weitere alte Fälschungen von Brakteaten. Die für dieses Teilgebiet der mittelalterlichen Numismatik bedeutende Referenzsammlung steht nun – wie auch das Œuvre Beckers – als Teil der Münz- und Geldscheinsammlung der Forschung zur Verfügung.
Russisches Zarenreich
5 Kopeken 1764, Münzstätte Avesta, Schweden
Im Jahr 1788 auf Anordnung des schwedischen Königs hergestelltes russisches Fünfkopekenstück zur Verwendung im schwedisch-russischen Grenzgebiet während der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ländern. Zur Verschleierung dieser Aktion wurden die Stücke ‚rückdatiert’ und mit den Jahreszahlen 1764, 1778 und 1787 geprägt. Der Sekretär der Zarin äußerte sich in einem Tagebucheintrag zu der außerordentlich guten Qualität dieser Fälschungen.
[Datensatz Id. 106503]
Anonym
4 Pounds ohne Jahr (1945/46)
1 Pound ohne Jahr (1947)
Die beiden Stücke wurden im Auftrag der 1944 gegründeten Arabian American Oil Company (Aramco) in der amerikanischen Münzstätte Philadelphia hergestellt. Diese ‚Münzen’ wurden ausschließlich bei der Bezahlung von Ölförderungslizenzen in Saudi-Arabien verwendet und dort größtenteils zu Goldbarren umgeschmolzen. Die eine Seite zeigt das Siegel der Münzstätte, die andere gibt die jeweiligen Gewichts- und Feingehaltsdaten an.
[Datensatz Id. 106389 (4P.) und 106388 (1 P.)]
Kaiserreich Österreich
Notgeldausgaben zu 1 und 2 Kreuzer ohne Jahr (1848/1849)
Handschriftliche hergestellte Notgeldscheine des Weinschänkers Wenzel Lezel aus Nachod (Böhmen). Die Ausgabe fällt in die unruhige Zeit der Loslösungsbestrebungen Ungarns aus dem habsburgischen Herrschaftsbereich.
[Datensatz Id. 106050 (1 K.) und 106051 (2 K.)]
Königreich Polen
500 und 1000 Złotych 8.6.1794
Ausgegeben von General Kościuszko, Anführer des polnischen Freiheitskampfes gegen Rußland und Preußen. Die beiden Scheine sind die höchsten Nominale in der ältesten polnischen Geldscheinserie.
[Datensatz Id. 106035 (1000 Z.) und 106036 (500 Z.)
Reich der Karolinger
Pippin der Kurze, 751-768 (Hausmeier 741-751)
Denar (Pfennig)
In Trierer geprägter Denar des Pippin möglicherweise aus der Zeit vor seiner Erhebung zum König im Jahr 751, und damit eine der frühesten karolingischen Prägungen.
[Datensatz Id. 102358]
Römisches Kaiserreich
Denar 68 n. Chr.
Anonyme Prägung des Jahres 68, die das bekannte Rückseitenmotiv der Brutusmünzen aufnimmt und in dem aktuellen politischen Umfeld instrumentalisiert.
[Datensatz Id. 101634]
Griechischer Kulturkreis
Bildlose Elektronmünze des 7. Jh. v. Chr.
Unbekannter Herstellungsort
5,84 g (AV 74,5%, AR 24,4%, Cu 0,57%, Fe 0,4% [Mittelwerte aus drei RFA-Messsungen]) Aus natürlicher Gold-/Silberlegierung hergestelltes Stück; ein Beleg aus den Anfängen der Münzprägung.
[Datensatz Id. 101338]