
Pressenotiz
Frankfurt am Main
27. Juni 2011
Die Europäische Zentralbank gibt heute erste Zahlen einer neuen Statistik über Versicherungen (einschließlich Pensionseinrichtungen) im Euro-Raum bekannt. Die Angaben beruhen auf nationalen Beiträgen, die von den Notenbanken der Euro-Mitgliedstaaten zusammengestellt worden sind. Zeitgleich stellt die Bundesbank die auf Deutschland bezogenen Ergebnisse zur Verfügung.1 Das gewachsene Interesse an guten Statistiken über den Versicherungssektor ist dem großen Einfluss geschuldet, den dieser Wirtschaftsbereich im gesamtwirtschaftlichen Einkommens- und Finanzierungskreislauf und auf die Vermögensbildung in den Ländern der Währungsunion ausübt. Versicherungen nehmen damit nicht nur eine Schlüsselstellung bei der Reallokation wirtschaftlicher Risiken ein, sondern leisten darüber hinaus einen wichtigen Beitrag in der Finanzintermediation.
Auf Deutschland bezogen sind Versicherungen der zweitwichtigste Finanzsektor. Ihr aggregiertes Bilanzvolumen entspricht mit rund 1,9 Billionen Euro zum Jahresende 2010 etwa einem Viertel der Bilanzsumme der Banken (vgl. Anlage 1). Dem Betrag nach entfiel davon mehr als die Hälfte auf Lebensversicherungsunternehmen und knapp ein Fünftel auf Pensionseinrichtungen (Pensionskassen, Pensionsfonds, Versorgungswerke der freien Berufe sowie verschiedene Zusatzversorgungseinrichtungen). Die statistischen Ergebnisse werden deshalb maßgeblich von den Vermögensverhältnissen der Lebensversicherer und Pensionseinrichtungen geprägt. Daher sind die versicherungstechnischen Rückstellungen als wichtigste Position auf der Passivseite zum weitaus größten Teil auf Ansprüche der privaten Haushalte aus Rückstellungen bei Lebensversicherungen und Pensionseinrichtungen zurückzuführen. In der Tat halten die privaten Haushalte in Deutschland gut ein Viertel ihres gesamten Geldvermögens in Form von Ansprüchen gegenüber dem Versicherungssektor.
Betrachtet man die Anlageseite der aggregierten Versicherungsbilanz, fällt das vergleichsweise hohe Gewicht der Einlagen bei Banken auf. Dabei stehen hinter dieser Position mehrheitlich die von Banken emittierten Namensschuldverschreibungen sowie Schuldscheindarlehen, welche nach der für die Statistik maßgeblichen Klassifikation des Europäischen Systems der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (ESVG 95) unter der Rubrik Bankeinlagen zu zeigen sind. Fasst man diese Positionen mit den als Schuldverschreibungen ausgewiesenen Inhaberpapieren zusammen, ergibt sich ein Anteil der verbrieften Forderungen von annähernd 40%. Neben den verbrieften Positionen erweisen sich - überwiegend auf Spezialfonds bezogene - Investmentfondsanteile mit rund 25% der gesamten Kapitalanlagen als zweitwichtigstes Anlageinstrument. Ins Gewicht fallen darüber hinaus Mittel, die als Direktkredit ausgereicht sind (14%), wobei allerdings die von den Rückversicherern bei ihren Zedenten platzierten Depotforderungen mitzählen. Bei den als „nicht notierte Aktien und sonstige Anteilsrechte“ gekennzeichneten Anlagen (10%) handelt es sich überwiegend um Konzernbeteiligungen innerhalb des Versicherungssektors.
Während die Verbindlichkeiten der Versicherungsunternehmen und Pensionseinrichtungen - mit Ausnahme der Rückversicherungssparte - fast ausschließlich Inländern geschuldet sind, diversifizieren die Unternehmen einen Teil ihrer Kapitalanlagen ins Ausland. Auslandsanteile finden sich insbesondere bei den im Bestand gehaltenen Inhaberschuldverschreibungen, den gezeichneten Investmentfondsanteilen und unter den Beteiligungen. So hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Rahmen einer kürzlichen Sondererhebung bei Lebensversicherungen eine Portfolioquote der ausländischen Kapitalanlagen von gut einem Drittel ausgemacht. Die erkennbaren Länderrisiken hielten sich dabei in engen Grenzen.
Im europäischen Kontext betrachtet entfiel auf die in Deutschland ansässigen Versicherungsunternehmen und Pensionseinrichtungen reichlich ein Viertel der für den gesamten Euro-Raum veranschlagten Aktiva in Höhe von 6,9 Billionen Euro. Gleichauf mit dem deutschen Versicherungssektor befanden sich die französischen Versicherer, sodass deutsche und französische Unternehmen mehr als die Hälfte des im Euro-Währungsgebiet verbuchten Geschäfts bestreiten. Insofern zeigt sich, dass zwischen der Wirtschaftskraft der einzelnen Länder und der Bedeutung des Versicherungssektors innerhalb der Union eine recht enge Beziehung besteht. Allerdings gibt es Ausnahmen, sofern im Rahmen des Altersvorsorgesystems den privaten Versicherungen und Pensionseinrichtungen eine größere Rolle zukommt. Dies ist zum Beispiel in den Niederlanden der Fall, wo den ansässigen Pensionsfonds umfangreiche Mittel aus der betrieblichen Altersvorsorge zufließen.
Die statistischen Daten auf Basis von Quartals- und Jahresendständen für die Versicherungen in Deutschland können über die Homepage der Bundesbank in Tabellenform oder als Zeitreihe abgerufen werden:
http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_wirtschaftsdaten_tabellen.php
http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?open=wirtschaftsdaten
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