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Interview 05.02.2018

Vorteile durch neue digitale Produkte im Zahlungsverkehr

Interview mit dem Focus, Titel: Führt der Bitcoin-Hype zu einer neuen Finanzkrise?

Das Gespräch mit Andreas Dombret führte Alexander Wendt.

Führt der Bitcoin-Hype zu einer neuen Finanzkrise?

Bundesbanker Andreas Dombret sieht mit Sorge auf die Spekulationsblase der Kryptowährungen. Aber selbst ein Crash, sagt er, wird die Idee neuer Zahlungssysteme nicht aufhalten.

Herr Dombret, könnte die Spekulationsblase von Bitcoin und anderen Kryptowährungen den gesamten Finanzmarkt nach unten reißen, wenn sie platzt?

Ich bin nicht beunruhigt, was die kurzfristige Perspektive angeht. Auf mittlere und längere Sicht können derartige Blasen die Finanzstabilität durchaus gefährden. Zumal wenn am Finanzmarkt Derivate auf Kryptowährungen eine immer größere Rolle spielen sollten. Denn die wirken wie ein Hebel, sie können die heftigen Auf- und Abwärtsbewegungen exponentiell steigern.

Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Robert Shiller sagt den völligen Kollaps von Bitcoin voraus. Die Blase werde platzen, von der elektronischen Währung nichts übrig bleiben. Sehen Sie das auch so? 

Natürlich sehen wir eine Blasenbildung. Bitcoins und andere Kryptowährungen sind hoch spekulative Anlagen. Das ist eine Feststellung, die zwar stimmt, aber nur einen Teilaspekt beschreibt. Mir erscheint etwas anderes viel wichtiger.

Und zwar?

Die sehr spekulative Situation darf nicht den Blick darauf verstellen, dass wir es in Zukunft sehr viel mehr mit digitalen Produkten im Zahlungsverkehr zu tun haben werden. Wir erwarten  zunehmend App-basierte Zahlungen, die künftig in Echtzeit abgewickelt werden können.

Sie sind als Bundesbanker auch für die Bankenkontrolle zuständig. Angenommen, ein Institut würde Bitcoin oder eine andere Kryptowährung bilanzieren wollen – wie würden Sie das bewerten?

Als Bankenkontrolleur interessiert mich, ob ein Institut mit den Risiken umgehen kann, die es eingeht. Die bankaufsichtlichen Regeln verpflichten Kreditinstitute, sämtliche Risiken hinreichend mit Eigenmitteln zu unterlegen. Für Bitcoins als riskante Wertanlagen gälte das natürlich auch.

Sind neue elektronische Zahlungssysteme jetzt schon ein Thema für Zentralbanken?

Eine Zentralbank muss nicht nur beobachten, sondern selbst Perspektiven aufzeigen. Wenn es um neue Zahlungssysteme geht, möchten wir ganz vorn dabei sein. Daher unterstützt das Euro-System auch Instant Payment – also eine Echtzeit-Überweisung, die innerhalb von Sekunden von Konto zu Konto abgewickelt wird. Nicht nur wir, der gesamte Finanzbereich hat ein Interesse daran, dass neue Währungen und Zahlungssysteme stabil und sicher funktionieren. Wir als Bundesbank haben beispielsweise schon 2016 zusammen mit der Deutschen Börse einen Blockchain-Prototypen für den Wertpapiertransfer entwickelt, um zu sehen: Wie funktioniert das praktisch?

Was versprechen Sie sich von der Blockchain-Technologie?

Sollten Zahlungen dauerhaft mit Informationen über die Transaktion und die Beteiligten verknüpft werden, was ja bei Blockchain sehr gut machbar ist, bietet diese Technologie vor allem die Möglichkeit zu mehr Transparenz. Im Bereich Handelsfinanzierung etwa umfasst ein grenzüberschreitender Warenverkauf viele Beteiligte und viele Zug-um-Zug-Zahlungen. Mit der Blockchain-Technologie wäre eine sehr viel schnellere, transparente und automatisierte Abwicklung möglich.

Das Bezahlen in Echtzeit soll ja ab diesem Jahr auch in Deutschland möglich sein. Benutzen Sie dann privat diese Bezahl-Apps?

Echtzeit-Bezahlverfahren sind etwas sehr Kundenfreundliches. Insofern wird das zahlreichen Bankkunden zugutekommen. Ob ich selbst dazu gehören werde, wird sich zeigen. In erster Linie scheint mir das aber vor allem etwas für die kommende Generation zu sein, die sogenannten Digital Natives.

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