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Energierechnung der deutschen Wirtschaft unter steigendem Preiseinfluss

Grafik zur Energierechnung

Der Weltmarktpreis für Rohöl erreichte Mitte Juli 2008 mit 146 ½ US-$ pro Fass (Sorte Brent) einen historischen Höchststand. Danach sind die Notierungen wieder deutlich auf 113 ½ US-$ (Mitte August) gesunken, sie lagen damit aber immer noch um ein Sechstel höher als am Jahresanfang und um fast drei Fünftel über dem Vorjahrsdurchschnitt. Der Anstieg der Rohölpreise in Euro um ein Sechstel beziehungsweise knapp die Hälfte fiel wegen der Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar zwar etwas gedämpfter aus.

Die deutschen Einfuhrpreise für Energieimporte, die neben Rohöl und Mineralölprodukten auch Gas, Kohle, Strom und andere Energieträger umfassen, lagen gleichwohl im Juni (aktuellere Angaben stehen nicht zur Verfügung) um mehr als ein Viertel über dem Niveau vom Dezember 2007 und um die Hälfte über dem Vorjahrsdurchschnitt. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Energieimportrechnung Deutschlands in diesem Jahr kräftig erhöhen wird, was größtenteils zulasten der Kaufkraft des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte gehen dürfte.

Insgesamt könnte sich daher die deutsche Netto-Energierechnung (d. h. die Differenz zwischen den nominalen Energieeinfuhren und -ausfuhren) im Jahr 2008 gegenüber 2007 dem Wert nach um 23 Mrd € auf 82 ¼ Mrd € erhöhen. Damit würde der energiebedingte Kaufkraftentzug rechnerisch betrachtet fast den Umfang des auf die Erhöhung der Mehrwert- und Versicherungsteuer zum 1. Januar 2007 zurückgehenden Kaufkraftentzugs erreichen.

Im Verhältnis zum nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) als umfassende Einkommensgröße im Inland bedeutete dies einen Anstieg der energiebezogenen Kosten um rund einen Prozentpunkt auf 3 ¼ %. Diese Relation liegt um ein Viertel über der entsprechenden Größe in der ersten Ölpreiskrise Mitte der siebziger Jahre, aber noch um rund ein Drittel unter der Belastungsspitze in der zweiten Krise Anfang der achtziger Jahre.

Die Verteuerung von Energieträgern hat den realen Verteilungsspielraum in Deutschland erheblich eingeengt. Auch wenn man berücksichtigt, dass gewerbliche Fertigwaren, insbesondere Investitionsgüter, in diesem Jahr billiger im Ausland eingekauft werden können, ist gesamtwirtschaftlich betrachtet das reale Austauschverhältnis erheblich ungünstiger geworden, zumal sich auch andere importierte Rohstoffe und Vormaterialien stark verteuert haben.

Letztlich können derartige Realeinkommenseinschränkungen gesamtwirtschaftlich betrachtet kurzfristig nicht vermieden werden. Etwaige Versuche, wie in den siebziger Jahren und Anfang der achtziger Jahre, über höhere Lohnabschlüsse einen „internen“ Ausgleich zu erhalten, lösen lediglich stabilitätspolitisch gefährliche Zweitrundeneffekte aus oder gefährden Arbeitsplätze im Inland. Erfolgversprechend sind – abgesehen von einem veränderten Energie-Mix – nur Strategien zur weiteren Verringerung der Energieintensität. Dass die deutsche Volkswirtschaft gerade bei den Gütern der Energie- und Umwelttechnologie gute Exporterfolge erzielt, zeigt auch die Richtigkeit dieses bereits eingeschlagenen Weges unter wachstumspolitischen Gesichtspunkten.

Den vollständigen Artikel "Energierechnung der deutschen Wirtschaft unter steigendem Preiseinfluss" finden Sie im Monatsbericht August 2008 auf den Seiten 56/57.

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