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Glanzstücke

In geldgeschichtlichen Sammlungen wird Geschichte lebendig. Ihre Objekte dokumentieren den Wandel des Mediums Geld, sie bewahren die Erinnerung an das Auf und Ab in der Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Und sie sind nicht selten kleine Kunstwerke, die durch ihre ästhetische Qualität beeindrucken. Die Kombination aus vormünzlichen Zahlungsmitteln wie Steingeld oder Elektron-Klümpchen, 90.000 Münzen und 260.000 Banknoten aller Epochen macht die Sammlung der Deutschen Bundesbank weltweit einzigartig. Die wichtigsten Stücke der Kollektion können im Geldmuseum besichtigt werden. Im virtuellen Internet-Museum stellen die Fachleute der Sammlung regelmäßig einzelne "Glanzstücke" ausführlich vor.

Dies sei Dir gegeben, Christus

Der Dukat von Venedig

Der Dukat von Venedig [+] Der Dukat von Venedig Die Republik Venedig war im Mittelalter eine bedeutende Handels- und Seemacht. Venedig war die Hauptstadt eines weit verstreuten Territoriums. Zu den unter der Kontrolle der Lagunenstadt stehenden Gebieten zählten ein schmaler Streifen an der östlichen Adriaküste, Teile des heutigen Griechenland, Kreta und weitere Inseln in der Ägäis. Von diesen Stützpunkten aus betrieben die venezianischen Kaufleute ihren ausgedehnten Handel, der den Reichtum Venedigs begründete. Die weitreichenden und oft mit großem Risiko behafteten Geschäfte erforderten Finanzierungsformen, die frühzeitig ein ausgebildetes Bankwesen hervorbrachten.

Der Dukat von Venedig - Rückseitenlegende [+] Rückseitenlegende Venedig setzte auch im Münzwesen Maßstäbe. Im Jahre 1284 beschloss der Große Rat, eine Goldmünze prägen zu lassen, die in Gewicht und Feingehalt den von Florenz seit 30 Jahren ausgegebenen Fiorini d'oro entsprechen sollte. Genannt wurde diese Münze "ducatus", also Herzogtum, aber mit dem das Metall bezeichnenden Zusatz "aureus". Der Münzname "Dukat" leitet sich vermutlich vom letzten Wort der Rückseitenlegende ab: "SIT T(ibi) XPЄ (= Christe) DAT(us) Q(uem) TV RЄGIS ISTЄ DVCAT(us)" (Dies sei dir gegeben, Christus, der du dieses Herzogtum regierst.). Mit diesem Hexameter wird auch verkündet, dass Christus der eigentliche Herrscher von Venedig ist, unter dessen Schutz man sich stellt. Später bürgerte sich für diese Goldmünze auch die Bezeichnung Zechine ein, abgeleitet von dem italienischen Wort für Münzstätte, Zecca.

Der Dukat von Venedig - Der heilige Markus übergibt dem Dogen die Herzogsfahne [+] Der heilige Markus übergibt dem Dogen die Herzogsfahne Das Münzbild zeigt auf der Vorderseite eine Belehnungsszene. Der heilige Markus übergibt dem Dogen die Herzogsfahne als Symbol der Herrschaft. Der Doge war das Staatsoberhaupt der Republik Venedig und wurde in einem komplizierten Wahlverfahren auf Lebenszeit gewählt. Der Evangelist Markus ist mit einem Heiligenschein dargestellt. Er war der Schutzpatron der Republik Venedig, die auf Italienisch Serenissima Repubblica di San Marco (Erlauchteste Republik des Heiligen Markus) hieß. Sein Symbol, der geflügelte Löwe, war das Hoheitszeichen der Seerepublik. Diese enge Verbindung zu dem Evangelisten Markus geht auf das Jahr 829 zurück, als die Venezianer die Gebeine des Heiligen von Ägypten nach Venedig entführten und die Republik daraufhin ein Zentrum der Markusverehrung wurde.

Der Dukat von Venedig - Doge von Venedig [+] Doge von Venedig Vor dem Evangelisten Markus kniet der Doge von Venedig, erkennbar an der typischen Kopfbedeckung, dem corno ducale. Seinen Namen nennt die Vorderseitenlegende: "DVX ANDR(ea) DANDOLO".

Der Dukat von Venedig - Christus [+] Christus Unsere Münze prägte Andrea Dandolo, der zwischen 1343 und 1354 als 54. Doge regierte.

Andrea Dandolo, der 54 Doge [+] Andrea Dandolo, der 54 Doge Auf der Rückseite ist Christus dargestellt. Er hält in der linken Hand ein Buch, das Evangelium, seine Rechte ist segnend erhoben. Ein Kreuznimbus umgibt sein Haupt. Dieser Heiligenschein mit eingezeichnetem griechischem Kreuz ist den drei göttlichen Personen vorbehalten und hebt sie von den gewöhnlichen Heiligen ab. Zusätzlich ist Christus von einer Mandorla umgeben, einer mandelförmigen Umrahmung, die ihn in eine eigene Sphäre stellt.

Die Art der Christusdarstellung und die beiden Figuren der Vorderseite lehnen sich an byzantinische Vorbilder an.

Die Republik Venedig prägte von 1284 bis zu ihrem Niedergang 1797 die Dukaten nahezu unverändert aus. Der Dukat wurde in dieser Zeit zu einer der wichtigsten Handelsmünzen der Geldgeschichte.




Republik Venedig
Doge Andrea Dandolo (1343–1354)
Ducato d'oro o.J. ( 1343–1354)

Münzstätte: Venedig
Material: Gold
Gewicht: 3,36 g
Durchmesser: 20,6 mm